Immobilien : Bau, schau wem

Am Anfang stand seine Idee – und ein Grundstück der Kirche. Wie Architekt Albert das Projekt sieht

Ulrike Heitmüller

Kreuzberg, Möckernstraße. Zwischen Obentraut- und Wartenburgstraße hat die Kirche ein Grundstück. Eine Baulücke zwischen einem Haus und dem Rest eines zweiten. Dort soll das Haus „unserer“ Baugruppe entstehen. Das Büro, in dem alles geplant wird, liegt nicht weit davon entfernt in der Methfesselstraße. Die Nähe brachte die Verbindung: „Die Jesus-Christus-Gemeinde ist die Gemeinde meiner Frau“, erzählt Alois Albert. Er ist von Beruf Architekt, zusammen mit seiner Frau Regine Siegl hat er eine Bürogemeinschaft. „Unsere Tochter ging in den Kindergarten der Gemeinde. Und beim Adventskranzbinden vor zweieinhalb Jahren kam die Idee auf, mit einer Baugruppe dort ein Haus zu bauen.“

Alois Albert, 44 Jahre alt, guckt genauso, wie man denkt, dass ein Alois eben gucken sollte: beginnende Stirnglatze, kleiner Schnauzer, kleiner Spitzbart und ein eher weiches Gesicht. Der Rest von ihm sieht aus, wie man sich einen Architekten vorstellt: Pferdeschwanz, randlose Brille, schwarzes Shirt, schwarze Hose, Wildlederschuhe und, natürlich, keine Socken. „Wir hatten mal mit der Pfarrerin gesprochen, dann war lange Zeit nichts und dann haben wir uns mal wieder getroffen“, erinnert sich Albert. „So kam eins zum anderen.“ Auch, dass die Kirche ja immer Geld brauchen kann. „Und es wurden zwei andere von unseren Projekten fertig und gefielen denen.“ Bei einem dieser beiden anderen Projekte handelt es sich um Alberts allererste Baugruppe. Es ist das Haus, in dem seine Bürogemeinschaft arbeitet und in dem auch seine Eltern leben. Eigentlich die typische Baugruppen-Konstruktion: Ein paar Leute tun sich zusammen und nehmen alles in die Hand. Das hatte seine Tücken: Wenn ein Architekt nämlich für sich selbst baut, dann springt, falls etwas schiefgeht, seine Haftpflichtversicherung nicht ein. Ist aber alles gut gegangen, bisher. „Toitoitoi“, sagt Albert und klopft auf seinen Holztisch – seit eineinhalb Jahren sind sie drin, die Gewährleistung dauert insgesamt fünf Jahre.

Die Baugruppe in der Möckernstraße wird ein bisschen anders. In zweierlei Hinsicht ist sie ungewöhnlich: Erstens stand nicht die fertige Gruppe am Anfang, die sich ein Plätzchen sucht, sondern es läuft umgekehrt. Solch eine Konstruktion aber ist nicht ganz einfach: Was macht man, wenn nicht von Anfang an genug Interessenten da sind? Wollte man warten, bis die Gruppe vollzählig ist, könnte sich das Ganze ziemlich in die Länge ziehen. Alberts Lösung: Wenn in ein paar Monaten noch eine oder zwei Wohnungen offen sind, übernimmt er eine Art Patenschaft für sie und lässt sich vorübergehend ins Grundbuch eintragen. „Da kriegt man dann kubikmeterweise Papier vom Notar, das einen eigentlich gar nicht interessiert“, seufzt er. Die anderen Gruppenmitglieder zahlen die ersten Raten mit. Sobald die Baugruppe dann vollständig ist, wird alles umgetragen und ausgeglichen.

Kleiner Trost: Wahrscheinlich müssen die Mitglieder nicht allzu viel auslegen. Denn die großen teuren Wohnungen gehen meist als Erste weg. Das sagt Sabine Benkwitz von der Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin – Walter May (SPI). Benkwitz koordiniert und steuert das Projekt für die Baugruppe. Eine ungewöhnliche Rolle; dass sie sie hat, liegt daran, dass die Baugruppe sich nicht selbst gegründet hat, sondern vom Architekten ausgeht. Albert sprach sie auf sein Projekt an, nun vertritt Benkwitz die zukünftigen Bauherren. Praktisch – so wird die Kommunikation kanalisiert.

Und, sind die Wohnungen teuer? Nicht wirklich: Der Gesellschaftsvertrag nennt einen Durchschnittspreis von 2100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche als Ziel, die Wohnungen haben alle vier bis sechs Zimmer. Vier sind Maisonettes, „unsere Häuser sind kompliziert, so sind wir halt“, sagt Alois Albert. „18 Prozent der Gesamtkosten sind Projektentwicklung und -steuerung, also Statiker, Vermessung, Bodengutachten, Projektingenieure“, zählt er auf. Wie viel er bekommt, mag er nicht sagen, „ich bin gerade aus dem Urlaub zurück...“ Vielleicht so pi mal Daumen? „Absolute Zahlen tragen wir ungern nach außen.“

Die Baugruppe am Park hat neben ihrem Aufbau eine zweite Besonderheit: Das Grundstück, auf dem gebaut wird, wird nicht gekauft, sondern gepachtet. Statt beispielsweise 31 000 Euro für seinen Grundstücksanteil zahlt der Eigentümer deshalb knapp 120 Euro monatlich, 90 Jahre lang. Schlechtes Geschäft? „Man bezahlt über die Laufzeit das Vierfache – aber wenn man die 30 000 Euro anlegt, bekommt man am Schluss vielleicht noch mehr heraus“, so Albert. Außerdem: Nach Ablauf der Pachtzeit könnte man mit der Kirche wieder einen Pachtvertrag schließen. Oder man verkauft das Haus – zum Verkehrswert des Jahres 2097.

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