Bauprojekt "Grand Central Berlin" : Am Hauptbahnhof entsteht eines der modernsten Bürogebäude der Stadt

Das Vorzeigeprojekt soll Ende 2019 fertig sein. Als Vorbild gilt „The Edge“ im Süden von Amsterdam, das "nachhaltigste Bürogebäude der Welt".

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Imposant. Blick Richtung Europacity von der Terrasse.
Imposant. Blick Richtung Europacity von der Terrasse.Foto: OVG Real Estate

Baubeginn für ein Grundstück direkt neben dem Hauptbahnhof an der Invalidenstraße. Die OVG Real Estate, spezialisiert auf modernste Bürogebäude, startet ihr Vorzeigeprojekt „Grand Central Berlin“. Auf dem insgesamt 5157 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Tiergartentunnel und Clara-Jaschke-Straße entsteht zeitgleich auch noch ein Viersternehotel, gebaut von HG Immobilien, für das spanische Unternehmen Barceló. Die Fertigstellung für beide Gebäude ist Ende 2019 geplant.

Die OVG Real Estate mit Hauptsitz in Amsterdam ist nach eigenen Angaben die größte Projektentwicklerin in den Niederlanden. Sie expandiert in letzter Zeit stark in Deutschland und ist darüber hinaus international seit September 2016 auch in den USA mit einem Büro in New York City vertreten. Schwerpunkt der Tätigkeit auf dem Immobilienmarkt ist die Entwicklung von High-Tech-Bürogebäuden mit großer Nachhaltigkeit.

OVG-Geschäftsführer Deutschland Martin Rodeck verspricht modernsten Standard für das „Grand Central Berlin“ am Hauptbahnhof mit rund 22 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, das nach dem Entwurf der Berliner Architekten Bolwin Wulf entsteht. Digitalisierung von Bürogebäuden sei das Stichwort. „Die Türen werden hier künftig mit dem Smartphone geöffnet.“ So ist außerdem vorgesehen, dass Licht, Luftzirkulation und Temperatur durch eine „integrierte Sensorik“ gesteuert würden. „Wir stellen die Vernetzung zwischen den einzelnen Systemen her“, sagt Rodek.

Im Berliner Zentrum war Geothermie nicht möglich

Als Vorbild für „Grand Central Berlin“ gilt das Ensemble „The Edge“ im Süden von Amsterdam, das als „nachhaltigste Bürogebäude der Welt“ gilt. Auf dem Laufband im hauseigenen Fitnesscenter wird dort Strom erzeugt. Das Haus verfügt über eine gewaltige Glasfassade und Solarpaneele auf der Südseite.

The Edge

Für dieses Gebäude, vor zwei Jahren im Amsterdamer Finanzdistrikt Zuid eröffnet, passen viele Superlative: „The Edge“ soll das bis dahin modernste, energieeffizienteste und bestvernetzte Bürohaus sein. Entworfen haben es Ron Bakker und Lee Polisano vom Londoner Architekturbüro PLP Architecture. Das „intelligente“ Haus steht auf einer Fläche von 40 000 Quadratmetern und ist in 15 Etagen unterteilt. 6500 vernetzte LED-Leuchten bilden sogenannte digitale Decken, integrierte Sensoren speichern Informationen über die Nutzung der beleuchteten Räume. Die Technologie funktioniert komplett ohne Stromkabel, in allen Bereichen wird so viel Energie wie möglich gespart. Die Südseite des Gebäudes ist mit hocheffizienten Sonnenpaneelen ausgestattet. Niemals wird es drinnen zu warm, denn ein ausgeklügeltes Ventilationssystem fächelt kühle, frische Luft in die Büros. Diese sind wie Konferenzräume, Lounges und Cafeterien in der Größe variabel. Über eine App auf ihrem Smartphone können Mitarbeiter die Helligkeit der Leuchten einstellen – und zudem die Temperatur im Raum regeln. Ob sie gern bei 20 Grad Celsius arbeiten, wie oft sie zur Toilette gehen, wie sie ihren Kaffee trinken oder wo sie wann mit welchem Kollegen sprechen, all das weiß dieses Gebäude. Big Data wird gut bedient in diesem Haus. So wissen die Putzfrauen, welche Räume besonders intensiv genutzt und daher auch gründlicher gereinigt werden müssen. Dieses Bürogebäude weist den Weg in eine gläserne Zukunft. Durchaus bedrohlich. Immerhin, von außen macht der coole Bau richtig was her.

