Immobilien : Bausparer vertrauen auf Raten

Junge Kunden stehen im Fokus der Kreditinstitute.

Solides Fundament. Bausparen wird für junge Anleger wieder attraktiv. Foto: dapd
Solides Fundament. Bausparen wird für junge Anleger wieder attraktiv. Foto: dapdFoto: dapd

Was früher der Sparfuchs mit den roten Backsteinen war, ist heute der junge Großstädter auf der Dachterrasse. Deutschlands Bausparkassen setzen in Zeiten der Krise verstärkt auf junge Kunden – und wollen so ihr Geschäft weiter ankurbeln. Private wie öffentlich-rechtliche Anbieter locken Jugendliche mit eigenen Werbekampagnen und Angeboten.

„Es trifft den Bedarf der Zielgruppe und hilft uns, unseren Wachstumskurs zu sichern“, sagt Vorstandsmitglied Bernd Hertweck von der Bausparkasse Wüstenrot, der Nummer zwei in der Branche. Ähnlich wie die größte deutsche Bausparkasse Schwäbisch Hall bietet Wüstenrot nun einen Jugendtarif mit Boni von bis zu 300 Euro an. Laut dem Verband privater Bausparkassen ist jeder vierte neue Bausparer hierzulande jünger als 30 Jahre.

Die Schuldenkrise verstärke das Bedürfnis nach sicheren Spar- und Finanzierungsformen und werde so auch bei jüngeren Kunden attraktiver, sagt Verbandssprecher Alexander Nothaft. „Es mag langweilig sein. Dafür ist es sicher und solide.“ Im Bausparneugeschäft habe die Branche zuletzt das zweitbeste Jahr in der Geschichte verbucht. Außer den Landesbausparkassen gibt es in Deutschland 13 private Anbieter.

Bausparen ist der Deutschen liebstes Fundament für die eigenen vier Wände. 41 Prozent aller Bundesbürger, die in den Jahren 2008 bis 2011 Wohneigentum erworben haben, hatten mit einem Bausparvertrag begonnen, auf die eigene Immobilie hinzusparen. Ein bis zwei Jahre vor dem Erwerb haben sogar 57 Prozent der künftigen Eigentümer mit einem Bausparvertrag Eigenkapital aufgebaut. Dies geht aus einer aktuellen repräsentativen Studie von TNS Infratest hervor. Auf den Plätzen zwei und drei folgen danach Sparguthaben bei anderen Kreditinstituten (38 Prozent) sowie Tages-, Termin- und Festgeld (zehn Prozent). Unabhängig von der Form der Eigenkapitalbildung betrug die durchschnittliche Spardauer bis zum Einzug in die eigene Immobilie elfeinhalb Jahre.

Sparen für ein Eigenheim gelte bei jungen Leuten zwar oft als spießig, sei für sie aber besonders sinnvoll, sagt Bankenexperte Hans-Peter Schwintowski von der Berliner Humboldt-Universität. „So gesehen sind die Bausparkassen fast gezwungen, sich mit den jungen Leuten auseinanderzusetzen.“ Bei der Suche nach einem passenden Bausparvertrag können diese sich jedoch nicht immer auf ihren Bankberater verlassen: Wie berichtet beraten die Bankmitarbeiter nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest ihre Kunden oft schlecht. Von den 22 Bausparkassen im Test hatten sich 18 mindestens eine Fehlberatung geleistet. Fachmann Schwintowski stellt das Konzept des Bausparens deshalb aber nicht infrage. Für Menschen mit wenig Eigenkapital könne es sich lohnen, sagt er.

Im Rennen um Schüler, Studenten und junge Großstädter setzen die Bausparkassen zunehmend auf Werbung. Den Anfang machten vor einigen Jahren die Landesbausparkassen – mit einem kleinen Mädchen in einer Hippie-Kommune. „Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden“, verkündete die Kleine in dem Spot. Aktuell erklärt ein Vater seiner Tochter beim „Monopoly“ die Vorteile des Bausparens. Auch andere Branchengrößen haben ihre Strategie überarbeitet – und das Twittern für sich entdeckt. Wo es früher hieß: „Auf diese Steine können Sie bauen“, lautet es heute auch: „Du kaufst keinen Bausparvertrag. Du kaufst den wichtigsten Ort der Welt“.

„Diese Strategie stellt die positive Zukunft nach vorne, die durch das Sparen angelegt wird“, sagt Schwintowski. „Generell ist der Gedanke ,Ich muss auf etwas verzichten‘ für junge Leute ja nur wenig attraktiv.“ Ob sich die Bemühungen auszahlen, ist noch ungewiss. Insgesamt hätten die Bausparkassen während der Schuldenkrise profitiert, sagt Verbandssprecher Nothaft, allerdings hielten Menschen in finanziell unsicheren Zeiten ihr Geld auch zurück. Das Bausparvolumen von 2011 erneut zu erreichen werde daher „nicht einfach“. dpa/Tsp

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