Immobilien : Alles im Plan beim Geschäft mit den Ost-Immobilien

Doch gegen den Verkauf der TLG formiert sich auf der Straße und im Parlament Protest.

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Große Immobiliendeals sind inzwischen eine Sache mit Schmiss, da macht die Privatisierung der bundeseigenen TLG Immobilien und der TLG Wohnen keine Ausnahme. Der Verkauf von Wohnungen wird zum Politikum, da stehen Proteste an – was in Berlin auch einen Wechsel in die härtere Gangart bedeuten kann. Die, wie es heißt, „erfreulich zahlreichen“ Bieter, die sich derzeit um das in der TLG zusammengefasste Immobilienerbe der DDR bemühen, brauchen also Nerven, in Summe 1,7 Milliarden Euro oder mehr für den Kauf – und am besten auch Bodyguards für gelegentliche Realkontakte mit den Berliner Verhältnissen. Sonst läuft aber alles nach Plan für das Bundesfinanzministerium.

Der Plan von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist, jetzt – da Immobilien gefragt sind wie seit Jahren nicht mehr – den großen Abschluss zu machen. Die TLG Wohnen verwaltet knapp 12 000 Wohnungen, überwiegend aus dem Vorbesitz von Volkseigenen Betrieben (VEB) und der Nationalen Volksarmee (NVA), daneben einige neue Objekte. Die Wohnungen liegen im Berliner Umland, im Raum Leipzig-Dresden sowie in Rostock. Die TLG Wohnen wird auf 540 Millionen Euro Marktwert taxiert und ist für Investoren ausgesprochen attraktiv.

Die TLG ist profitabel. Im vergangenen Jahr fuhr sie ein operatives Ergebnis von gut 40 Millionen Euro ein. Das Gewerbeimmobilienportfolio ist zwar breit gefächert und reicht von Büros über Einzelhandelsflächen bis hin zu Pflegeheimen. Doch gerade die Wohnungen sind gut vermietet. Ein erster Privatisierungsanlauf der TLG war 2008 wegen der Finanzkrise gescheitert. Dieses Mal würde der Bund das Portfolio auch in den einzelnen Blöcken Wohnen und Gewerbe abgeben.

Nicht ganz so voll im Licht steht die TLG Immobilien, die 1,2 Milliarden erbringen soll. Sie verfügt über rund 300 Gewerbeliegenschaften – teils aus DDR-Bestand, teils Neubauten. In Berlin fallen besonders das Cubix-Kino am Alex und die eigenwilligen Bürozeilen des Alfred-Döblin-Hauses auf, am nordwestlichen Rand des Alexanderplatzes.

Oder die Kulturbrauerei. In ihr Schmuckstück an der Schönhauser Allee hatte die TLG Immobilien kürzlich die Teilnehmer der 19. Jahrestagung der Immobilienwirtschaft eingeladen, einer exquisiten Veranstaltung der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“. Die TLG hatte zu einem „Stilvollen Abend im Berliner Szene-Kiez Prenzlauer Berg“ gebeten. So wie es sich für Unternehmen ziemt, die große Geschäfte machen wollen. Doch viele Gäste kamen nicht oder um Stunden verspätet; sie hatten unterwegs ihre Erfahrungen mit einem speziellen Teil der Berliner Szene zu machen: Immobiliendeals sind heutzutage politisch indiziert. Im linken Spektrum organisiert sich Widerstand.

Der Bus der TLG-Gäste war auf dem Weg vom Tagungshotel am Potsdamer Platz zur Kulturbrauerei von Demonstranten im bunten Kiezdress gestoppt worden; es war eine auf linken Internetseiten minutiös vorbereitete Aktion unter dem Stichwort „Fang den Bus der Immoschweinchen“. Im Einsatz waren Sitzblockierer und der Fahrradkorso, eine Art von Zweiradkavallerie. Anfangs, so fasste es Werner Rohmert in seinem „Immobilien-Brief“ zusammen, nahmen er und die anderen Businsassen das Ganze noch als Kreuzberger Folklore auf („Immobilien-Haie zu Fischstäbchen“). Doch nach zwei Stunden Blockade war die Lage gefährlich angespannt. Anzugträger sollten sich nicht auf der Straße sehen lassen, hieß es. „In Berlin kauft man Ärger“, schrieb ein Twitter-Demonstrant.

Die SPD im Bundestag will den Verkauf der TLG Wohnen stoppen – mit parlamentarischen Anträgen. Ganz anders protestiert die Partei Die Linke gegen den Immobilien-Deal: durch Mitmachen. Sie ist eingestiegen wie die Großen der Immobilienbranche – und will mit der eigens gegründeten Genossenschaft TLG Fairwohnen den gesamten Stamm der TLG-Wohnungen übernehmen.

Die vorgeschriebenen Prozeduren bei der Ausschreibung hat die Genossenschaft der Linken peinlich genau eingehalten: bis zum 16. April „fristgerecht per E-Mail und per Post“ hat sie ihr Interesse im europaweiten Bieterverfahren erklärt und die geforderten Unterlagen eingereicht – an die Barclays Capital Investmentbank, die vom Bundesfinanzministerium mit der Abwicklung beauftragt ist. Wie alle anderen Bieter wurde TLG Fairwohnen danach aufgefordert, ein „indikatives Angebot“ abzugeben und durfte dazu ausgewählte Unterlagen einsehen.

Auch wenn bisher erst 600 Genossen Anteile gezeichnet haben, TLG-Fairwohnen-Vorstand Joachim Kadler versichert, er werde den Kaufpreis für die Wohnungen zusammenbekommen – immerhin mehr als eine halbe Milliarde Euro. „Die Zusage der Banken haben wir“, versichert er. Die braucht er aber nicht mehr. Seit dem 17. Juli hat Kadler die Absage der Barclays Capital auf dem Tisch; die TLG Fairwohnen ist aus dem Kreis der Bieter ausgemustert worden.

Die Genossen sind erbost und prüfen rechtliche Schritte, wie Kadler sagt. Unterdessen läuft die Werbetour der TLG-Fairwohnen-Genossenschaft weiter – durch 22 Städte oder Stammbezirke der Linkspartei: Allein im ehemaligen NVA-Revier Strausberg liegen 940 Wohnungen der TLG; hier den vollen Einsatz zu zeigen, das dürfte die politische Indikation der Linkspartei sein, meinen Beobachter.

Weiter nach Plan: Die übrigen Interessenten – wie viele es sind, dazu verkneift man sich im Bundesfinanzministerium jede Auskunft – sind jetzt aufgefordert, ein „bindendes Angebot“ abzugeben und dürfen dazu in die „Due-Diligence“-Prüfung einsteigen; da kommen alle Bücher auf den Tisch.

Von den insgesamt sechs Interessenten, die in der ersten Runde Angebote abgegeben hätten, seien nur zwei klassische Immobilienunternehmen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das seien die beiden Hamburger Firmen TAG Immobilien und KWG Kommunale Wohnen. Sie konkurrierten mit den Beteiligungsgesellschaften Cerberus, Blackstone, Apollo sowie einem Immobilienfonds der US-Investmentbank Morgan Stanley. Keiner der Genannten wollte sich zur Sache äußern.

Mit Leichtigkeit wird das Bundesfinanzministerium dann im Spätsommer aus diesem Kreis – verfahrensüblich wären zwei oder drei – Bieter mit den besten Geboten für die Schlussverhandlungen auswählen können. Bis zum Ende dieses Jahres soll der Handel abgeschlossen sein.

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