Immobilien : Bei Gelb sieht manche Baubehörde rot

Die Farbe des Daches ist nicht allein Sache des Bauherrn. Der Gesamteindruck des Wohngebiets muss erhalten bleiben

Stephanie Hoenig

Dächer prägen Orts- und Landschaftsbilder wesentlich. Dabei spielt das regional jeweils typische Material zum Eindecken eine wichtige Rolle: Reetdächer etwa gibt es vor allem in Norddeutschland. Schiefer dominiert an der Mosel, und Holzschindeln sind in den Alpen beliebt. Regionale Unterschiede lassen sich aber auch hinsichtlich der Farbgebung feststellen. Im Rheinland beispielsweise werden nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach eher dunkle Töne bevorzugt. In Nord- und Süddeutschland herrscht dagegen Naturrot vor.

Seit einigen Jahren machen kunterbunte Dachsteine und Dachziegel traditionell dezenten Tönen Konkurrenz. „Neben kräftigem Blau und Grün gibt es Eindeckungsmaterialien in ausgefallenen Farben wie Zitronengelb oder Pink“, heißt es beim Hersteller Braas. Oft hätten bunte Dachsteine und Ziegel auch eine glänzende Oberfläche.

In manchen Städten und Gemeinden wird angesichts der neuen Bandbreite an gestalterischen Möglichkeiten schon befürchtet, dass farblich schrille, hoch glänzende Ziegel traditionelle Dachlandschaften verschandeln. Doch solche Sorgen scheinen weitgehend unbegründet zu sein. Denn die meisten Bauherren wählen Naturrot oder naturnahe Farben. Im Trend liegen zurzeit ein sehr helles Grau sowie Anthrazit.

Die Wahl der Farbe und des Dachdeckungsmaterials ist auch nicht allein Sache des Bauherrn. Denn viele Städte und Gemeinden haben – um einen harmonischen Gesamteindruck des Orts- und Wohngebietes zu erhalten – in ihren Bauordnungen und Bebauungsplänen Vorschriften über Form, Farbe und Material. „Vor der Dacheindeckung sollte man sich vom Bauamt Auskunft über die örtlichen Bestimmungen geben lassen“, rät Heiner Nelskamp vom gleichnamigen Dachziegel- und Dachstein-Hersteller. Dies erspare besonders bei ausgefallenen Wünschen Enttäuschungen und Ärger.

Bei Dächern in naturnahen Farben gibt es einen Trend zu Glanz bei der Oberflächengestaltung. Damit Ziegeldächer im Hochglanz strahlen, werden die Dachziegel mit einer Glasur überzogen, erläutert Stefan Thomas vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Solch eine Glasur habe den Vorteil, dass sich Dreck, Moos und Algen auf der glatten Oberfläche nicht so schnell ablagern können. Ein enormer Verarbeitungs-Nachteil ist, dass beim Transport und beim Verlegen leicht Glasur absplittern kann. Der Bauherr sollte sich also vergewissern, dass die Eindeckung ohne Schadstellen – meist wird die braune Ursprungsfarbe sichtbar – erfolgt.

Neben glasierten Ziegeln gibt es auch hochwertig beschichtete Dachsteine. Diese mit einer besonders glatten Oberflächenveredelung beschichteten Steine bieten Moos und Algen keinen Halt. Aber auch Schmutzpartikel, die sich aus der Atmosphäre auf dem Dach niederschlagen, werden beim nächsten Regen wieder abgewaschen. Die Dachfläche bleibt dauerhaft sauber, versprechen die Hersteller. dpa / gms

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben