Immobilien : Amateure bauen auf Profis

Verband Privater Bauherren feiert Jubiläum

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„Häuslebau ist Ehekrise pur. Eigentlich müssten wir auch Paarberatung anbieten.“ So witzelten die Gäste der Jubiläumsfeier des Verbandes Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Ehetipps gibt der Verband nicht, dafür vertritt er seit 30 Jahren Verbraucherinteressen. Die meisten Deutschen bauen nur einmal im Leben ein Eigenheim – das ist Stress genug.

Für 109 Euro im Jahr steht der Verband allen privaten Immobilienkäufern und Bauherren zur Seite, die ein Haus oder eine Wohnung erwerben, sanieren oder selbst bauen wollen. Die VPB-Fachleute inspizieren die Baustelle, kontrollieren Termine und Abrechnungen. Gibt’s Ärger oder Mängel, helfen Sachverständige und Experten. Leistungen, die die eigene Neutralität mindern können, bietet der VPB nicht. So ist es in der Satzung festgeschrieben. Der Verband mit seinen 60 Regionalbüros finanziert sich nur über die Beiträge von derzeit 10 000 Mitstreitern. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat der VPB rund 100 000 Bauherren auf dem Weg in die eigenen vier Wände betreut. Die hohe Fluktuation liegt in der Natur der Sache: Viele Mitglieder scheiden nach der akuten Bauphase wieder aus. Die acht VPB-Gründungsväter waren selbst „Bau-Geschädigte“; Laien wie die meisten. Mit der fachlichen Unterstützung des VPB sollen Amateure künftig den Anbietern auf Augenhöhe begegnen können.

Der VPB vertritt Bauherreninteressen auch gegenüber der Politik. Im Deutschen Bundestag ist er anhörungsberechtigt. Den Status eines Verbraucherschutzverbandes erkämpfte sich der VPB 1978. Der Verband hatte öffentlich unseriöse Bedingungen in Bauträgerverträgen angeprangert. Ein Bauträger klagte dagegen und verlor. Das Gericht bestätigte den Verbraucherschützer-Status des VPB.

Seither hat sich der Verband immer wieder eingemischt, wenn es darum ging, die Immobilie in die Altersvorsorge einzubeziehen, die Eigenheimzulage zu verteidigen oder Mindeststandards für Bau- und Leistungsbeschreibungen zu entwickeln. Zehntausende Bauherren laden sich von der Website des VPB (www.vpb.de) preiswert oder kostenlos Ratgeber und Tipps herunter. Einer der Renner: das „ABC der Gemeinheiten“. Es beschreibt typische Probleme und Mängel in Bauträgerverträgen – von Abwasser bis Zahlungsplan.

Zu seinem 30-jährigen Bestehen hatte der VPB unter Schirmherrschaft von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee den Wettbewerb „Transparente Baubeschreibung“ ausgeschrieben. Hunderte Firmen riefen an, informierten sich – und kniffen. Nur 22 Bewerber hatten das Vertrauen in die eigene Leistung und schickten ihre Arbeit ein. Gewonnen hat die baden-württembergische Firma Denkinger. Sachlich und klar waren in deren Baubeschreibung die wesentlichen Informationen zusammengefasst. Sie verzichtete auf Werbeaussagen und trennte sauber Standard- und optionale Leistungen. „Hochseriös bis ins Detail“, so das Lob der Jury. heid

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