IMMOBILIEN : Gold in der Großstadt

Häuser in Metropolen werden für viele unbezahlbar.

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Ein Graben zieht sich durch Deutschland. Oder besser: Viele kleine Gräben. Sie verlaufen zwischen Hamburg und Neumünster, zwischen Hannover und dem Harz, zwischen Berlin und Boitzenburg. Auf der einen Seite: steigende Immobilienpreise, immer höhere Mieten. Auf der anderen: verfallende Preise, jahrelang leer stehende Häuser.

So sieht der Markt für Häuser und Wohnungen derzeit aus. 2011 zogen die Preise im Schnitt um 5,5 Prozent an, hat die Bundesbank ermittelt – mehr als doppelt so stark wie im Vorjahr. Die erste „markante Preisreaktion“ seit der Wende sei das gewesen. In vielen Großstädten herrscht Goldgräberstimmung, begehrte Lagen von Hamburg oder München verteuerten sich um mehr als zehn Prozent. Sparer, die ihrer Bank nicht mehr trauen, legen ihr Geld in Betongold an. Und jene, die lieber mit Vermietungen auf fünf Prozent Rendite kommen wollen als mit Bundesanleihen auf ein Prozent.

Wächst sich der Anstieg zu einer Übertreibung aus, drohen schlimme Folgen. In Spanien und Irland hat das Platzen der Häuserblase die Wirtschaft in die Krise gestürzt. Doch von einer Blase sprechen Fachleute erst, wenn sich die Preise von den Fundamentaldaten abkoppeln. Übertreibungen gibt es aus Sicht der Internetplattform Immobilienscout24 etwa, wenn die Kaufpreise schneller steigen als die Mieten. Das sei derzeit nur für einige prosperierende Mittelstädte wie Würzburg oder Regensburg der Fall, sagt Chefanalyst Michael Kiefer. Nicht einmal in teuren Märkten wie München könne man von einer Blase sprechen. „Die Käufer akzeptieren niedrigere Renditen, weil sie ihre Wohnung gut vermieten und auch bei Bedarf rasch wieder verkaufen können.“

Berlin ist allerdings ein Spezialfall. Hier sind die Mieten zuletzt stärker gestiegen als die Kaufpreise. Nun ziehen aber auch die Preise an. „Eine Blase ist das noch nicht, weil das Angebot hier sehr hoch ist“, sagt Immobilenscout-Experte Kiefer. „Sollten die Preise aber weiter steigen, kann es zur Blase kommen, womöglich schon innerhalb eines Jahres.“ Realistisch sei aber ein Plus von fünf Prozent binnen eines Jahres. Die Leute seien auf Dauer nicht mehr bereit, 4000 Euro je Quadratmeter in Prenzlauer Berg zu bezahlen. „Sie weichen aus nach Mitte oder Pankow“, sagt Kiefer. Carsten Brönstrup

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