Immobilien : Barrierefrei: Keine Sperren für später

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden: Wer das will, kann in jungen Jahren schon planen

Veronika Csizi
245898_0_d34cb70b.jpeg
Ungebeugt. Beim Bauen fürs Alter kommt es auch auf die Details an: Hier ist der Backofen so eingebaut, dass man sich nicht bücken...

In den siebziger Jahren hat Clara F. ein Haus gebaut. In guter Gegend, in Hanglage, auf einem 1200 Quadratmeter großen Grundstück. Heute, mit 79, zeigen sich die Probleme, die mit der damaligen Entscheidung verbunden sind. Wegen der Hanglage ist für die Seniorin jeder Weg in Haus und Garten mit Treppensteigen verbunden. Die Arbeit im großen Garten ist nicht mehr zu schaffen. Clara F. ist zwar noch sehr rüstig. Doch lange Flure und riesige Räume – was damals schick war, macht heute den Alltag manchmal beschwerlich.

Obwohl die Menschen kontinuierlich älter werden und ihren Lebensabend so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden verbringen möchten, wird nur ein Bruchteil der Immobilien hierzulande den Anforderungen älterer Menschen gerecht. Immer mehr erkennen deshalb schon in jungen Jahren den Sinn von sogenannten Lebenslauf-Immobilien und Mehrgenerationenhäusern, die sich über die Jahrzehnte hinweg den verschiedenen Anforderungen anpassen lassen.

Nach einer Einschätzung der Europäischen Bauministerkonferenz werden in nicht allzu ferner Zukunft mehr als 30 Prozent der Menschen in Europa entweder wegen einer Behinderung oder wegen ihres Alters in ihrer Mobilität eingeschränkt sein. „Barrierefreies Bauen“ lautet hier das Schlagwort, an das immer mehr Architekten und Bauträger anknüpfen. „Die Planung barrierefreien Wohnraums muss die Unterschiedlichkeit der Bewohner und ihre jeweiligen möglichen Veränderungen vorausschauend einbeziehen“, weiß die Wohnberatungsstelle des Forschungsinstituts Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung Volmarstein (FTB).

Doch welchen Kriterien muss eine Immobilie genügen, die auch im Alter oder mit einer Behinderung keine größeren Probleme und Kosten bereitet? Da es keinen Pauschaltypus „älterer Mensch“ oder „Rollstuhlfahrer“ gebe, müssten Regularien und Planungsvorgaben beim Bauen vor allem Spielraum für Varianten und differenzierte Nutzung zulassen, sagt der Architekt Eckhard Feddersen, der sich auf das Thema spezialisiert hat. Standardisierte Lösungen seien falsch.

Andere Experten weisen darauf hin, dass barrierefreies Bauen für das Alter nicht zwangsläufig mit Einschränkungen für einen jungen Hausbewohner verbunden ist. Ein Beispiel: Auch wenn eben erdige Wohnformen vorteilhafter sind, so sind Treppen oder Abstufungen nicht grundsätzlich verboten. Sie sollten jedoch so geplant werden, dass sie auch für einen wenig mobilen Menschen überwindbar sind. Dazu gehört beispielsweise, dass die Breite einer Treppe 1,20 Meter nicht unterschreitet, damit später ausreichend Platz zum Einbau von Hilfsmitteln wie Treppenlifts bleibt. Außerdem braucht es genug freie Fläche, bei Statik und Elektrik sollte die Möglichkeit ebenfalls berücksichtigt werden.

Kurze Wege und Verkehrsflächen nützen Jung und Alt. Küche, Bad, Wohn- und Schlafmöglichkeit sollten auch in zweistöckigen Häusern auf einer Ebene zusammengefasst werden können. Keine schlechte Idee ist auch eine abtrennbare Einheit, für den Fall, dass ein älterer Mensch einen Mitbewohner aufnehmen oder eine Pflegehilfe beherbergen möchte. Insgesamt sollte in der ganzen Immobilie überall mindestens ein Bewegungsspielraum von anderthalb mal anderthalb Metern vorhanden sein.

Für den Zugang gilt: Alle Wege sollten auch bei schlechter Witterung gefahrlos benutzt werden können. Ist ein längeres Gefälle nötig, sind ebene Zwischenstücke sinnvoll. Im Bad kann man statt einer Duschwanne eine geflieste Bodendusche planen. Türen einzubauen, die im Notfall von außen zu entriegeln sind, macht nicht nur für alte Menschen, sondern auch mit Kindern Sinn. Von Vorteil kann es auch sein, die Elektrik eines Hauses oder einer Wohnung so zu planen, dass später beispielsweise auch die automatisierte Steuerung von Türen, Licht, Sonnenschutz oder Rollläden möglich ist.

Mehr Infos bietet zum Beispiel die Beratungsstelle „Barrierefreies Bauen“ der Bayerischen Architektenkammer. Im Internet unter http://alt.byak.de/barrierefrei/

2 Kommentare

Neuester Kommentar