Immobilien : Alles Öko, oder was?

Beim Bau ihres Eigenheims setzte Familie Heidemeier ganz auf Naturbaustoffe. Dennoch kostete das Haus nur 1300 Euro pro Quadratmeter.

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Von Eva Kaspar

„Ihr habt wohl ’n Ökohaus!“ Diese skeptische Bemerkung bekommen die Heidemeiers öfters zu hören. Sie nehmen es gelassen hin, denn für sie ist es einfach nur ihr Traumhaus. In Schönow bei Bernau schließt es eine der letzten Lücken zwischen Einfamilienhäusern jeden Alters, deren Bauarten und –stile verschiedener nicht sein könnten. Für sich und ihren sechsjährigen Sohn Adrian haben die beiden Marketingexperten ein anderthalbgeschossiges Holzhaus gebaut, hinter dessen Fassade sich ein Holzständerbau aus Lehmsteinen verbirgt. Mit seiner warmen, rötlich-braunen Lärchenschalung und seinem roten Dach leuchtet es an diesem Tag in der Sommersonne.

Holzhäuser mit konventionellen Satteldächern wirken oft rustikal. Dieses Haus nicht - keine Spur von Blockhaus oder voralpenländischem Schnörkel. Im Gegenteil. Modern und gradlinig, steht es zwischen Birken und Kiefern, mit feingliedriger Fassade: Vom Sockel aufsteigend strebt die senkrechte Bodendeckelschalung hinauf bis zum Dachgeschoss. Dort wird sie unterbrochen von der waagerechten Stülpschalung, die auf den Traufseitenunter dem Dach endet.

Auf den Giebelseiten umspannen die waagerechten Bretter die hoch aufragenden Holzfenster des Dachgeschosses, bevor sie darüber wieder von senkrechten Brettern abgelöst werden, die sich bis hoch in den First recken. Den größten Effekt haben jedoch die beiden modernen Lichtbänder im Dach. Kühl und gerade unterbrechen sie die weichen Wellen der Tonziegel. Die mittleren Dachflächen begrenzend, reichen sie beidseitig vom First bis zur Traufe; zur Straße hin ziehen sie sich dabei bis über die Ränder des Windfangs, der dem Haus vorgelagert ist.

Von hier betritt man das Haus, das einen mit der Weite und Offenheit seiner Diele willkommen heißt. Links geht die große Wohnküche ab, rechts Arbeitszimmer, Hauswirtschaftsraum und das Gästebad; geradeaus schließt sich das Kaminzimmer an. Entlang der seitlichen erdfarbenen Lehmwände fällt das Tageslicht der Glasbänder vom offen gehaltenen First bis hinunter in die Diele.

Eine raffinierte Konstruktion

Erklimmt man die frei stehende Stahltreppe zum Dachgeschoss, erschließt sich einem die raffinierte Konstruktion der Geschossdecke unter den Glasbändern, die diesen Lichtfluss ermöglichen: Zur Straße und zum Garten endet sie weit vor der Hauswand, so dass Eingangsbereich und Kaminzimmer bis in den First reichen. Vor den Kinder- und Gästezimmern sorgen im Boden eingelassene Glasplatten für Durchblick. Und gegenüber, zwischen den Zugängen von Schlafzimmer und Bad, lässt die frei stehende Treppe genug Platz für das herabflutende Licht. So entsteht oben eine Galerie. „Bei Regen prasselt es wie in einem Zelt. Und nachts funkelt der Sternenhimmel durch die Lichtbänder,“ sagt Ilka Heidemeier.

Drei Quadratmeter Nasszelle

Ihr Mann Tom kommt ins Schwärmen, wenn er das Gästebad vorführt. Die winzige, drei Quadratmeter große Nasszelle ist sein Demonstrationsobjekt für die Vorzüge des verbauten Lehms: „Wenn man hier duscht, beschlägt nicht einmal der Spiegel,“ erzählt er stolz. Das geht nur mit dem Baustoff Lehm; dieser nimmt Luftfeuchtigkeit so gut auf und gibt sie nach und nach wieder an die Raumluft ab. Doch wie kommt man als moderner Mensch auf diesen altertümlichen Baustoff? „Wir haben uns viele Häuser angeschaut, uns aber nirgends auf Anhieb so wohl gefühlt wie in dem Lehmhaus einer Bekannten,“ sagt Ilka Heidemeier.

