Immobilien : Baum der Gesundheit: Papaya

Heidemarie Krawietz

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene besonders sehenswerte Pflanze, die an ihrem Standort mit einem roten Punkt gekennzeichnet ist. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Die „Pflanze der Woche“ steht im Haus C, im Nutzpflanzenhaus. Es handelt sich um den dekorativen Melonen- oder Papayabaum (Carica papaya), auch Baummelone genannt. Er gehört zur Familie der Caricaceae (Melonenbaumgewächse), die vor allem im tropischen Amerika verbreitet und wegen der essbaren Papaya bekannt ist. Diese wird überall in den Tropen und Subtropen in verschiedenen Sorten kultiviert. Die aus Samen gezogenen Pflanzen wachsen sehr rasch, bereits nach einem Jahr kann geerntet werden. Die karibischen Indianer nannten diese Spezies „apapai“, den „Baum der Gesundheit“, da sie bereits um die Heilkraft dieser Pflanze lange vor Ankunft der Spanier in Amerika wussten.

Der Melonenbaum ist botanisch kein Baum, sondern eine mehrjährige, wenig verzweigte, bis zehn Meter hohe Staude, deren Stamm weitestgehend unverholzt bleibt. Die handförmig tief gelappten, auffallend langgestielten Blätter, die früh abfallen, hinterlassen Narben am Stamm. Nur ein Schopf von Blättern bleibt an der Spitze übrig. Dadurch ähnelt sie im Aussehen einer Palme.

In blütenbiologischer Hinsicht besitzt die Papaya eine interessante Besonderheit, nämlich keine strenge Ausprägung der Sexualität. Die Art ist zwar zweihäusig, das heißt, männliche und weibliche Blüten entwickeln sich auf getrennten Pflanzen, doch treten außerdem Zwitterblüten mit bis zu 15 unterschiedlichen Blütentypen auf, etwa männliche Blüten mit rudimentären Fruchtknoten. Gelegentlich findet sogar ein Geschlechtswechsel statt, eine männliche Staude wandelt sich in eine weibliche um. Bereits die Indianer wussten darum und nahmen Einfluss auf die Geschlechtsbestimmung, etwa durch Einschlagen von Eisennägeln in den Stamm. Vor allem sind die Zwitter in ihrem Blütenbau sehr labil; hier zeigen sich immer wieder Geschlechtsverschiebungen bis hin zur Eingeschlechtlichkeit. Das bringt für den Anbau große Probleme, treten doch immer wieder verkümmerte oder merkwürdig verformte Früchte auf. Man hat unter anderem festgestellt, dass kühle nächtliche Temperaturen oder jahreszeitlich bedingte Veränderung der Tageslänge einen Wechsel des Blütentyps auslösen können. Es wird weiter nach den genetischen und physiologischen Ursachen dieser Geschlechtsumwandlungen geforscht.

Die nach Maiglöckchen duftenden, weißlich-gelben Blüten stehen zu Büscheln in den Blattachseln, blühen nachts und werden von Faltern besucht. Aus weiblichen Blüten entstehen große, runde, bis neun Kilogramm schwere Früchte, zwittrige liefern viel kleinere und längliche. Die Papayas hängen dicht gedrängt unterhalb des Blätterschopfes am Stamm, wobei die unteren zuerst reifen. Die Früchte, botanisch Beeren, weisen eine dünne, gelbgrüne Schale auf. Darunter befindet sich das orangefarbene Fruchtfleisch. Das Fruchtinnere enthält viele schwarze, pfefferkorngroße Samen. Reif ist eine Papaya, wenn ihre Spitze eine leichte Gelbfärbung aufweist. Das butterweiche, säurearme Fruchtfleisch schmeckt nach Entfernen der Samen am besten frisch mit Zitrone, im Fruchtsalat oder als Saft. Im Aroma erinnert die Papaya an Melone mit Aprikosengeschmack. Reif geerntete Früchte sind extrem druckempfindlich und nur wenige Tage lagerfähig, so dass Papayas vor allem in den Anbauländern verzehrt werden. Unreife werden als Gemüse verwendet. Zu uns gelangen sie in Dosen oder als Nektar.

Alle Teile der Pflanze, besonders die ausgewachsenen, unreifen Früchte enthalten einen Milchsaft, der wegen seines hohen Gehaltes an Papain und Chymopapain (eiweißspaltende Enzyme) von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Papain wird in der Medizin unter anderem bei Verdauungsschwäche verordnet, Chymopapain bei einem Bandscheibenvorfall. Ferner dient Papain auch als Zartmacher für Fleisch. Es findet auch in der Textilindustrie Verwendung, um das Schrumpfen und das Verfilzen von Wolle und Seide zu verhindern.

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