• Bausparkassen verlieren Kunden – und hoffen auf Riester Niedrige Zinssätze für Darlehen klingen gut – aber ob sie sich rechnen, hängt vom Einzelfall ab

Immobilien : Bausparkassen verlieren Kunden – und hoffen auf Riester Niedrige Zinssätze für Darlehen klingen gut – aber ob sie sich rechnen, hängt vom Einzelfall ab

Veronika Csizi

Bausparen gilt vielen als spießig und renditeschwach. Und dennoch: Obwohl die Bausparkassen ihren Kunden in der Sparphase selten mehr als 0,75 bis ein Prozent an Zinsen zahlen, die angesparte Bausparsumme also inflationsbedingt am Ende sogar im Wert geschrumpft ist, schließen die Deutschen jedes Jahr rund drei Millionen neue Verträge ab. Der Bausparer bleibt ein Massenphänomen: Ein Bausparvertrag liegt in jedem dritten Haushalt in der Schublade. 27 Millionen Deutsche zahlen derzeit Monat für Monat ein, davon neun Millionen bei den zehn Landesbausparkassen (LBS), der Rest bei den 15 privaten Bausparkassen wie Schwäbisch Hall oder Wüstenrot. Seit 1945 sind mehr als 1000 Milliarden Euro von den Kassen ausbezahlt worden.

Allerdings: Das Interesse an Neuabschlüssen ist geschrumpft, wenn auch auf hohem Niveau. 6,7 Prozent weniger Verträge etwa verzeichneten die LBS im vergangenen Jahr. Auch bei den Privaten „ist das Geschäft 2007 erheblich schwieriger geworden", sagt Alexander Nothaft, der Sprecher des Verbandes der privaten Bausparkassen. Als Sündenbock hat die Branche dabei den Wegfall der staatlichen Eigenheimzulage Ende 2005 ausgemacht, denn die Zahlen zeigen: Es wird deutlich weniger gebaut. Um 25 Prozent, schätzt Nothaft, ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnbauten im vergangenen Jahr eingebrochen. Vor allem kleinere Institute mussten starke Einbußen hinnehmen, bei der Debeka etwa waren es fast neun Prozent.

Bei der Quelle Bauspar AG habe dagegen eine neue Produktidee, seit Oktober auf dem Markt, „das Ruder noch herumgerissen“, sagt Sprecherin Susanne Dehm. Der neue Tarif Q 18 lockt dabei mit einer Kombination aus Staffel-Sparzins von bis zu 5,3 Prozent einerseits und einem Kreditzins von 1,75 Prozent nominal andererseits. Erst bei Vertragsende entscheidet sich der Bausparer, ob er einen günstigen Baukredit braucht oder höhere Sparrenditen bevorzugt. Der Q 18 macht ein Drittel des Neugeschäfts aus.

Hoffnungen setzt die Branche auf das „Wohn-Riester“. Gerade hat die Regierung beschlossen, die Riester-Rente auf Bausparverträge auszuweiten. Damit können Bausparer – jedoch nur auf neuen „Riester-Bausparkonten“ – den Staat an der Finanzierung ihres Eigenheims beteiligen, und zwar in der Spar- und in der Tilgungsphase. Unter bestimmten Bedingungen fließen dann pro Jahr 154 Euro Grundzulage plus 185 Euro für jedes Kind zusätzlich in den Bausparvertrag. Allerdings: Die Gelder sind später zu versteuern, denn die eigenen Sparleistungen werden aus unversteuertem Einkommen gezahlt.

Wann lohnt sich ein Bausparvertrag? Prüfen sollte jeder Bausparwillige, ob ihm die garantierte Zinssicherheit wichtiger ist als die meist dünne Rendite auf das angesparte Kapital. Denn Kernargument der Anbieter ist ja, dass der Kunde bereits bei Vertragsabschluss weiß, welche Zinsen er für sein späteres Darlehen bezahlt. Diese Sicherheit bezahlt er mit sehr niedrigen Sparzinsen. Ein Blick auf die Konditionen der Anbieter zeigt indes, dass die Zinsschnäppchen (ab gut zwei Prozent effektiv) häufig nur bei sehr schneller und hoher Tilgung und oder bei niedrigen Bausparsummen greifen.

Ein Rechenbeispiel: 100 Euro pro Monat bei der LBS im Tarif Classic C9 ergeben nach zehn Jahren 12 303 Euro, wovon allerdings nur 300 Euro Zinsen sind. Den niedrigen Kreditzins von 1,95 Prozent für rund 18 000 Euro Kredit erhalten Kunden nur dann, wenn sie das Darlehen mit neun Prozent in knapp sechs Jahren tilgen. Wer die Tilgung verringert oder die Kreditsumme erhöht, zahlt bis zu 3,95 Prozent Zinsen (nominal). „Einen guten Vertrag erkennt der Bausparer daran, dass er für seine Sparleistung ein relativ hohes Darlehen zu niedrigen Zinsen für eine möglichst lange Zeit bekommt“, so das Fazit der Stiftung Warentest. Zum Vergleich: Manche Banken offerieren Sparpläne mit rund vier Prozent Zinsen für bis zu zehn Jahre. Bei 100 Euro monatlich summierte sich dies am Ende auf 14 719 Euro, also rund 2400 Euro mehr – Geld, das bei der Baufinanzierung als Eigenkapital fehlt und die Kreditaufnahme verteuert.

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