Weil sie sich für diesen Baustoff entschieden hatten, stand auch der Architekt fest: Dirk Homann, ein Berliner Lehmbauexperte, dessen klarer Grundrissentwurf sie sofort begeisterte. Er war es auch, der ihnen noch andere Facetten des ökologischen Bauens nahe brachte und ihnen dafür Argumente lieferte. Der Baustoff und die Konstruktion schonen Umwelt und Gesundheit, dass sie darüber hinaus auch noch bezahlbar und anmutig sind, waren die Heidemeiers rasch überzeugt, dass sie nur so bauen wollten.

Dass dabei nicht nur die Art, sondern auch die Herkunft der Baustoffe eine Rolle spielt, ist für das Paar ebenso folgerichtig wie für Homann: Je kürzer die Transportwege, desto besser. Denn das verhindert lärmenden und umweltschädlichen Verkehr. Zumal die Heidemeiers selbst darunter gelitten hatten: Es war der Lärm, der das Paar nach der Geburt ihres Kindes bewog, die Stadt zu verlassen.

Das für das Haus erforderliche Holz stammt aus der Uckermark, aus Barnim und Märkisch Oderland. Die Stämme liefen durch Säge und Hobel eines mittelständischen Holzverarbeitungsbetriebes in Lunow an der Oder. Dessen Zimmerleute verarbeiteten den Baustoff dann vor Ort: Eiche für die Schwellen des Holzständerwerks und Kiefer für die Stiele und Riegel. Lärche für die Fassade. Die Kieferndielung für alle Böden verlegten Heidemeiers selbst. Auch die Eichenbretter auf der Terrasse und dem Unterbau.

Auch der Ziegel kommt aus dem Umland: dem südwestlich gelegenen Glindow. Mit den rot-gelben Schattierungen schmückt er Sockel und Schornsteinkopf. Noch weiter südlich, im brandenburgischen Buchwäldchen formte und trocknete eine Ziegelei die 14000 Massivlehmsteine. Dann legten die Heidemeiers mit Handwerkern selbst Hand an und stapelten sie in den Wände und Decken. Dort dient der Lehm als Speichermasse für Wärme im Winter und Kühle im Sommer. Auch die Außenwände und das Dach sind mit Zelluloseflocken gut gedämmt. Die Flocken kamen aus Berlin. Es ist ein Recyclingprodukt aus Altpapier.

Weil es gut eingepackt ist, genügt das Eigenheim dem Niedrigenergiehausstandard. Das heißt, das Haus verbraucht ein Viertel weniger Heizenergie als die Wärmeschutzverordnung verlangt. Dennoch hatten die Bewohner auch an die Versorgung mit Heizung, Wasser und Strom hohe Ansprüche: Sie setzten neueste Brennwerttechnik ein, um Wärme und heißes Wasser zu erzeugen: das stellt eine besonders effiziente Ausnutzung des Brennstoffes Gas sicher und erzeugt dabei wenig Abgase.

Regenwasser für die Waschmaschine

Auch das Trinkwasser schonen die Heidemeiers. Waschmaschine, Toilettenspülung und Gartenpflanzen versorgen sie mit Regenwasser. Die Elektroleitungen sind aus PE (Polyethylen) statt aus PVC (Polyvinylchlorid), das wegen seines Chlor-, Schwermetall- und Weichmacheranteils umstritten ist. Noch fehlt das Geld für die Solaranlage auf dem Dach zur Warmwasseraufbereitung. Doch die dafür notwendigen Kabel und Rohre sind schon im Haus verlegt und der Warmwasserspeicher ist dafür ausgelegt.

Und der Preis des ökologisch reinen Gewissens? Rund 1300 Euro pro Quadratmeter. Zwei Drittel der Baukosten mussten Heidemeiers mit Krediten finanzieren: Das günstigste Baugeld kam von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Zwei Kredite kamen hinzu: der eine auf einen bestehenden, der andere auf einen neuen Bausparvertrag.

„Unser Haus ist schöner geworden, als wir es uns je erträumt haben,“ schwärmen die Heidemeiers. Beim nächsten Mal würden sie aber noch mehr selber bauen, um die Schulden zu drücken und die Qualität zu erhöhen - und sie würden mehr Frauen mit den Bauleistungen beauftragen. Die Sorgfalt, mit der eine Berliner Handwerkerin farbige Lehmfeinputze auf Wandoberflächen auftrug, hat das Paar sichtlich beeindruckt. Ihr Schlafzimmer ist in zartes Mintgrün getaucht.

Das Umweltbundesamt bietet den kostenlosen Ratgeber „Umweltfreundlich bauen“ über Konstruktionen, Fenster, Heizung und Dämmstoffe: UBA, Zentraler Antwortdienst, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, Tel. 89 03 -2304, Fax –2912, e-mail: Ingrid.strecke@uba.de , Internet www.blauer-engel.de .

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