Immobilien : "Auf die Hilfe des Nachbarn setzen"

RALF SCHÖNBALL

Volksbank startet EigenheiminitiativeVON RALF SCHÖNBALL D er Wunsch nach eigenen vier Wänden im Grünen ist groß, läßt er sich aber auch mit der Realität auf dem teuren Immobilienmarkt vereinbaren? Die Volksbank will vor allem private Immobilienkäufer als Kunden gewinnen.Über deren Markteinschätzung sprach Ralf Schönball mit dem Filialbereichsleiter Helmut Habasch. TAGESSPIEGEL: Wie wichtig ist für das Kreditgeschäft Ihres Hauses der Bereich Finanzierung von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Eigentumswohnungen? HABASCH: Die Berliner Volksbank legt einen Schwerpunkt auf die private Baufinanzierung.Wir planen dieses Produkt in der Öffentlichkeit mit einer Kampagne auch stärker zu bewerben.Dabei steht die private Baufinanzierung von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern, also von kleinen Einheiten, im Vordergrund.Dies gilt für Berlin und Brandenburg gleichermaßen, weil die Volksbank hier wie dort aktiv ist. TAGESSPIEGEL: Neue Studien verweisen auf die geringe Kaufkraft in der Region.Für den durchschnittlichen Einkommensbezieher ist höchstens Wohneigentum im Wert von 350 000 DM finanzierbar.Tatsächlich liegen die Preise im Umland derzeit deutlich darüber... HABASCH: Teils teils, es hängt von der Lage ab.Mit 350 000 DM sind beispielsweise Wohneinheiten außerhalb des Berliner Autobahnrings finanzierbar.Außerdem hängt vieles von der Eigenkapitalbasis ab.Ist die hoch, kann der Kreditnehmer seine monatliche Belastung durch Zinsen und Tilgung senken.Ein weiterer Punkt sind Eigenleistungen.Gerade in den neuen Ländern und im Ostteil der Stadt ist die Nachbarschaftshilfe weit verbreitet.Indem Freunde und Bekannte mithelfen beim Bau des Eigenheims kann der Finanzierungsbedarf und damit die monatliche Belastung gesenkt werden. TAGESSPIEGEL: Wie viele Menschen machten 1996 ihren Traum von den eigenen vier Wänden im Grünen wahr? HABASCH: Wie viele Finanzierungen im einzelnen verwirklicht wurden, kann ich nicht beziffern.In Berlin und Brandenburg ist der Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Bundesländern aber groß.Allerdings waren die Preise auch überzogen, weil die steuerlichen Vorteile für Kapitalanleger hoch waren.In diesem Jahr ist das nicht mehr der Fall, weil die Abschreibungsmöglichkeiten für Kapitalanleger abgebaut wurden. TAGESSPIEGEL: Die Häuser wurden allerdings auch zu relativ hohen Preisen erstellt, weil die steurliche Förderung auch die Grundstückspreise nach oben trieb.Wie können die Objekte, die in der Vergangenheit so hoch kakluliert wurden, heute zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft werden? HABASCH: Ich unterscheide hier zwei Dinge.Auf der einen Seite gibt es Wohnungsangebote, die von Bauträgern für Kapitalanleger erstellt wurden.Das sind teilweise hochpreisige Objekte.Auf der anderen Seite gibt es viele Beispiele dafür, daß sich einzelne Privatpersonen ein Grundstück kaufen und das Haus selber bauen.Das sind zwei verschiedene Ansätze.Durch eigene Planung und Umsetzung des Bauvorhabens liegen die Preise insgesamt deutlich niedriger. TAGESSPIEGEL: Wie hoch schätzen Sie die Baupreise für ein freistehendes Einfamilienhaus, wenn es mit diesen Voraussetzungen errichtet wird? HABASCH: Ich meine, daß je nach individuellen Vorstellungen und Größe und den Gegebenheiten vor Ort, aber auch unter Berücksichtigung der sogenannten Muskelhypothek oder mit Nachbarschaftshilfe ein Objekt zu einem Preis von 300 000 DM bis 350 000 DM erstellt werden kann.Ich verweise hier aber immer auf den Einzelfall. TAGESSPIEGEL: Studien zufolge fallen die Preise für Wohneigentum in diesem und wahrscheinlich im nächsten Jahr auch weiterhin, aufgrund des großen Angebots.Gibt es gute Gründe, bereits jetzt Wohneigentum zu erwerben? HABASCH: Das hängt von der persönlichen Situation ab, ob die eigene Wohnung und ihr Umfeld den Bedürfnissen entsprechen.Zudem könnte ich mir vorstellen, daß Baupreise und Zinsen wieder ansteigen.Im nächsten halben Jahr wird der Kapitalmarktzins auf der Größenordnung bleiben, die wir erreicht haben.Ich bin aber der Meinung, daß man sich diesen Zinssatz heute sichern soll.Man kann kaum einschätzen, wie die langfristige Entwicklung des Zinsniveaus sein wird.Deshalb sollte man heute bauen.Dasselbe gilt für die Baukosten, die derzeit sehr niedrig sind, weil die Konkurrenz in diesem Bereich groß ist.

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