Immobilien : Ausverkauf beim Staat Länder stoßen ihre Immobilien ab

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Die leeren Kassen deutscher Länder und Kommunen mobilisieren Immobilienkäufer aus dem Ausland. Spitzenpreise für Büroflächen scheinen möglich, obwohl es seit Monaten ein Überangebot gibt. Angebote wie das des Landes Hessen locken die Investoren: Die CDULandesregierung will 18 Gebäude, darunter das Finanzministerium, verkaufen und dann langfristig zurückmieten (Sale- and-Lease-Back). Auch Hamburg hat den Verkauf von mehr als 180 städtischen Gebäuden beschlossen. Das Konzept scheint aufzugehen: Die Immobilienbranche sieht eine steigende Nachfrage nach Gewerbeflächen in Deutschland.

„Die Konditionen sind für Investoren wesentlich günstiger als sonst auf dem Gewerbeimmobilienmarkt: gute Mieter, lange Laufzeit, langfristig kalkulierbar“, erläutert der Geschäftsführer des Maklerhauses Dr. Lübke, Ulrich Jacke. „Seit einigen Monaten ist sehr viel internationales Kapital unterwegs – speziell in Deutschland, weil hier gute Renditechancen gesehen werden.“ Die Investoren – zumeist Fonds und Versicherungen – kommen nach Angaben von Branchenkennern vor allem aus Großbritannien und den USA.

Auch im Falle Hessens gibt es nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ vor allem angelsächsische und amerikanische Interessenten: die US-Beteiligungsfonds Fortress und Cerberus, der Immobilienfonds der Investmentbank Lehman Brothers sowie ein Konsortium privater britischer Investoren. Es seien bereits bis zu einer Milliarde Euro geboten worden - angepeilt hatte Hessen 800 Millionen.

Viele Anleger hätten erkannt, „dass die ’Aktie Immobilie’ in Deutschland unterbewertet“ sei, begründet der Vizepräsident des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, die steigende Nachfrage. „Der deutsche Immobilienmarkt gilt als entwicklungsfähig, es werden Wertzuwächse und Mietsteigerungen erwartet.“ Dagegen sei der Markt beispielsweise in den USA seit Jahren überhitzt und Immobilien seien dort um ein Vielfaches teurer.

Hartmut Fründ, Immobilienexperte bei Ernst & Young, bekräftigt: „In Deutschland kann man noch recht günstig einkaufen.“ Die Leerstände haben neue Höchstmarken erreicht: Am düstersten ist nach einer Erhebung des Maklerhauses Dr. Lübke die Lage in Frankfurt, wo Ende Juni dieses Jahres fast zwei Millionen Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen ungenutzt waren - und damit gut 16 Prozent der verfügbaren Fläche. In Berlin standen Ende des ersten Halbjahres 2005 insgesamt 1,855 Millionen Quadratmeter (neun Prozent der Gesamtfläche) leer, in München 1,837 Millionen (10,3 Prozent).

Trotz des breiten Angebots scheinen Investoren bereit – wie im Fall des Landes Hessen – für die Gebäude mehr zu zahlen. Einen Zusammenhang zwischen dem hohen Ölpreis und den gut gefüllten Kassen der Immobilienkäufer sehen Experten indes nicht. „Die Liquidität, die heute in den Immobilienmarkt fließt, hat – von Einzelfällen abgesehen – nichts mit dem hohen Ölpreis zu tun“, betont Schick.

Auch in Berlin wird es zu weiteren Veräußerungen von Immobilien aus den Beständen öffentlicher Unternehmen kommen. Derzeit läuft das Verkaufsverfahren für 5100 Wohnungen der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG), die dem Unternehmen Mieteinnahmen von insgesamt rund drei Millionen Euro jährlich einbringen. Zu den Interessenten zählen nach BVG-Angaben „die üblichen Verdächtigen“: Fondsgesellschaften aus dem Ausland. dpa/ball

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