Arbeiten unterbrochen : Winterwetter sorgt am Bau für Verdruss

Darf ein Miteigentümer den Abbau eines Gerüsts verlangen, wenn die Arbeiten nur unterbrochen sind? Katrin Dittert, Fachanwältin, antwortet.

Winter Wetter
Der Winter macht den Bauherren einen Strich durch die Rechnung. -Foto: dpa

WAS STEHT INS HAUS?



Ich bin Wohnungseigentümer. Unser Haus wurde vergangenes Jahr eingerüstet, um eine Dachsanierung vorzunehmen. Ein Teil der Rüstung wurde im Oktober abgebaut, am Seitenflügel musste sie bleiben, da wegen des Winterwetters die Arbeiten an den Dachterrassen nicht beendet werden konnten. Bei einigen vermieteten Eigentumswohnungen haben Bewohner ihre Miete gemindert. Der betroffene Eigentümer drängt die Gemeinschaft nun, das Gerüst abzubauen, obwohl die Baustelle im 5. Stock ohne Gerüst nicht gegen Witterungseinflüsse geschützt ist. Wie müssen wir uns verhalten?

WAS STEHT IM GESETZ?

Jeder Wohnungseigentümer hat nach § 21 Abs. 4 WEG (Wohnungseigentumsgesetz) Anspruch auf eine ordnungsmäßige Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums. Das bedeutet, dass die Verwaltung den Beschlüssen und Vereinbarungen der Gemeinschaft und den Interessen der Gesamtheit der Wohnungseigentümer entsprechen muss. Hat die Eigentümergemeinschaft die Sanierungsarbeiten beschlossen, muss der Verwalter diesen Beschluss im gesetzten Zeitrahmen umsetzen, Fachfirmen sorgfältig auswählen, Aufträge erteilen und die Arbeiten überwachen. Geraten die Arbeiten ins Stocken, so hat der Verwalter im Namen der Gemeinschaft gegen die Baufirma vorzugehen. Der von der Mietminderung betroffene Eigentümer kann von der Baufirma direkt weder die Fortsetzung der Arbeiten noch das Entfernen des Gerüstes verlangen, dieses steht nur der Eigentümergemeinschaft zu. Liegen die Verzögerungen wie hier am Winterwetter, kann nur abgewartet werden, bis die Witterung ein Weiterarbeiten zulässt. Entfernen lassen darf und muss der Verwalter das Gerüst nur, wenn dies den Interessen der Gemeinschaft nicht zuwider läuft. Da aber ohne das Gerüst durch die Witterung eine Gefahr für das Gemeinschaftseigentum besteht, darf das Gerüst derzeit nicht entfernt werden. Einschränkungen durch Bauarbeiten hat der betroffene Eigentümer hinzunehmen, sonst hätte er den Sanierungsbeschluss innerhalb der Monatsfrist gerichtlich anfechten müssen.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Zwar muss die Eigentümergemeinschaft das Gerüst nicht entfernen lassen, die Arbeiten sollten aber wieder aufgenommen werden, sobald das Wetter dies zulässt. Der betroffene Eigentümer sollte sich an den Verwalter wenden, notfalls auch an den Verwaltungsbeirat, und auf eine zügige Fortsetzung der Arbeiten drängen. Auch an Schadenersatzansprüche des betroffenen Eigentümers muss gedacht werden: Wenn die Baufirma die Arbeiten schuldhaft bis in den Winter hinein verzögert hat oder die Arbeiten nach Ende des Winters nicht zügig wieder aufgenommen werden, kann die Baufirma wegen Verzögerung der Leistung in Anspruch genommen werden. Dieser Schaden muss allerdings von der Eigentümergemeinschaft beziehungsweise vom Verwalter geltend gemacht werden, da direkte Ansprüche des Eigentümers gegen die Baufirma nicht bestehen.

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