Immobilien : Anleger haben kein Interesse an Berliner Immobilien

Makler: Im Vergleich zu Objekten in Paris oder London ist die Rendite auf deutschen Märkten zu niedrig

Jörn Pestlin

In Zeiten schwacher und schwer kalkulierbarer Aktienmärkte, niedriger Zinssätze und einem Wirtschaftswachstum von gerade mal einem Prozent suchen immer mehr Anleger ihr Heil in der Immobilie. Vermietete Bürohäuser in bester Lage haben sich für global agierende institutionelle und private Investoren – trotz gesunkener Renditen im Jahr 2002 - zu einer beliebten, weil risikoarmen Anlageform entwickelt.

Doch auf ihrer Suche nach geeigneten Anlageobjekten sind Berlin, aber auch die anderen bundesdeutschen Immobilienhochburgen wie Frankfurt am Main, München, Hamburg und Düsseldorf für international orientierte Immobilieninvestoren nur noch zweite Wahl. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des Makler- und Investmenthauses Jones Lang LaSalle hervor.

„In Berlin sehen wir in diesem Jahr kein neues internationales Geld“, sagte Claus Thomas, Geschäftsführer der Deutschland-Niederlassung von LaSalle Investment Management GmbH vor Journalisten. Zu Beginn des neuen Jahres gehöre Deutschland nicht mehr zu den Favoriten der Anleger, so der Mitarbeiter des Tochterunternehmens des weltweit operierenden Maklerhauses.

Die wichtigste Ursache für das geringe Interesse ausländischer Investoren, ihr Geld in deutsche Immobilien anzulegen, seien die hier zu Lande vergleichsweise mageren Renditen für diese Anlageform. Mit 5,3 Prozent liege die laufende Immobilienrendite nur einen Prozentpunkt über dem Zinssatz für Bundesanleihen, die nahezu risikofrei sind.

Mehr Zinsen für das Kapital brächten Investitionen in den Niederlanden, Frankreich oder Großbritannien: Ein Prozentpunkt mehr im Durchschnitt. Gegen den deutschen Markt sprechen nach Angaben der Makler zudem die eher schlechten Aussichten auf einen Anstieg der Mietpreise in diesem Jahr. Die Makler sagen das zweite schlechte Jahr in Folge voraus.

Bereits im Jahr 2002 seien die Spitzenmieten bundesweit massiv unter Druck geraten. So hätten Immobilieneigentümer in Frankfurt am Main bei Neuvermietungen Einbußen in Höhe von 21,8 Prozent hinnehmen müssen. Dies sei der größte Abschlag bundesweit gewesen.

In diesem Jahr rechnet LaSalle Investment mit einer Preisentwicklung zwischen Minus drei bis plus zwei Prozent je nach Region. Günstiger ist die Maklerprognose für den französischen und den britischen Immobilienmarkt: Dort seien jährliche Mietsteigerung von bis zu vier Prozent zu erwarten.

Am Berliner Markt sagen die Berater Spitzenmieten zwischen 22 und 24 Euro pro Quadratmeter und Monat voraus. Gegenüber dem Vorjahr würde dies ein Minus von bis zu acht Prozent bedeuten.

Da die Höhe der Mieten den Wert der Immobilien bestimmen, können deutsche Objekte nicht mit ausländischen Immobilien konkurrieren. LaSalle Investment erwartet eine jährliche Wertsteigerung von lediglich 0,5 Prozent, deutlich weniger als der Durchschnitt im Euro-Raum: 3,7 Prozent.

Damit werden Immobilienanlagen im Euro-Raum der LaSalle-Prognose zufolge 2003 eine Gesamtrendite von 9,7 Prozent im Schnitt (bestehende Rendite: 6 Prozent, plus Wertsteigerung: 3,7 Prozent) abwerfen. „Damit wären die Renditen von Investitionen in europäische Immobilien genauso hoch, wenn nicht höher, als in Aktien“, so Thomas, „und das bei einem geringeren Risiko.“ Dies gelte nicht für deutsche Immobilien angesichts deren Gesamtrendite von 5,9 Prozent.

Die nur mäßigen Renditeerwartungen seien nur eine Seite der Medaille, erklärt der LaSalle-Geschäftsführer das fehlende Anleger-Interesse für deutschen Immobilien. Als weiteres Hindernis komme die fehlende Transparenz der hiesigen Immobilienmärkte hinzu. „In Berlin ist es sehr schwierig, zutreffende Daten zu erheben“, sagt Thomas. Bei Mietpreisen könnten Kaufinteressenten zwar noch recht verlässliche Zahlen erfahren. Dies gelte jedoch nicht bei Kaufpreisen. „Da wird gemauert“, sagt der LaSalle-Geschäftsführer.

Dagegen sei es im angelsächsischen Raum überhaupt kein Problem, solche Zahlen abzufragen. „Den Deutschen fehlt es in dieser Hinsicht noch an Lockerheit.“ In Zeiten, in denen Investoren der Sicherheit mehr Beachtung als der Höhe der Rendite schenkten, würden zuverlässige Marktdaten immer mehr Bedeutung bei Entscheidungen über Investitionen erlangen.

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