Immobilien : Am liebsten tagsüber und durchs Fenster

Einbrecher brauchen oft weniger als eine halbe Minute, um in die Wohnung zu kommen – was die Polizei den Bewohnern rät

Jutta Burmeister

Wer neue Fenster für sein Haus oder seine Wohnung braucht, bekommt manchmal zuerst einen Hammer und einen Schraubenzieher gereicht. „Damit darf der Kunde ohne Scheu auf unsere Sicherheitsfenster einschlagen oder versuchen, den Rahmen aufzuhebeln. Erfolg haben wird er nicht“, verspricht Dirk Petersen, Marketing-Leiter der Firma Aldra im schleswig-holsteinischen Meldorf.

Derart drastische Vorführungen, so Petersen, überzeugten manche Kunden mehr als das bloße Erklären von Sicherheitsstandards. An seinem Sitz im schleswig-holsteinischen Meldorf hat das Unternehmen deshalb eigens einen Marktplatz mit verschiedenen Häusern nachgebaut. Auch eine weitere Neuheit lässt sich dort besichtigen: Haustüren, für die man keinen Schlüssel mehr braucht. Die Nachfrage nach derartigen elektronischen Türen wachse stetig, sagt Petersen. Geöffnet werden sie per Fingerabdruck – natürlich nur von Personen, deren Prints vorher gespeichert wurden.

Auch wenn die elektronische Tür noch ein Nischenprodukt ist: „Die meisten Leute haben verinnerlicht, dass sie ihre Fenster und Türen sichern sollten“, sagt Susanne Bauer, Landespräventionsbeauftragte der Berliner Polizei. Offene Fenster bei Abwesenheit der Bewohner und einfache Türschlösser, die in wenigen Sekunden zu knacken sind, gebe es immer seltener. Als Folge sei die Zahl der Wohnungseinbrüche in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, so Bauer. 6061 Einbrüche gab es 2005 in Berlin, 1996 waren es noch 14688. Bei einem Drittel davon blieb es beim Versuch. Innenstadtbezirke sind stärker belastet als Gebiete mit – meist gut gesicherten – Einfamilienhäusern am Rande der Stadt.

Denn der Einbruch sei ein typisches Delikt der Beschaffungskriminalität, sagt Susanne Bauer. Den Tätern gehe es darum, schnell an Geld oder Wertsachen zu gelangen. Für einen Einbruch werden meist maximal 20 Minuten „angesetzt“. Das Einsteigen selbst darf bis zu fünf Minuten dauern. Gelingt dies nicht, wird das Vorhaben meist abgebrochen. „Eine Konfrontation wollen die Täter in der Regel vermeiden“, sagt Bauer. Die meisten Einbrüche finden deshalb am Tage statt, wenn niemand zu Hause ist. Sichtbare Sicherungstechnik schreckt diese „Spontantäter“ ab.

Aber auch Profis nehmen nicht jedes Risiko in Kauf. Schwachstellen sind häufig die Fenster. Bei Neu- und Umbauten sollten deshalb Einbruch hemmende Fenster mit Verriegelung, stabilen Beschlägen, Sicherheitsglas und Fenstergriffschloss eingeplant werden. Für unterschiedliche Sicherheitsansprüche gibt es verschiedene Widerstandsklassen. Die Kosten liegen bei 200 bis 300 Euro je Fenster. Aber auch alte Fenster, die mit einem Schraubenzieher in Sekunden aufgehebelt werden können, lassen sich nachträglich absichern: durch ein Schloss im Fenstergriff und Riegel im Rahmen. Einbruch hemmende Gläser oder Folien bieten dagegen nur unzureichenden, Isolierverglasungen gar keinen Schutz. Außerdem: Nur einer von hundert Einbrechern wählt den Weg durch die Fensterscheibe, denn Lärm und Verletzungsrisiko sind einfach zu groß. Bei Fenstern im Erdgeschoss können zudem Gitter sinnvoll sein – sofern dadurch nicht ein Fluchtweg versperrt wird. Rollläden dagegen sind einfach hochzuschieben und am Tage oft sowieso hochgezogen.

Nach den Fenstern ist die Tür der von Einbrechern am häufigsten gewählte Weg. Ist die Tür hohl, kann sie leicht eingetreten werden. Wer keine neue einbauen will, kann sich mit einer Metallplatte oder einer acht Millimeter dicken Sperrholzplatte behelfen, die von innen gegen die Tür gesetzt wird. Zusätzlich sollte ein Querriegel das Aufbrechen verhindern. Bevor Mieter jedoch ein Loch in die Tür sägen, brauchen sie die Zustimmung des Vermieters. Ob ein Wohnungseigentümer eine bauliche Veränderung vornehmen darf, hängt vom Einzelfall ab. So gab beispielsweise das Oberlandesgericht Köln einem Eigentümer Recht, der seine Erdgeschosswohnung mit Schutzgittern sichern wollte, obwohl die Eigentümergemeinschaft sich dagegen aussprach (Aktenzeichen: 16 Wx 48/04).

Doch die beste Technik nützt nichts, wenn die Bewohner durch ihr Verhalten Einbrechern den Einstieg erleichtern. So sollten Schlüssel niemals draußen „versteckt“, Türen immer zweimal abgeschlossen und Schließzylinder nach jedem Schlüsselverlust unverzüglich ausgetauscht werden. Wertsachen gehören in einen Safe. Bei längerer Abwesenheit sollte zudem nichts auf den Leerstand hinweisen: Dazu gehören etwa volle Briefkästen, heruntergelassene Rollläden, aber auch ein ungemähter Rasen. Stattdessen sei es sinnvoll, die Wohnung oder das Haus durch Freunde, Nachbarn oder einen professionellen Haushüter bewohnen oder bewohnt erscheinen zu lassen. Auch Alarmanlagen, Schaltautomaten für Licht und Radio oder einfach im Garten verstreutes Spielzeug sind sinnvoll.

Die Hausratversicherung zahlt nur dann nicht, wenn grob fahrlässig gehandelt wurde. Dazu zählt etwa ein gekipptes Fenster im Erdgeschoss – wogegen ein Fenster im fünften Geschoss durchaus geöffnet sein kann. Sind in der Police bestimmte Sicherungen vertraglich vereinbart, müssen sie auch benutzt werden. In Einzelfällen allerdings könne sich ein Mieter oder Eigentümer durchaus auch auf ein „Augenblicksversagen“ berufen – zum Beispiel, wenn die Alarmanlage gerade erst den Dienst versagt habe und die Wartungsfirma schon informiert sei.

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