Bauarchitekten : Planer mit Überblick

Architekten helfen, effizient zu bauen. Von der Wahl des Grundstücks bis zur Bauabnahme können die Experten zum Einsatz kommen.

Katja Fischer
Den Helm auf. Architekten planen und überwachen den Baufortschritt. Foto: Imago
Den Helm auf. Architekten planen und überwachen den Baufortschritt.Foto: Imago

Architekt sind teuer, meinen viele Bauherren – und verzichten deshalb lieber auf die Leistungen des Berufsstandes. Doch mit diesem Vorurteil vergeben sie nicht nur die Möglichkeit, ihr Haus individuell und ideenreich zu gestalten. Sie verschenken unter Umständen auch viel Geld. Denn ein Architekt kann helfen, sparsam und effizient zu bauen.

„Bauen ist ein hochkomplexes Thema“, sagt Gertrudis Peters, Geschäftsführerin der Architektenkammer Thüringen in Erfurt. „Viele Menschen, die nur einmal im Leben damit konfrontiert werden, sind allein überfordert.“ Ein Architekt hilft dabei – auch lange nachdem er ein Gebäude am Reißbrett entworfen hat. Er kontrolliert die Arbeit der Handwerker auf der Baustelle und schützt so vor Mängeln, die die Rechnung nach oben treiben. „Das können die wenigsten Bauherren selbst machen“, sagt Oliver Schneider vom Verbraucherschutzverein Wohnen im Eigentum.

Eine Baustelle mit ihren vielen Gewerken ist für Laien schwer zu durchschauen. Ein Architekt weiß, welche Handwerker mitmischen und in welcher Reihenfolge sie arbeiten müssen. Er kann auch Mängel fachmännisch einschätzen. „Ein Kratzer im Glas ist womöglich völlig harmlos, könnte aber auch ein Grund sein, die gesamte Fensteranlage auszutauschen“, erläutert Schneider. „Gut, wenn der Bauherr jemanden zur Seite hat, der das zu unterscheiden weiß.“

Architekten holen Genehmigungen ein, planen den Bauablauf, betreuen die Ausschreibungen der Gewerke und berechnen die Kosten. „Damit können sie die Stellschrauben beim Bauablauf beeinflussen, wachen über Termine und Kosten“, zählt Peters auf. „Der Bauherr hat Kosten- und Planungssicherheit. Und er muss sich nicht mit Handwerkern streiten.“ Am besten schaltet man den Fachmann sogar schon vor dem Kauf eines Grundstücks ein. Denn er kann einschätzen, ob sich die Vorstellungen des Bauherren an diesem Platz überhaupt umsetzen lassen, prüft Bebauungspläne und Rahmenbedingungen. Wenn etwas nicht passt, hilft er bei der Suche nach Alternativen.

Die Tücken bei der Baubeschreibung

Wer aus Kostengründen nicht den gesamten Bauablauf von einem Architekten betreuen lassen will, sollte wenigstens bei der Bauabnahme einen unabhängigen Sachverständigen hinzuziehen. „Das kostet nicht viel Geld, und der Bauherr ist auf der sicheren Seite, dass keine gravierenden Mängel übersehen werden“, betont Schneider.

Auch wer ein schlüsselfertiges Eigenheim von einem Bauträger errichten lässt, ist gut beraten, zusätzlich einen eigenen Architekten einzuschalten. Zwar stecken schon in der Planung des Bauträgers Architektenleistungen. Doch es kommt nicht selten vor, dass die Interessen des Käufers ungenügend berücksichtigt werden. „Oft ist die Baubeschreibung lückenhaft oder die Leistungen sind nicht exakt beschrieben“, weiß Schneider. Wenn zum Beispiel von einer Doppelverglasung der Fenster die Rede sei, reiche das nicht. Vielmehr müsse genau beschrieben werden, welche Fenster welchen Typs und in welcher Energieklasse verwendet werden. Ähnliches gelte zum Beispiel für Innentüren. „Da gibt es große Qualitäts- und Preisunterschiede“, sagt der Bauarchitekt. „Ist nicht genau festgelegt, welche Türen eingebaut werden, muss sich der Käufer mit einem Billigmodell zufriedengeben.“

Die Sorge, Architekten würden sich am eigenen Zuhause mit verrückten Ideen „austoben“, muss niemand haben. Natürlich möchten sie ihre Kreativität umsetzen und Neues verwirklichen. Aber das kann immer nur in dem Maße geschehen, in dem der Bauherr ausdrücklich damit einverstanden ist. Deshalb ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis herzustellen, bei dem beide auf Augenhöhe kommunizieren. „Bauherren müssen dem Architekten deutlich sagen, was sie wünschen und was sie auf gar keinen Fall wollen“, betont Gertrudis Peters.

Den geeigneten Experten finden

Umbauten, Modernisierungen und energetische Sanierungen sind ebenfalls bei erfahrenen Praktikern in guten Händen. „Hausbesitzer sollten sich nicht scheuen, dafür einen Architekten zu beauftragen“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Wenn größere Eingriffe geplant sind, die die Statik und Form des Hauses, die Energietechnik oder baurechtliche Fragen berühren, ist ohnehin die Mitarbeit eines Sachverständigen vorgeschrieben. Auch die KfW-Förderbank fordert für die Inanspruchnahme vieler ihrer Förderprogramme die Begleitung durch sachkundige Experten.

Gerade Vorhaben wie der barrierefreie Umbau der Wohnung oder ökologisches Bauen brauchen die Erfahrung eines Architekten, der über die entsprechende Zusatzqualifizierung verfügt. Nicht jeder Planer beschäftigt sich allerdings mit solchen Projekten. Oft sind es kleinere Büros, die sich hierauf spezialisiert haben. „Beim VPB und bei den Architektenkammern kann man sich nach geeigneten Experten erkundigen“, sagt Reinhold-Postina. Auch Referenzen aus der Nachbarschaft sind hilfreich.

Angst, dass die Beratung das Budget sprengen könnte, brauchen Bauherren nicht zu haben. Die Vorabberatung wird nicht nach der Honorarordnung für Architekten, sondern stunden- oder tageweise abgerechnet. „Der Bauherr ist völlig frei“, erläutert Reinhold-Postina. „Wenn er das Gefühl hat, er kommt mit dem Experten nicht zurecht, kann er den Auftrag jederzeit beenden und sich einen neuen Partner suchen.“ (dpa)

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