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Phalaenopsis-Hybriden gehören zu den beliebtesten blühenden Topfpflanzen unter den Orchideen

Waltraud Hennig-Krebs

Vor rund 200 Jahren glaubten Pflanzenjäger in den dichten, unberührten Regenwäldern auf Malaysia, Borneo und den Philippinen zunächst, einen Schwarm schwirrender Insekten vor sich zu haben, als sie die zarten, farbigen Gebilde sahen, die hoch in den Baumkronen im Wind tanzten. Sie dachten, es handele sich um Nachtfalter. Doch die Abenteurer im Dienste englischer Gärtner und Händler hatten die Blütenrispen einer noch unbekannten Orchidee aufgespürt, die später den Namen Phalaenopsis erhielt, aber auch Nachtfalterorchidee oder Malaienblume genannt wird.

Im Laufe der Jahrzehnte entstanden aus den Wildformen zahlreiche wunderschöne Kreuzungen. So sind die Blütentrauben teilweise 75 Zentimeter lang, wie beispielsweise bei „Phalaenopsis San Luca“, einer Züchtung aus Kalifornien mit imposanten, bis zu neun Zentimeter großen Blüten. Die Pflanze gehört allerdings zu den hochstämmigen Exemplaren und kann eine Höhe von bis zu 30 Zentimetern erreichen. Handlicher dagegen sind die kleinwüchsigen Züchtungen, die nur etwa zehn bis 15 Zentimeter hoch werden. Aber auch deren elegante Blütenrispen werden bis zu 75 Zentimeter lang. Sie leuchten beispielsweise in strahlendem Weiß, hellem Lila, in zartem Gelb oder in Rosa. Die Blütenblätter sind einfarbig, gefleckt oder gestreift.

Heute gehören Phalaenopsis-Hybriden zu den beliebtesten blühenden Topfpflanzen unter den Orchideen. Es sind vor allem die zarten, großen Blüten, die durch ihre unaufdringliche Schönheit faszinieren. Hinzu kommt, dass die Hybriden ohne großen Pflegeaufwand gedeihen. Die Wildarten dagegen sind sehr anspruchsvoll und nur für ausgesprochene Liebhaber mit entsprechenden Erfahrungen empfehlenswert.

Denn die wilde Orchideenart wächst in ihrem Heimatland epiphytisch. Das heißt, sie siedelt sich in Baumkronen an, um genügend Licht zu bekommen. Mit den Wurzeln, die zur Aufnahme von Feuchtigkeit und Nährstoffen dienen, verankert sie sich fest an den Ästen. Das Blätterdach der Unterpflanze schützt die Phalaenopsis vor greller Sonne, die ihre dicken, fleischigen Blätter verbrennen würde. Außerdem benötigen die Wildarten ein gleichmäßig feuchtes, warmes Klima. Das sind Voraussetzungen, die man der Pflanze auf dem Fensterbrett kaum bieten kann.

Sehr viel einfacher zu kultivieren sind die Phalaenopsis-Hybriden, die in fast jedem Gartencenter angeboten werden. Um eine Annäherung an die natürlichen Bedingungen zu schaffen, werden sie nicht in Blumenerde, sondern einem speziellen Substrat angeboten. Gute Mischungen bestehen aus schwer verrottbaren Bestandteilen wie grober Rinde, Korkschrot, Blähton oder Styromull. Auf alle Fälle sollte das Substrat wenig Schwarztorf enthalten. Denn ein zu hoher Anteil davon führt zu Sauerstoffmangel und damit zu Schäden an den Wurzeln.

Eine gesunde Pflanze erkennt man an ihren Blättern: Es sollten mindestens drei sein, die fest, kräftig und grün sind. Sie dürfen keine Dellen haben oder trocken aussehen. Die Wurzeln sollten innen am Topfrand oder als Luftwurzeln darüber hinaus wachsen.

Die Blüten halten meist wochenlang. Wenn die letzte Blüte verwelkt und abgefallen ist, kann der Trieb um ein paar Knoten zurückgeschnitten werden. Unter dem Schnitt bildet sich innerhalb weniger Wochen ein zweiter Blütentrieb. Auf diese Weise kann eine ausgewachsene Pflanze praktisch unbegrenzt blühen.

Eine blühreife Pflanze hat jeweils nur vier bis fünf einzelständige Blätter. Der Blütenstand kommt am Ansatz des neuesten Blattes heraus. Und hier sitzt auch der empfindlichste Teil der Pflanze – das so genannte Herz, aus dem die jungen Blätter wachsen. Beim Gießen ist darauf zu achten, dass kein Wasser ins Herz der Pflanze kommt, weil es zu Fäulnis führen kann. Einen solchen Pflegefehler merkt man spätestens dann, wenn das mittlere Blatt braun und nass ist und sich abziehen lässt. Bei starker Fäulnis werden auch die restlichen Blätter gelb, und die Pflanze stirbt ab. Handelt es sich um nur ein krankes Blatt, sollte man abwarten, ob die alte Pflanze innerhalb von etwa sechs Wochen eine neue entwickelt. Das erkennt man an der Bildung eines neuen Blattes.

Grundsätzlich sollte die Phalaenopsis bei Temperaturen nicht unter 18 Grad kultiviert und nur im Sommer etwas besprüht oder benebelt werden, besser ist es, die Blätter feucht abzuwischen. Die Bedenken, dass man den Phalaenopsis-Hybriden nicht genügend Luftfeuchtigkeit im Zimmer bieten kann, ist unbegründet, vorausgesetzt, die Pflanzen stehen in einer mit nassem Kies oder Blähton gefüllten kleinen Wanne. Auch bei trockener Luft, besonders im Winter, steigt von dort genug Feuchtigkeit hoch, um ein geeignetes Mikroklima zu schaffen.

Um eine gleichmäßige Feuchtigkeit der Wurzelballen zu erhalten und stauende Nässe zu vermeiden, werden die Orchideen, wenn das Substrat trocken ist, getaucht. Anschließend lässt man sie eine Weile abtropfen. Das ist einfach zu bewerkstelligen, da im Fachhandel die Pflanzen meistens in einem durchsichtigen Innentopf aus Kunststoff mit stark durchlöchertem Boden oder in einem so genannten Lattenkörbchen angeboten werden. Der äußere, meist schlichte Topf dient lediglich der Standfestigkeit und kann ohne Probleme entfernt werden.

Die Orchideen werden generell alle zwei Jahre zu Beginn ihrer Wachstumsperiode im Frühling umgetopft. Das lässt sich ohne Komplikationen erledigen: Man setzt sie einfach vorsichtig in einen größeren Topf. Doch das geht nur, wenn das Substrat noch nicht verrottet ist. Kann man mit dem Finger ins Substrat bohren, hat es seine Durchlässigkeit verloren, enthält keine Nährstoffe mehr und ist wertlos. Das Wasser kann nicht mehr ablaufen, der Ballen saugt sich voll und die Wurzeln sterben ab. Das Substrat muss also erneuert werden.

Am besten ist es, Orchideen-Substrat beim Fachmann zu kaufen. Es sollte aus organischen Materialien, wie beispielsweise Rindenschnitzen, bestehen. Sie sind gut durchlässig und zersetzen sich nur sehr langsam. Bevor die Orchidee in einen neuen Topf kommt, müssen die Wurzeln kontrolliert werden. Sie sollten weiß und fest sein, alle schwärzlichen, hohlen Wurzeln werden entfernt. Empfehlenswert ist es, die Phalaenopsis wieder in ein luftiges Lattenkörbchen umzusetzen. Das garantiert, dass nach dem Gießen das Wasser ablaufen kann und sich keine Staunässe bildet. Stimmt dann auch noch das Mikroklima wird auch ein Laie viel Freude an der Phalaenopsis-Hybride haben.

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