Immobilien : Afrikanische Schönheiten

H. W. Lack

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Während im Freiland der feuchte Spätherbst in den Winter übergeht und damit das Ende der Vegetationsperiode erreicht ist, gibt es in den Gewächshäusern keine Einschränkung pflanzlichen Lebens. Gerade jetzt stehen zwei Aronstabgewächse in voller Blüte – die populäre Zimmerkalla (Zantedeschia aethiopica) und die wenig bekannte Callopsis volkensii, die keinen umgangssprachlichen Namen besitzt. Beide stammen aus Afrika, einem Kontinent, wo Schnee und Eis nur in den Gipfellagen einiger weniger Hochgebirge anzutreffen sind, und deshalb können sie den Berliner Winter nur in hellen, geheizten Räumen überleben. Beide Arten sind keineswegs weit verbreitet. Zantedeschia aethiopica ist im Gegensatz zu ihrer Artbezeichnung „aethiopica“ auf den Osten der Republik Südafrika, Callopsis volkensii auf die heutigen Staaten Kenia und Tansania beschränkt. Die Hochblätter, welche die Blütenstände umgeben, sind bei beiden Arten leuchtend weiß gefärbt; die hochwüchsige Zimmercalla ist aber leicht von der niederliegend wachsenden, wesentlich kleineren Callopsis zu unterscheiden.

Während Callopsis volkensii erst im Jahre 1895 ihren wissenschaftlichen Namen durch Adolf Engler, damals Direktor des Königlichen Botanischen Gartens und Museums in Schöneberg bei Berlin, erhielt, war Zantedeschia aethiopica bereits viel früher bekannt. Guy de la Bosse, Leibarzt von Ludwig XIII., König von Frankreich, ließ erstmals eine Abbildung dieser Pflanze drucken. Er hat sie aber nicht im Süden Afrikas gesammelt, sondern seine Gärtner hatten eine Pflanze unbekannter Herkunft im Jardin du Roi in Paris kultiviert und ein Illustrator hatte sie gezeichnet. Das war im Jahre 1644, als es in der kurfürstlichen Residenz Berlin weder einen botanischen Garten, noch eine Akademie der Wissenschaften noch eine Universität gab.

Der heute gültige wissenschaftliche Name der Gattung wurde aber in Halle geprägt und erinnert wahrscheinlich an Giovanni Zantedeschi, damals Arzt und Botaniker in Brescia in der Lombardei. Die Artbezeichnung volkensii bezieht sich auf Georg Volkens, damals Kustos am Königlichen Botanischen Garten und Museum in Schöneberg und verantwortlich für die Botanische Zentralstelle für die Deutschen Kolonien, die ebenfalls in dieser Institution untergebracht war.

Die Blütenstände der beiden Arten riechen nicht; viele andere tropische Aronstabgewächse sind aber Aasblumen und locken durch ihren oft bestialischen Geruch nach verfaulendem Fleisch zahlreiche Bestäuber an, darunter Aasfliegen, männliche und weibliche - und dann geht es los. Mehr dazu in der Ausstellung „Sex im Pflanzenreich – Lust und Frust“ im Botanischen Museum. Sie ist in den Wintermonaten täglich bis 18 Uhr geöffnet, und damit zwei Stunden länger als der Botanische Garten.

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