Arbeit mit Durchblick. Das Ensemble „The Edge“ gilt im Süden von Amsterdam als Vorbild für „Grand Central Berlin“.
Arbeit mit Durchblick. Das Ensemble „The Edge“ gilt im Süden von Amsterdam als Vorbild für „Grand Central Berlin“.Foto: Ronald Tilleman/promo

Im Berliner Zentrum war Geothermie indes nicht möglich. Der Tiergartentunnel sowie die unterirdischen Bahnanlagen ließen das nicht zu. Fotovoltaik-Module konnten aus städtebaulichen Gründen nicht projektiert werden, so Martin Rodek. Dafür sollen smarte Technologien im Hausinnern „gesundes und modernes Arbeiten auch für kleinere Unternehmen ermöglichen“. OVG sieht sich schon lange nicht mehr nur als klassischer Projektentwickler, sondern mehr und mehr als Technologieunternehmen.

Bis zu 26 Firmen mit bis zu 1300 Mitarbeitern, diese Zahl nennt Martin Rodeck, können sich gleich neben dem Hauptbahnhof in dem neungeschossigen Bau mit Dachterrassen einmieten. Im Parterre sind, ähnlich wie in Hotellobbys, kleine gastronomische Einheiten auch für Publikumsverkehr geplant. Im ersten Obergeschoss befinden sich Konferenzräume für Teambesprechungen und Meetings verschiedenster Art.

"Humboldt Hafen Eins" war das erste große Projekt der OVG Real Estate

Übrigens sucht die OVG schon nach einem Käufer für „Grand Central Berlin“. Es gehöre zur Firmenstrategie, dass die entwickelten und errichteten Bürogebäude in die Hände anderer Eigentümer wechseln. „Wir denken aber daran, bei unserem Objekten auch nach dem Verkauf eine betreiberähnliche Rolle zu übernehmen“, verrät Rodeck.

Von außen sieht der Bau allerdings nicht so futuristisch aus wie das Vorbild „The Edge“.
Von außen sieht der Bau allerdings nicht so futuristisch aus wie das Vorbild „The Edge“.Foto: OVG Real Estate

OVG Real Estate, 1997 in Rotterdam gegründet, hat mit dem Bürohaus „Humboldt Hafen Eins“, ebenfalls nahe dem Hauptbahnhof, bereits 2015 eine Visitenkarte abgegeben. Das erste Neubauprojekt von OVG in Deutschland mit 30 000 Quadratmetern Nutzfläche und viel smarter Technologie erhielt im Oktober 2015 die Plakette in Platin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, außerdem im Jahr darauf den Immobilienmanager Award.

Im November 2016 hat OVG Real Estate am Bahnhof Südkreuz zwischen Sachsendamm und dem Bahnhofsvorplatz ein 10 000 Quadratmeter großes Grundstück erworben. Dort sind 30 000 Quadratmeter Bürofläche sowie ein separates Hotelgebäude geplant. Geschäftsführer Rodeck geht davon aus, dass Anfang 2018 der Grundstein gelegt werden kann.

In der Nähe der Mercedes-Benz-Arena soll der „East Side Tower“ entstehen

Das siebenstöckige Bürogebäude „M_Eins“ an der Mühlenstraße in Friedrichshain wurde vor wenigen Tagen von der OVG an den Mieter Zalando, Onlineanbieter für Schuhe und Mode, übergeben. Es verfügt mit 13 000 Quadratmetern Bürofläche, Dachterrasse und 55 Tiefgaragenplätzen über Platz für 800 Mitarbeiter und eignet sich besonders gut für Open-Space-Bürokonzepte.

Schließlich hat die OVG im Herbst 2016 noch ein weiteres Grundstück in der Nähe der Mercedes-Benz-Arena erworben. Dort plant das Unternehmen den „East Side Tower“, einen 140 Meter hoher Büroturm an Helen-Ernst- und Tamara-Danz-Straße. Fertigstellung für das ehrgeizige Projekt ist 2020 geplant. Die bisher höchsten Häuser in Berlin sind im Moment die nicht weit entfernt aufragenden Treptowers mit jeweils 125 Metern.

Doch damit nicht genug. Der OVG-Expansionskurs in Deutschland hat nach Berlin nun auch Hamburg im Fokus. Im März 2017 kam das Projekt „The Pier“ auf einem 4200 Quadratmeter großen Grundstück im Quartier Elbbrücken in der Hafencity zum Portfolio hinzu. Geplant ist ein nachhaltiges Multi-Tenant-Bürogebäude mit rund 25 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche für individuelle Nutzerprofile vom langfristigen Großmieter bis zum temporären Co-Worker.

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