Alexanderplatz : Plan für Hines Tower läuft wieder an

Bausenator Geisel: "Miteinander von Hochhausturm und BVG-Anlagen ist nicht mehr unmöglich." Investor übernimmt Risiko für U-Bahntunnel durch entsprechende Versicherungen.

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Der Masterplan von Hans-Kollhoff für den Alexanderplatz.
Der Masterplan von Hans-Kollhoff für den Alexanderplatz.Abbildung: Promo

Die Planungen zum Bau des sogenannten Hines Towers am Alexanderplatz sind nach Informationen dieser Zeitung wieder aufgenommen worden.

Das Planverfahren war im August 2013 unterbrochen worden, weil die BVG Sicherheitsbedenken hatte und immer noch hat: Weil das nördlich des „Saturn“-Kaufhauses geplante neue Hochhaus über ein unterirdisches Fundament aus dem Jahr 1927 mit der Tunnelröhre der U5 verbunden werden soll, könnte es im Tunnel während der Bauarbeiten zu Wassereinbrüchen und Absackungen kommen.

Der Altmeister der postmodernen Architektur, der über 80-jährige Frank Gehry, hat das Hochhaus entworfen. Ursprünglich sollte es als erstes von neun Türmen nach einem Masterplan von Hans Kollhoff entstehen.
Der Altmeister der postmodernen Architektur, der über 80-jährige Frank Gehry, hat das Hochhaus entworfen. Ursprünglich sollte es...Abbildung: promo

„Wir wollen eine technische Lösung zum Schutz des Tunnels. Eine Unterbrechung des U-Bahn-Verkehrs durch eine mögliche Havarie können wir uns nicht leisten“, hatte BVG-Sprecherin Petra Reetz im Mai 2014 dem Tagesspiegel gesagt.

Inzwischen ist die BVG aber mit dem amerikanischen Investor Hines über die Abschätzung der Risiken im Gespräch. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat das B-Planverfahren wieder aufgenommen. „Uns erscheint eine Lösung des Miteinanders von Hochhausturm und BVG-Anlagen nicht mehr unmöglich“, sagte auf Anfrage Martin Pallgen, Sprecher von Bausenator Andreas Geisel (SPD): „Derzeit aktualisieren wir die Planunterlagen und den Begründungstext auf Grund der dreijährigen Unterbrechung.“

Russen waren schneller

Der Hines Tower wäre das zweite Hochhaus am Alexanderplatz, das nach dem Projekt der russischen Monarch-Gruppe an den Start geht. Für deren Wohnhochhaus „Alexander“ – der Tagesspiegel berichtete exklusiv im April – war kürzlich der Bauantrag eingereicht worden.

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Hines Interests Limited Partnership ist ein internationaler Immobilienkonzern, der 1957 gegründet wurde. Hines hatte auch das benachbarte Einkaufszentrum „die mitte“ mit dem Saturn-Markt am Alexanderplatz errichtet und kurz nach Eröffnung 2009 an eine Immobilientochter der Commerzbank verkauft.

Baubeginn für den 150 Meter hohen Hines Tower sollte ursprünglich Anfang 2015 sein, die Fertigstellung war für 2017 avisiert. Doch im Mai 2014 wurde bekannt, dass das Bebauungsplanverfahren bereits im August 2013 unterbrochen wurde. Diese Phase ist nun überwunden.

Christoph Reschke, Geschäftsführer des deutschen Ablegers von Hines, freut sich auf die Umsetzung des Entwurfs von Stararchitekt Frank Gehry, der sich Anfang 2014 in einem internationalen Wettbewerb gegen acht andere Büros durchgesetzt hatte. „Eigentlich sollte der Hines Tower das erste Bauvorhaben sein, das nach dem Hochhaus-Masterplan von Hans Kollhoff entstehen sollte. Nun würden wir gerne das zweite Gebäude sein.“

BVG will größtmögliche Vorsorge

An der Planung habe sich weder architektonisch noch in technischer Hinsicht etwas geändert, sagte Reschke. An dem von Gehry geplanten Gebäudekörper seien keine Änderungen vorgesehen. Zu den Befürchtungen der BVG sagte Reschke: „Es geht um ein Konzept, das sicherstellt, dass die BVG abgesichert ist, falls während der Bauarbeiten etwas passieren sollte – wir übernehmen die Absicherung durch entsprechende Versicherungen.“

Auf dem zweiten Platz des Wettbewerbs landeten Kleihues+Kleihues.
Auf dem zweiten Platz des Wettbewerbs landeten Kleihues+Kleihues.Abbildung: promo

Die finanziellen Größenordnungen spielen hier die entscheidende Rolle, wie BVG-Pressesprecherin Petra Reetz dem Tagesspiegel bestätigt. Zunächst gehe es um die größtmögliche Vorsorge und damit um die Baumethode, um Risiken klein zu halten.

An zweiter Stelle sei zu klären, wie Havarien technisch zu bewältigen seien und drittens, wer dann für die Schäden aufkomme. „Die BVG zickt nicht rum“, betonte Reetz, habe aber an dieser Stelle im Untergrund die älteren Rechte: „Hines erkennt an, dass es ein berechtigtes Interesse der BVG gibt.“

Dritter im Wettbewerb um den besten Entwurf wurden Barkow-Leibinger.
Dritter im Wettbewerb um den besten Entwurf wurden Barkow-Leibinger.Abbsildung: promo

Im Moment säßen die technischen Fachleute zusammen, um zu klären, wie Wasserschotte dimensioniert werden müssten, um – im Falle des Falles – Schlimmeres zu verhindern. „Wann, wo und wie die eingebaut werden – da fehlen noch ein paar technische Untersuchungen“, sagte Reetz. Außerdem habe die BVG da noch eine letzte Frage an den Investor: „Wo gehen da eigentlich die Stromleitungen lang?“

Mitarbeit: Christine Siedler

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