Immobilien : Aus den Höhen der Gebirge

Mannsschilde sind in der Kultur sehr anspruchsvoll, aber auch attraktiv

Tassilo Wengel

Die zierlichen Mannsschilde (Androsace) gehören zu den schmückenden Gartenpflanzen, die ein bestimmtes Umfeld benötigen, um ihre dekorative Wirkung zu entfalten. Es sind alpine Pflanzen, die ihrem natürlichen Standort entsprechend im Steingarten oder in Fugen von Trockenmauern einen idealen Platz haben. Sie kommen über weite Gebiete der nördlichen Halbkugel bis in die Arktis vor. Die meisten Arten dieser reizvollen Gattung, die zur Familie der Primelgewächse (Primulaceae) gehört, sind in der Kultur sehr anspruchsvoll und schwierig. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Um die gut 100 Arten zu unterscheiden, wurde die Gattung in vier Sektionen unterteilt. Interessant für den Hobby-Gärtner sind Vertreter der Sektionen Chamaejasme und Aretia.

Unproblematisch sind Arten der Gruppe Chamaejasme. Sie stammen vor allem aus dem Himalaja und bilden von Mai bis Juni attraktive Polster mit zahlreichen Blüten. In den meisten Fällen ähnelt der Flor kleinen Dolden von Primeln.

Eine der bekanntesten Arten dieser Sektion ist der China-Mannsschild (Androsace sarmentosa). Er besiedelt in seiner ursprünglichen Heimat offene Wälder und steinige Hänge in Höhenlagen zwischen 2700 und 3700 Metern. Dort bildet er lockere Matten aus ineinander gewebten Ausläufern, an deren Enden sich die großen wollseidigen Rosetten aus lanzettlichen Blättern befinden. Während der Blütezeit schmücken sich diese Rosetten mit Dolden aus rosafarbenen Blüten, die auf zehn Zentimeter hohen Stängeln stehen. Von dieser Art gibt es einige schöne Auslesen mit abweichender Blütenfarbe: Die Sorte „Mollis“ hat leuchtend rosafarbene Blüten, bei „Sherriffi“ sind sie lachsrosafarben mit einem lila Schimmer und „Salmon“ besticht mit Blüten in Kirschrosa.

Sehr eng mit Androsace sarmentosa verwandt ist der Primelähnliche Mannsschild (Androsace primuloides) aus dem Westhimalaja. Er treibt Ausläufer von sechs Zentimetern Länge und hat verkehrt-eiförmige Rosettenblätter, die mit silbrigen Haaren bedeckt sind. Auf einem etwa zehn Zentimeter hohen Stängel entfaltet er eine rosafarbene Dolde mit Einzelblüten von rund einem halben Zentimeter Durchmesser.

Wuchsfreudig ist auch der Himalaja-Mannsschild (Androsace sempervivoides). Er kommt in einem kleinen Gebiet von Kaschmir und dem Punjab vor und wächst in Höhen zwischen 3000 und 4000 Metern. Auch er bildet Ausläufer. An deren Ende sitzen halbkugelige Rosetten mit dachziegelartig übereinander liegenden Blättern. Aus dem Zentrum der bis zu zwei Zentimeter großen Rosette entfaltet sich im Juni ein Stiel, der eine Dolde aus vier bis zehn duftenden, rosafarbenen Blüten mit gelbem Auge trägt.

Empfehlenswert für den Steingarten ist der Zwerg-Mansschild (Androsace chamaejasme). Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt nicht nur im Himalaja, sondern auch in Nordamerika und in den europäischen Hochgebirgen ist er zu finden. Er siedelt dort vor allem auf Kalkböden, oft auf Schotterflächen in Höhen zwischen 1700 und 2000 Metern, wo er mehr oder weniger dichte Matten bildet. Die mit steifen Haaren besetzten Rosetten erreichen einen Durchmesser bis zu zwei Zentimetern. Aus ihrem Mittelpunkt entspringt ein sechs bis zehn Zentimeter hoher Blütenstand. Er besteht aus weißen Blüten mit gelbem Auge, die in einer Dolde zusammenstehen.

Alle diese Arten gedeihen am besten an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Man pflanzt sie in einen gut durchlässigen Boden, dem Sand oder Kies beigemischt wird. Dadurch vermeidet man Staunässe, die der Pflanze erheblich schadet.

Schwieriger in der Kultur sind die Polster bildenden, kultivierten Vertreter der Sektion Aretia. Unterschieden wird zwischen Kalk liebenden und Kalk meidenden Arten. Dementsprechend muss der Gartenboden aufbereitet werden.

Aus den Westalpen kommt der Fleischrote Mannsschild (Androsace carnea ssp. carnea). Er wächst auf Urgestein (Granit, Gneis), ist kalkfeindlich und bildet mit seinen Rosetten kleine Polster. Jede Rosette entwickelt zwei oder mehrere Blütenstände mit drei bis achtblütigen Dolden in einem schönem Rosa. Ihm sehr ähnlich ist Androsace hedreantha vom Balkan, wo er in etwa 2000 Metern Höhe wächst. Seine kleinen Rosetten zeigen rosa bis violettrosa gefärbte Blüten, die einen gelben Schlund haben.

Kalk liebend dagegen ist der Zottige Mannsschild (Androsace villosa). Seine Verbreitung reicht von den Pyrenäen bis nach China. In Höhenlagen von bis zu 2000 Metern bildet er Matten aus kugeligen, seidig behaarten Rosetten. Die Blüten sind weiß mit grüngelbem Auge und haben einen Durchmesser bis zu einem Zentimeter.

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