Auszeichnung : Mit Holz in die Höhe

Hell, modern und ökologisch korrekt: Ein siebenstöckiges Mehrfamilienhaus in Prenzlauer Berg ist mit dem Deutschen Holzbaupreis ausgezeichnet worden

Ulrike Heitmüller
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Der Baustoff Holz spart Energie: Bruttokosten für Heizung und Warmwasser sollen für eine 150-Quadratmeter-Wohnung pro Jahr...

Schön und selten: In Prenzlauer Berg steht ein siebengeschossiges Holzhaus. Keine düstere Blockhütte, sondern ein helles, lichtes Gebäude. Man sieht nicht mal, dass es aus Holz besteht, denn es hat einen mineralischen Außenputz. Das Mehrfamilienhaus – vor einem Jahr bezogen – wurde jetzt mit dem deutschen Holzbaupreis 2009 ausgezeichnet.

Berlin ist keine typische Holzbaustadt, im Gegenteil. „In Deutschland gibt es ein Nord-Süd-Gefälle“, sagt Swantje Küttner vom Bund Deutscher Zimmermeister (BDZ) im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, der den Preis verliehen hat. „Ein Drittel unserer Mitgliedsbetriebe kommt aus Bayern und ein Drittel aus Baden-Württemberg.“ Da bleiben für die Hauptstadt nicht viele Zimmermeister übrig.

Auch das prämierte Haus in der Esmarchstraße 3 besteht aus süddeutscher Fichte. „Und die Firma, die sie verarbeitet hat, sitzt ebenfalls in Süddeutschland“, sagt Architekt Tom Kaden vom Berliner Büro Kaden Klingbeil, das auf Holzhäuser spezialisiert ist. Zusammen mit seinen Kollegen hat er das Projekt entwickelt, geplant und auch die Bauleitung übernommen.

Für den Baustoff aus dem Wald spricht seiner Meinung nach vieles. „Es wächst nach wie vor mehr Holz im deutschsprachigen Raum, als verarbeitet wird“, sagt Kaden. Und das Material hat weitere Vorteile: Es speichert CO2 und trägt so zum Klimaschutz bei. Außerdem ist es laut Kaden ein sehr angenehmer Baustoff. Erstmal gehe es schnell, den Rohbau habe man innerhalb von acht Wochen regendicht errichtet. Und: Ein Holzhaus sei für jedes Klima gut geeignet. „Denken Sie nur an Skandinavien oder auch Vorarlberg, da sind die Winter kalt, aber es sind klassische Holzbauländer.“

Das preisgekrönte Gebäude in Prenzlauer Berg bezieht seine Energie für Heizung und Warmwasser über das Fernwärmenetz. Es ist nach KfW-40-Standard gebaut, also sehr sparsam: Die Bruttokosten für Heizung und Warmwasser sollen für eine 150-Quadratmeter-Wohnung pro Jahr höchstens 350 Euro betragen.

Die Konstruktion ähnelt der eines Fachwerkhauses: Alle drei Meter längs und quer ein dicker Balken, Außenwände aus 21 Zentimeter dickem Massivholz und eine Dämmung aus sehr dichter Mineralwolle. Das Treppenhaus und die einzelnen Etagen sind über Stege miteinander verbunden. Jedes Geschoss, so die Jury lobend, funktioniere auf diese Weise als Eigenheim. Der Verkaufspreis für die Wohnungen liegt bei 2350 Euro pro Quadratmeter.

Und, nun ja: Ist so ein Holzhaus denn überhaupt haltbar? Auf jeden Fall, meinen Experten, und bescheinigen Holzhäusern der neuen Generation eine Nutzungsdauer von 80 bis 100 Jahren – genau wie Häusern in konventioneller Bauweise. Wird im Laufe der Zeit modernisiert, natürlich noch länger. Bestätigt wird diese Einschätzung nicht zuletzt durch einen Blick in die Vergangenheit: Die ältesten bewohnten Fachwerkhäuser Deutschlands sind rund 750 Jahre alt.

Auch in Berlin waren Material und Statik nicht das Problem, meint Tom Kaden. „Hier gab es eher eine baurechtliche Schwierigkeit, denn eigentlich darf man nur fünfgeschossig arbeiten.“ Eine zweite Herausforderung waren die Brandschutzverordnungen: Es war nicht ganz einfach, die Baugenehmigung zu erhalten, erinnert sich Swantje Küttner. „Der Brandschutz in Berlin stützt sich immer noch auf die Frage: Was wäre, wenn die Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg noch mal auf die Stadt fallen? Aber wir haben es ja geschafft.“ Recht so, findet Architekt Kaden: Heutzutage würden ohnehin eher einzelne Wohnungen brennen. Und selbst wenn es mal das ganze Haus erwischt: „Wir hatten die Feuerwehr als Fürsprecher“, sagt er. „Denn wenn eine Stahlkonstruktion brennt, kann man nicht reingehen, die bricht zusammen. Aber Holz hält Feuer länger aus, das verkohlt und schützt sich sozusagen selbst.“

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