Berlin : Shootingstar Bergmannstraße

Ein Blick auf kleinere Berliner Einkaufsstraßen zeigt: Individuelle Geschäfte tragen zum Erfolg bei.

Christian Hunziker

Die Bergmannstraße im Stadtteil Kreuzberg liegt im Trend. Wo noch vor einigen Jahren Trödelläden der unappetitlichen Sorte und Dönerbuden das Bild bestimmten, warten jetzt Coffeeshops, Bio-Restaurants und Modeläden auf die zahlreichen Flaneure, die auf dem Weg zur umgestalteten Markthalle am Marheinekeplatz oder zum sonnabendlichen Ökomarkt am Chamissoplatz sind.

Den Beweis dafür, dass die Bergmannstraße tatsächlich ein angesagter Einzelhandelsstandort ist, liefert nun der druckfrische Handelsindex 2009/2010 des Berliner Unternehmens „Grupe – Die Einzelhandelsmakler“. Demnach weist das Einzugsgebiet der Bergmannstraße mit einem Kaufkraftindex von 111 eine hohe Kaufkraft auf (ein Index von 100 entspricht dem Berliner Durchschnitt).

Auch die Miete für einen 80 bis 120 Quadratmeter großen Laden bewegt sich mit 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter und Monat auf einem ähnlich hohen Niveau wie beispielsweise an der Breiten Straße in Pankow – mit dem Unterschied, dass dort mit dem Rathaus-Center ein großes Einkaufszentrum als Magnet fungiert, während in der Bergmannstraße der Filialisierungsgrad lediglich sieben Prozent beträgt. Das bedeutet, dass es sich bei nur sieben Prozent der Läden um Filialen von Ketten handelt. Individuelle Geschäfte aber machen eine Einkaufsmeile in der Regel besonders attraktiv. „Hier wird ein Trend gesetzt“, sagt denn auch Firmenchef Stephan Grupe. „Dadurch besteht Potenzial für Einzelhändler und Vermieter.“

Im Auftrag von „Grupe – Die Einzelhandelsmakler“ hat der Studiengang Immobilienwirtschaft der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin die 65 umsatzstärksten Einkaufsstraßen der Stadt unter die Lupe genommen. Damit berücksichtigt die Untersuchung zahlreiche Straßen, die in den Berichten der großen Maklerhäuser gar nicht vorkommen. Die Ergebnisse sind teilweise überraschend: So weist die Drakestraße in Lichterfelde-West, nicht eben ein stadtweit bekanntes Shopping-Ziel, mit 48 Prozent einen bemerkenswert hohen Filialisierungsgrad auf. Manche Zahlen sind dagegen nur schwer nachzuvollziehen: So soll der Kaufkraftindex in der Warschauer Straße in Friedrichshain mit 118 höher liegen als in der Friedrichstraße (104) oder am Zeltinger Platz in Frohnau (99).

Steigende Mieten verzeichnen die Experten in sogenannten Ia-Lagen, namentlich der Friedrichstraße, der Tauentzienstraße, dem Kurfürstendamm, dem Hackeschen Markt und der Rosenthaler Straße. Am Hackeschen Markt werden für kleinere Ladeneinheiten Mieten von bis zu 125 Euro pro Quadratmeter und Monat verlangt, in der Rosenthaler Straße bis zu 120 Euro. Damit müssen Ladenmieter am Hackeschen Markt mehr bezahlen als ihre Kollegen in der Steglitzer Schloßstraße. Noch 2007, so ermittelte damals das Maklerunternehmen Aengevelt, betrug die Höchstmiete am Hackeschen Markt lediglich 85 Euro. Dass die Gegend um den Hackeschen Markt sehr begehrt ist, bestätigen auch andere Maklerhäuser: Sie punktet laut BNP Paribas Real Estate (früher Atisreal) „vor allem bei trendigen, internationalen Einzelhandelskonzepten“.

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