Immobilien : Am Anfang steht die Beratung

Auch ökologische Baustoffe können Allergien auslösen

Joachim Göres

Allergikergerechte Häuser – das versprechen immer häufiger Handwerker und Bauunternehmen. Angesichts der wachsenden Zahl von Allergien, vor allem bei Kindern, erscheint dies als profitable Nische. Dabei sollte man genau aufpassen, was der Anbieter unter „allergikergerecht“ versteht und ob er seine Verfahren und Ergebnisse von neutraler Seite kontrollieren lässt.

Das Institut für Umwelt und Gesundheit in Fulda (www.iug-umwelt-gesundheit.de) überprüft regelmäßig zwei Unternehmen, die beim Hausbau speziell auf die Bedürfnisse von Allergikern eingehen: die im Holzrahmenbau tätigen Firmen Bau-Fritz aus Erkheim im Allgäu und die 81 Fünf AG mit Sitz in Dannenberg. Baufritz (www.baufritz.de) verzichtet auf Holzschutzmittel, testet alle Baumaterialien auf Giftigkeit, die mit Wasser in Berührung kommen, führt Luftschadstoffmessungen durch und achtet auf die genaue Auswahl aller Baumaterialien.

„Der erste Schritt für ein allergikergerechtes Haus ist, dass man die Inhaltsstoffe der Baumaterialien kennt“, sagt Peter Bachmann, Vertriebsleiter der 81 Fünf AG (www.81fuenf.de). Für ihn gibt es keine allgemeinen Ratschläge, welche Stoffe beim Bau nicht verwendet werden dürfen. „Man muss sich vom Glauben verabschieden, dass ökologische Materialien für Allergiker am besten geeignet sind. Auch Naturstoffe wie Weichhölzer mit Harzanteil – Fichte, Tanne, Kiefer – können Allergien auslösen.“

Die Dannenberger Firma garantiert, dass 400 Stoffe die vom Institut für Umwelt und Gesundheit festgelegten Grenzwerte nicht überschreiten. Per Bluttest versucht man herauszubekommen, auf welche Stoffe der Körper allergisch reagiert. Über eine Baustoffdatenbank wird dann versucht, Alternativen zu beim Hausbau üblichen Materialien zu finden, wenn der Bauherr auf diese überempfindlich reagiert. Zusätzlich werden Windfang , Lüftungsanlagen gegen Schimmelsporen sowie eine Sauna empfohlen, in der Matratzen von Milben befreit werden können. Bachmann beziffert den Quadratmeterpreis für ein schlüsselfertiges Allergiker-Haus auf 1200 bis 1500 Euro.

Oft sind Paare, die ein Kind erwarten, an einem allergikergerechten Haus interessiert, um ihrem Nachwuchs Leid zu ersparen. Peter Bachmann weiß aus eigener Erfahrung, dass es dafür mitunter auch einfachere Wege gibt: „Kurz bevor unser erstes Kind zur Welt kam, haben wir den Boden extra gestrichen, damit er schön aussieht, natürlich mit Öko-Farbe. Das ist das Verkehrteste, was man machen kann, denn auch durch frische Öko-Farbe bekommt man eine hohe Schadstoffkonzentration. Ich habe seit sechs Jahren eine Allergie gegen Hausstaub und Tierhaare, und mir hilft ein besonderer Teppichboden. Meine Frau hat eine Pollenallergie. Ihr geht es besser, seitdem sie sich ihre Haare nicht mehr mit Henna färbt." Auf einen Umzug konnten die Bachmanns verzichten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar