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Immobilien : Anreiz oder Zwang

03.03.2012 00:00 UhrVon Georg Ismar
Wichtige Sanierung. Styroporplatten an der Fassade dienen der Wärmedämmung und helfen somit beim Energiesparen. Noch ist die Bundesregierung von der beabsichtigten Verdopplung der Quote bei energetischen Gebäudesanierungen weit entfernt. Foto: dpa/Armin WeigelBild vergrößern
Wichtige Sanierung. Styroporplatten an der Fassade dienen der Wärmedämmung und helfen somit beim Energiesparen. Noch ist die Bundesregierung von der beabsichtigten Verdopplung der... - Foto: dpa

Die Politik diskutiert über neue Möglichkeiten, Hauseigentümer und Verbraucher zu energetischen Sanierungen zu motivieren.

Die Vision sieht so aus: Bürger dämmen Dächer und Wände, tauschen zugige Fenster und alte Heizkessel aus. Sie sparen so bis zu 70 Prozent Energie und tragen dazu bei, dass die Folgen des Atomausstiegs abgefedert werden und weniger Netze und Kraftwerke nötig sind. Doch die Realität sieht anders aus: Von einer Verdopplung der Quote energetischer Gebäudesanierungen auf zwei Prozent jährlich ist die Regierung weit entfernt.

Hilft nur noch mehr Zwang? Eine entsprechende Überlegung im Bundesumweltministerium treibt die Immobilienwirtschaft auf die Barrikaden, auch der zuständige Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) fordert, dass die Idee wieder in der Schublade verschwinden soll.

„Wir dürfen Wohnungseigentümer und Mieter nicht überfordern“, betont Ramsauer. Hinter der Diskussion verbirgt sich ein grundlegendes Problem. Von 18 Millionen Gebäuden in Deutschland wurden fast 13 Millionen vor 1979 gebaut, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Rund 70 Prozent dieser Gebäude haben nach Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur (dena) keine Dämmung.

Viele Bürger ächzen unter hohen Heizkosten, der Großteil der Energie wird für das Heizen und für warmes Wasser gebraucht – in Wohngebäuden bis zu 80 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten Millionen Deutsche teils drastische Nachzahlungsforderungen im Briefkasten. Kosten für energetische Sanierungen könnten langfristig oft durch viel niedrigere Nebenkosten wieder reingeholt werden.

Während bei der Energiewende fast nur über Strom geredet wird, bleibt der Wärmebereich oft unberücksichtigt. Und genau hier könnte die Wende scheitern – nicht nur wegen fehlender Einsparungen. Der Ökoenergieanteil beim Strom stieg 2011 um vier auf 20,1 Prozent, im Wärmesektor fiel er um 0,2 auf 9,4 Prozent. „Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist etwas Greifbares, zudem gibt es mit der Atomkraft einen großen gesellschaftlichen Konflikt“, sagt Harald Uphoff vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE).

Dabei sei der Wärmesektor entscheidend bei der Energiewende. „Im Augenblick passiert da nichts.“ Der BEE fordert eine Ökowärmeprämie, um langsam von Öl und Gas wegzukommen. Nicht die Verbraucher sollen, wie beim Strom, dabei den Ökoenergieausbau im Heiz- und Warmwasserbereich bezahlen, sondern die Importeure fossiler Brennstoffe: Sie sollen pro verkaufter Einheit Öl und Gas eine Prämie zahlen, die für den Ökoausbau genutzt wird.

Die Regierung setzt bisher vorrangig auf Einsparmodelle, doch hier fehlt derzeit viel Geld für die Förderung. Statt 1,5 Milliarden Euro stehen 2012 bisher nur 900 Millionen Euro zur Verfügung. Bei mehr Zwang und weiterhin so wenig Fördergeld könnte es gerade für Mieter zu Preisexplosionen kommen, da die Kosten stärker umgelegt würden.

Der Direktor des Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, rechnet das vor: Bei Sanierungskosten von 10 000 Euro könnte es eine monatliche Mieterhöhung bis zu 92 Euro geben, bei 20 000 Euro bis 183 Euro. Bis elf Prozent der Kosten können auf die Jahresmiete umgelegt werden.

Ein weiteres Problem: Ein neben dem Förderprogramm für zinsgünstige Kredite geplanter Steuerbonus liegt seit Monaten auf Eis, weil die Länder den Großteil der Steuerausfälle von 1,5 Milliarden Euro nicht übernehmen wollen. Ramsauers Ministerium zufolge könnten mit dem Bonus bei Sanierungskosten von 70 000 Euro bis zu 21 000 Euro vom Finanzamt zurückgeholt werden. Viele Bürger zögern angesichts der unklaren Rahmenbedingungen derzeit beim Sanieren.

Die Bundesregierung ist sich uneins, ob mehr gesetzlicher Druck helfen könnte, um tatsächlich eine Energiesparoffensive zu starten. So gab es verpflichtende EU-Vorschläge, dass die Versorger jährlich 1,5 Prozent weniger Energie verkaufen sollen. Sie wurden auf Druck von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) blockiert.

„Die Bundesregierung ignoriert fahrlässig, dass die Kosten für die Energiewende explodieren, sie tut nichts für die Energieeffizienz“, sagt Christian Noll, Vorstand bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). „Jedes neue Kraftwerk, jeder neue Meter Netz und jeder neue Speicher, in die investiert wird, spiegelt sich auf den Energierechnungen von Verbrauchern und Unternehmen wieder“, sagt Noll. „Während den Haushalt jede verbrauchte Kilowattstunde 25 Cent kostet, würde jede eingesparte Kilowattstunde nur 5 Cent kosten, dafür aber dauerhaft für alle Verbraucher die Energiekosten senken.“ (dpa)

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