Immobilien : Auf Flächensuche

Potsdam will jährlich 1000 neue Wohnungen bauen „Der Leerstand beträgt deutlich weniger als zwei Prozent“.

Foto: Pormo
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Herr Klipp, Sie sind Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bauen in Potsdam. Hier werden derzeit zahlreiche Projekte im gehobenen Wohnungsbau realisiert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Matthias Klipp: Ich habe kein Problem mit dem Neubau für Menschen, die sich gehobene Mieten oder Kaufpreise leisten können. Das verringert den Druck auf den Wohnungsbestand. Aber wir müssen natürlich auch an die anderen denken. Die Mietobergrenze für Arbeitslosengeld-II-Bezieher liegt bei 5,50 Euro pro Quadratmeter. Das ist im Neubau nicht zu schaffen. Die Lösung des sozialen Problems kann deshalb nur im Bestand erfolgen. Gemeinsam mit unserer Wohnungsholding Pro Potsdam haben wir das Modell der flexiblen Belegungsbindung entwickelt, bei dem Mieter unterstützt werden, die sich nach dem Auslaufen der Mietpreisbindung ihrer einst geförderten Wohnung die neue, ortsübliche Miete sonst nicht leisten könnten.

Wie angespannt ist denn die Wohnungssituation?

Alles, was vermietbar ist, steht nur so lange leer, wie für den Mieterwechsel nötig ist. Der Leerstand beträgt deutlich weniger als zwei Prozent; bei den Plattenbauten, die 40 Prozent aller Potsdamer Wohnungen ausmachen, beträgt er sogar weniger als ein Prozent.

Was tut die Stadt für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum?

Unser Stadtentwicklungskonzept Wohnen sieht vor, dass bis 2019 jährlich tausend neue Wohnungen errichtet werden. Allerdings ist zuletzt die Einwohnerzahl noch deutlicher gestiegen als erwartet, so dass die tausend Wohnungen eigentlich nicht ausreichen. Wir arbeiten sehr intensiv an der Bereitstellung der Flächen und der notwendigen Infrastruktur.

Wo sollen diese Wohnungen entstehen?

Allein im Bereich des Bahnhofs – in der Speicherstadt, am Brauhausberg und in der Heinrich-Mann-Allee – ist Platz für rund 3000 Wohnungen. Noch größer ist das Potenzial auf dem Bornstedter Feld, wo noch ungefähr 4000 Wohneinheiten – überwiegend im Geschosswohnungsbau – entstehen können. Weitere wichtige Standorte sind Krampnitz, wo wir eine Entwicklungsmaßnahme planen, und Eiche, wo das Unternehmen Semmelhaack 750 Wohnungen teils für Studierende, teils für Senioren errichten will.

Nicht nur in Berlin, sondern auch in Potsdam gibt es Proteste gegen die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt. Diese äußern sich zum Beispiel im Fall des angedachten Abrisses des Plattenbaus Am Staudenhof neben dem Alten Markt. Wie stehen Sie zu diesen Plänen?

Darüber muss man diskutieren. Es handelt sich um 183 Wohnungen, die für gut sechs Euro pro Quadratmeter vermietet sind. Zu einem ähnlichen Preis gibt es für die Mieter keinen Ersatzwohnraum in der Innenstadt. Außerdem liegen die Kosten für die Sanierung deutlich unter denjenigen für einen Ersatzneubau. Deshalb favorisiere ich ein sozialverträgliches Sanierungskonzept und nicht Abriss und Neubau aus Gründen der Stadtplanung.

Mit Matthias Klipp sprach Christian Hunziker.

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