Immobilien : Teure Häuser

Die amerikanische Finanzkrise trifft die Branche härter als erwartet. Das schürt Panik unter den Anlegern.

Finanzkrise
Auf Pump gebaut: Der Kern der Krise liegt im US-Immobilienmarkt. -Foto: AFP

Berlin - Die US-Hypothekenkrise belastet die Finanzbranche stärker als bisher gedacht. Allen voran ist die größte amerikanische Bank Citigroup betroffen: Sie kündigte nach dem erzwungenen Rücktritt ihres Chefs Charles Prince weitere Abschreibungen in Höhe von bis zu elf Milliarden Dollar (7,5 Milliarden Euro) im Zusammenhang mit dem Hypothekengeschäft an. Bereits im dritten Quartal hatte die Citigroup Wertberichtigungen in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar vornehmen müssen. Die Bank korrigierte am Montag auch ihren Gewinn für das dritte Quartal nach unten. Statt der ursprünglich berichteten 2,38 Milliarden Dollar hat sie nur 2,21 Milliarden Dollar (1,53 Milliarden Euro) verdient.

An den Finanzmärkten wächst nun die Furcht, dass auch andere Banken mehr Geld verlieren, als sie bisher zugegeben haben und die Krise deutlich länger anhält. Hartnäckig halten sich zum Beispiel Gerüchte, wonach auch die US-Investmentbank Merrill Lynch, deren Chef in der vergangenen Woche ebenfalls gehen musste, höhere Risiken in ihren Büchern hat, als bisher veröffentlicht.

Anleger verkauften am Montag erneut massenhaft Bankaktien. Das Papier der Citibank verlor zum Handelsstart 4,5 Prozent. Auch in Deutschland ging die Talfahrt der Finanztitel weiter: Aktien der Postbank verloren bis kurz vor Handelsschluss rund 4,1 Prozent. Bei der Deutschen Bank ging es um 2,3 Prozent nach unten. Seit ihrem Höchststand Mitte Mai hat der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses knapp 28 Prozent eingebüßt.

Dabei hatte die Deutsche Bank noch vor einer Woche überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt und zumindest die eigene Krise für beendet erklärt. Daran scheinen Anleger und Analysten nun zu zweifeln. „Es gibt momentan eine große Unsicherheit“, sagt Dieter Hein von Fairesearch. „Teilweise scheinen die Banken selbst nicht zu wissen, wie hoch die Risiken sind.“ Eine Mitschuld am erneuten auflodern der Krise sieht Hein bei den Instituten, die vorschnell Entwarnung gegeben hatten und nun zurückrudern müssen. „Die Banken haben die Krise mit ihren falschen Aussagen weiter verschärft“, sagt der Analyst. Dadurch würden nun auch die Institute in Mitleidenschaft gezogen, die sich bisher richtig verhalten hätten.

Das Misstrauen der Anleger liegt in den kreativen Spielräumen begründet, mit denen die Banken ihre Verluste mit hypothekenbezogenen Anleihen in ihre Bücher nehmen. „Weil es für viele Produkte derzeit einfach keine Preise gibt, bewerten die Banken sie mit einem Schätzpreis“, erklärt Analyst Hein. Das mache die Sache „intransparent“.

Am heutigen Dienstag will die Commerzbank ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorlegen. Am Freitag sind Allianz und Postbank an der Reihe. Was die von ihnen präsentierten Zahlen Wert sind, werden die Anleger wohl erst später erfahren. Dass die Finanzkrise ausgestanden ist, glaubt mittlerweile fast niemand mehr. „Bis April wird es immer wieder schlechte Nachrichten geben“, sagt Hein. „Das ist noch nicht vorbei.“

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