Immobielien : Steigende Mieten

Die Stadt Kiel fing 1999 im großen Stil an, Dresden trieb es 2005 auf die Spitze: Die Elbmetropole verkaufte mit der Woba ihren gesamten Wohnungsbestand an eine amerikanische Finanzgruppe, erlöste 981,7 Millionen Euro netto – und wurde so als erste deutsche Stadt auf einen Schlag schuldenfrei. Der Coup reizt bis heute viele Stadtkämmerer. In Freiburg im Breisgau scheiterte ein ähnliches Vorhaben allerdings an einem negativen Bürgerentscheid.

Solche Bürgerängste hält der Präsident des Mieterbundes, Franz-Georg Rips, für berechtigt: „Die Erfahrungen zeigen, dass die neuen Investoren mit ihren Miethöhen oft bis an die Grenzen des Zulässigen gehen. Belastbare Zahlen gibt es nicht, aber ich halte es für realistisch, dass die Mieten in privatisierten Wohnungen mittelfristig um zehn Prozent steigen“, sagte er dem Tagesspiegel am Sonntag. „In Kiel erleben wir schon, dass etwa Familien mit Kindern immer mehr Probleme bekommen, Wohnungen zu finden, weil die privaten Vermieter sie ja nicht nehmen müssen.“

Das Wohnen in öffentlicher Hand sei aber keine Garantie für günstige Mieten, wie man in Berlin sehen könne. Das Land verzichtete auf eine Vollprivatisierung, im Gegenzug müssen WBM, Degewo und Co. schwarze Zahlen schreiben. 2007 machten die öffentlichen Wohnungsbauunternehmer knapp 117 Millionen Euro Gewinn, wie der Finanzsenator vergangenen Donnerstag verkündete.

Der Immobilienverkauf ist für Politiker mit Abstand der beliebteste Weg, um leere Kassen zu füllen: 32 Prozent der Kommunen, die Privatisierungen durchgeführt haben, haben Immobilienbestand verkauft, sagt eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young von 2007. 41 Prozent der Kommunen wollen weiter Immobilien veräußern. Dabei handelt es sich überwiegend um Büro- und Verwaltungsgebäude, doch auch der Ausverkauf von Wohnraum hält an. kph

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