Immobilien : Achtung Doppelgänger

Das Efeublättrige Greiskraut ist dem echten Efeu täuschend ähnlich

Beat Ernst Leuenberger

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Der für unsere „Pflanze der Woche“ gelegentlich anzutreffende Name „Kap-Efeu“ ist irreführend, auch „Kap-Greiskraut“ passt nur bedingt. In Kultur taucht sie auch unter Namen wie Natal-Efeu oder Wachswinde auf. Doch botanisch heißt sie korrekt Senecio macroglossus, „großzungiges Greiskraut“. Die Artbezeichnung bezieht sich auf die großen Zungenblüten dieses Korbblütlers. Für die Gattung Senecio war früher alternativ auch Kreuzkraut ein verbreiteter deutscher Name, doch scheint sich Greiskraut in Gartenlexika durchgesetzt zu haben.

Blüten sind an unserer ausgewählten Pflanze selten zu sehen. Dem Besucher fallen aber sofort die Blätter auf. „Sieht aber wirklich aus wie ein Efeu“, ist Jedermanns erste Reaktion selbst nach einem Seitenblick auf das Etikett. Ein Efeu mitten unter sukkulenten Pflanzen aus Afrika?

Das hat schon seine Richtigkeit. Denn die Wildart mit den grünen, wie Efeu geformten und gezeichneten Blättern, und die daneben rankende Kulturform, eine Sorte mit weißbunten, panaschierten Blättern, sind fast perfekte Doppelgänger unseres heimischen Efeus und seiner buntblättrigen Kulturformen. Die Doppelgänger sind im Sukkulentenhaus „H“ links von der Treppe zu finden – allerdings nicht nebeneinander stehend.

Ein kritischer Blick auf beide Pflanzen zeigt indes gewisse Unterschiede gegenüber dem Efeu. Das Efeublättrige Greiskraut windet, während der Efeu mit Haftwurzeln klettert. Dass dieser – als Topfpflanze gärtnerisch vermarktet – zuweilen wie eine Windepflanze um eine Stütze gewickelt wird, sollte nicht über seine wahre Natur hinwegtäuschen. Die wachsig glänzenden Blätter des Efeublättrigen Greiskrauts sind deutlich fleischig, also sukkulent, während der echte Efeu viel dünnere, krautige und im Alter lederartige Blätter hat.

So ist unsere Pflanze, wie die Blüten erst recht beweisen, doch kein Efeu und auch nicht vom Kap im engeren Sinne. Die Verbreitung der Art hat ihren Schwerpunkt im östlichen Südafrika, vor allem in Kwazulu-Natal, kommt aber weiter nördlich auch bis Mosambik und Simbabwe vor. In dieser subtropisch-tropischen Zone wächst sie an Waldrändern, an felsigen Stellen und auf sandigen Böden.

Zum Vergleich sind im Sukkulentenhaus noch andere sukkulente Greiskraut-Arten zu finden, die im tropischen und südlichen Afrika sowie in Arabien eine beachtliche Mannigfaltigkeit entwickelt haben – übrigens von Blattsukkulenten verschiedenster Formen bis hin zu klassischen Beispielen von Stammsukkulenten.

Blütenköpfe mit großen Zungenblüten wie bei der „Pflanze der Woche“ sind im Winterhalbjahr längere Zeit an Medley-Woods Greiskraut (Senecio medley-woodii), einem fleißigen Blüher im gleichen Haus zu sehen. Die Gattung Senecio umfasst weltweit etwa 1500 Arten. Davon werden etwa 70 den sukkulenten Pflanzen zugerechnet.

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