Immobilien : "Bauherr spart 80 000 DM"

RALF SCHÖNBALL

In Berlin stehen dem Traum von den eigenen vier Wänden zumeist die hohen Baupreise im Wege.Einen Ausweg aus der Misere schlägt Heribert Beier vor.Der Diplom-Kaufmann und Bauingenieur berät Häuslebauer, wenn sie selbst Hand anlegen und dadurch Kosten sparen wollen.Beier ist seit 15 Jahren selbständig in der Baubranche tätig, er hatte zuvor bei Bauträgern wie Klingbeil und Dr.Rüger Erfahrungen gesammelt.Mit dem Spezialisten für Projektsteuerung sprach Ralf Schönball über die sogenannte Selbsthilfe.

TAGESSPIEGEL: Wieviel Geld kann ein privater Bauherr durch Selbsthilfe einsparen und kostet ihn das nicht viel Zeit?

BEIER: Bis zu 80 000 DM.Das setzt allerdings voraus, daß der Bauherr von Verwandten oder Freunden tatkräftige Unterstützung erhält, und die Helfer sollten Erfahrungen in Sachen Bau haben.Im Idealfall ist der gütige Helfer Maurer, Dachdecker oder Klempner.Darüber hinaus begleiten wir die Bauherren bei der öffentlichen Ausschreibung aller Gewerke.In der Regel bewerben sich 15 bis 20 Bauunternehmen.Mit ihnen treten wir dann im Auftrag des Bauherrn in Verhandlungen mit dem Ziel, ihn an der Realisierung teilhaben zu lassen.

TAGESSPIEGEL: In der Regel lohnt sich eine solche sogenannte Muskelhypothek kaum, weil die Bauunternehmen ihre Rechnungen nicht um die tatsächlichen Kosten der entsprechenden Leistung senken.Was machen Sie anders?

BEIER: Wir arbeiten grundsätzlich nicht mit Generalunternehmern.Sie schlagen generell 10 bis 15 Prozent auf die Handwerkerleistung auf.Diese Zusatzkosten entfallen bei den von uns beratenen Bauherren.

TAGESSPIEGEL: Der Generalunternehmer braucht dieses Marge aber auch für die Gewährleistung, also für den Fall, daß er nach Bezug des Hauses Baumängel beseitigen muß.Außerdem wollen Sie doch auch etwas verdienen.Läuft es für den Bauherren unter dem Strich nicht auf dieselbe Rechnung hinaus?

BEIER: Im Fall eines Baumangels nimmt der Generalunternehmer ja auch den Handwerker oder eine der anderen, bauausführenden Firmen in Regreß.Falls diese Partner bereits in Konkurs gingen, aus anderen Gründen nicht mehr zahlen wollen oder den Schaden nicht beheben können, dann ist auch der Generalunternehmer in den meisten Fällen nicht bereit, den Mangel selbst zu beseitigen.Da wir dagegen auch vor Ort im Auftrag des Bauherrn den Baufortschritt überwachen, sind die Risiken für unsere Auftraggeber geringer.Sie dürften später kaum mit versteckten Mängeln konfrontiert werden, die zu Schäden führen.

TAGESSPIEGEL: Und was verdienen Sie?

BEIER: Wir rechnen nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure ab, der Lohn entspricht damit also dem, was jeder normale Bauingenieur bekommen würde, der ja auch von einem Generalunternehmer beschäftigt und bezahlt werden müßte.Ein weiterer Vorteil ist, daß wir außerdem die Finanzierung für den Bauherren beschaffen.Er braucht also nicht die sonst üblichen Finanzierungsvermittlungsgebühren zu zahlen.Außerdem bekommen wir etwas bessere Konditionen als ein einzelner Bauherr, weil wir in der Regel mehrere Bauherren betreuen.Der Einzelne kommt dadurch gewissermaßen in den Genuß eines Mengenrabattes.

TAGESSPIEGEL: Aus welchen Projekten leiten Sie Ihre Erfahrungen ab?

BEIER: Im Rahmen des Bundesprogrammes kosten- und flächensparendes Bauen hatte ich die Betreuung einer Spandauer Selbsthilfegruppe sowie der 96 Neueigentümer in der Gartenstadt Düppel unter meinen Fittichen.Dies geschah allerdings im Auftrag eines anderen Unternehmens, bei dem ich damals angestellt war.Dort wurde allerdings noch ein Generalunternehmer eingeschaltet.Dadurch bekamen die Bauherren nicht den angemessenen Preis für ihre hohen Eigenleistungen.Auch in der Finanzierung wurden die Vorteile des gemeinschaftlichen Projektes nicht ausgeschöpft.

TAGESSPIEGEL: In der Stadt gibt es eine ganze Reihe von Bauherren-Schutzvereine.Wodurch unterscheiden Sie sich von diesen Einrichtungen?

BEIER: Diese Vereine haben vor allem die Aufgabe, die Bauherren vor Bauschäden zu schützen.Sie betreuen punktuell die Familien während des Bauvorhabens und machen die Teil- und Schlußabnahmen von den Handwerksfirmen im Auftrag der Bauherren.Das ist an sich eine gute Einrichtung.Diese Vereine betreuen aber nicht die Selbsthilfe.Sie wird aber immer wichtiger, weil das notwendige Eigenkapital immer knapper ist und deshalb faire Selbshilfevereinbarungen getroffen werden müssen.

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