Immobilien : Baugeld aus Japan kostet nur 1,9 Prozent Zinsen

Kredite mit Fremdwährungen haben aber hohe Risiken

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Der Bayerische Anbieter von Finanzdienstleistungen BFB Baufinanz bietet Hypothekarkredite mit einer fünfjährigen Laufzeit für Zinsen von 1,93 Prozent effektiv. Bei einer Festschreibung von zehn Jahren muss der Schuldner jährlich Zinsen in Höhe von 2,23 Prozent effektiv bezahlen. Dies entspricht weniger als der Hälfte der Kosten, die für Baugeld von den billigsten Banken hier zu Lande verlangt werden. Die Kehrseite der Medaille: Mit Vertragsunterzeichnung geht der Kreditnehmer hohe Risiken ein.

Denn das Geld stammt von japanischen Kredithäusern. Diese verlangen eine Überweisung der Zinsen in Yen. In den vergangenen Jahren hat die japanische Währung im Vergleich zum Euro an Wert verloren, weil die Wirtschaft schwach war. Springt jedoch die Konjunktur an, dann kann es zu einer Aufwertung des Yens kommen. In diesem Fall müsste ein Kreditnehmer mehr Euro als heute bezahlen, obwohl die Zinsen für das Darlehen während der Vertragslaufzeit unverändert bleiben. Dasselbe gilt für die Schulden: Trotz der Tilgung steigt deren Wert in Euro, falls der Yen zulegt.

Um solchen Kursschwankungen entgegenzuwirken, verspricht der Bayerische Dienstleister einen Ausstieg aus dem Kreditvertrag: „Notfalls raus aus dem Schweizer Franken oder dem Yen, rein in eine andere Währung.“ Dadurch könne man dauerhaft von den weltweit günstigsten Zinssätzen profitieren. Eine solche Strategie habe „in der Regel“ keine hohen Kosten zur Folge.

Allerdings schränkt die Firma ein, dass lediglich Kunden mit „hoher Bonität“ willkommen seien. Mit der Zuteilung eines billigen BaugeldKredites könne nur rechnen, wer auch ein gewöhnliches Hypothekendarlehen hier zu Lande bekommen würde. Nach Angaben der Firma ist der Kurs des Yens in den vergangenen Jahren um rund zehn Prozent gesunken. Wer also vor rund zehn Jahren ein Darlehen in der Fernost-Währung aufgenommen hatte, habe heute allein durch den Kursverlust des Yens seine Schulden um diese zehn Prozent gesenkt – sofern es bei diesem Kursverhältnis bleibt. Davon ist derzeit nicht unbedingt auszugehen, weil das Wirtschaftswachstum in Japan zuletzt überraschend stark angestiegen ist.

Finanzberater Max Herbst warnt davor, leichtfertig Hypothekenkredite in Fremdwährungen abzuschließen. Währungsschwankungen in Höhe von zehn Prozent seien auch innerhalb von wenigen Wochen möglich. Bei einem Yen-Kredit im Wert von umgerechnet 100000 Euro erhöhten sich die Schulden dadurch um 10000 Euro. Diese zusätzliche Schulden müsse ein Kreditnehmer auch bei einem raschen Umstieg in eine andere Währung mitnehmen. Darüber hinaus biete auch ein neuer Kredit in der dann ausgewählten Währung keine Gewähr dafür, dass sich das Desaster nicht noch einmal wiederhole. Denn auch der Schweizer Franken oder der US-Dollar verändere seinen Wert im Verhältnis zum Euro. ball

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