Berliner Immobilienmarkt : Ein Stellplatz für 100 000 Euro

Gutachterausschuss errechnet für 2016 in Berlin zweithöchsten Geldumsatz nach dem Spitzenwert 2015.

von
Die Bodenpreise für Wohnbauland für den Geschosswohnungsbau haben 2016 erneut am stärksten zugelegt.
Die Bodenpreise für Wohnbauland für den Geschosswohnungsbau haben 2016 erneut am stärksten zugelegt.Foto: imago/Christian Mang

Der Berliner Immobilienmarkt verzeichnete 2016 insgesamt leichte Umsatzrückgänge. Dennoch wurden mit über 16,4 Milliarden Euro immer noch den zweithöchsten Geldumsatz seiner Geschichte erzielt. Wären mehr Neubauten auf dem Markt, hätte der Vorjahresumsatz sicher übertroffen werden können. Dies geht aus dem in dieser Woche veröffentlichten Immobilienmarktbericht Berlin 2016/ 2017 des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin hervor.

Erste vorläufige Analysen zeigen im Ausblick auf 2017 „weiter steigende Preise, allerdings mit tendenziell abgeschwächtem Anstieg bei Ein- und Zweifamilienhäusern, bei Mietwohnhäusern sowie Wohn- und Geschäftshäusern“, heißt es in der Broschüre.

2016 war ein Jahr verstärkter Nachfrage nach Gewerbebauland mit überdeutlichen Umsatzsteigerungen nach Geldmenge und Fläche.

Der unabhängige Gutachterausschuss kann auf originäre Informationen über das Geschehen auf dem Immobilienmarkt zurückgreifen: Die beurkundeten Immobilienkaufpreise sind Grundlage der Gutachten. Für den aktuellen Bericht wurden Informationen von rund 32 700 verkauften Immobilien des Jahres 2016 herangezogen.

Preisanstieg in allen Sparten

„Die Kaufpreise stiegen in nahezu allen Teilmärkten“, schreibt Reiner Rössler, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin, in seinem Vorwort: „Hierbei haben die Bodenpreise für Wohnbauland für den Geschosswohnungsbau erneut am stärksten zugelegt. Die Nachfrage steht hier augenscheinlich am deutlichsten im Missverhältnis zum verfügbaren Flächenangebot. Insofern scheint eine nachhaltige Aktivierung geeigneter Flächen und auch deren Bebauung letztlich die einzige Möglichkeit, wenigstens mittelfristig den Druck von der Bodenwertspekulation zu nehmen. Bei entstehendem, preisgünstigem Mietflächenangebot kann somit erwartet werden, dass dies auch den Druck von den Bestandsmieten nehmen wird.“

Die Kernzahlen aus dem Gutachten im Einzelnen:

- Die höchsten erzielten Kaufpreise für Ein- bzw. Zweifamilienhäuser wurden mit 7074 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Ortsteil Grunewald ermittelt.

- Der mittlerer Kaufpreis für Ein- und Zweifamilienhäuser lag den Gutachtern zufolge 2016 mit 2521 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche um rund 12 Prozent über dem Vorjahreswert.

- Der mittlerer Kaufpreis für reine Mietwohnhäuser lag mit 2317 Euro pro Quadratmeter Wohn-/Nutzfläche und für Wohn- und Geschäftshäuser mit 2442 Euro pro Quadratmeter Wohn-/Nutzfläche erneut jeweils zirka plus zwanzig Prozent über dem Vorjahreswert.

- Der mittlere Kaufpreis für Eigentumswohnungen wurde 2016 auf 3204 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erneut um rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben katapultiert.

Mittlere Lage in den Zentren der Stadt

Als mittlere Lagequalitäten qualifizieren die Gutachter Zentren der Stadt , die eine überwiegend geschlossene, stark verdichtete Bebauung und ein überwiegend gepflegtes Straßenbild aufweisen, in denen der Gebäudezustand überwiegend gut ist (z.B. sanierte Wohngebiete, Neubaugebiete), auch wenn nur wenige Grün- und Freiflächen vorhanden sind. Kennzeichnend für die mittlere Wohnlage in den Zentren der Stadt sind darüber hinaus ein gutes Versorgungsangebot für den täglichen Bedarf und eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.

- Der höchster Kaufpreis für einen Stellplatz betrug im vergangen Jahr 100 000 Euro. Der mittlere Kaufpreis für einen Stellplatz lang mit rund 28 900 Euro erneut rund zehn Prozent über dem Vorjahreswert.

- Die Zahl der Zwangsversteigerungen stieg 2016 um 22 Prozent auf 267 Fälle – eine Trendwende nach zehn Jahren kontinuierlichen Rückganges.

- Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen waren rückläufig wie auch die Zahl der Neubauten: Nach Wohneinheiten (WE) betrachtet, gingen die Umwandlungen um 24 Prozent zurück, bei Neubauvorhaben sogar um 31 Prozent. Spitzenreiter bei Umwandlungen waren die Altbezirke Friedrichshain mit 1880 und Neukölln mit 1448 Wohneinheiten (Anstiege in Treptow, Steglitz und Wedding).

Wenn es um die Zahl der Neubauvorhaben geht, so waren die 2016 die Altbezirke Treptow mit 858 WE und Mitte mit 681 WE an der Spitze. Deutliche Anstiege bei Neubauvorhaben wurden in den Altbezirken Neukölln, Treptow und Lichtenberg verzeichnet.

Was am meisten nachgefragt wird

Für den Stadtrand hoben die Gutachter das Bodenrichtwertniveau deutlich an, so in den Ortsteilen Adlershof, Französisch Buchholz, Kaulsdorf, Kladow, Lichtenrade, Niederschönhausen, Schmöckwitz, Wartenberg und Zehlendorf.

Nachgefragt werden im gesamten Stadtgebiet Baulücken für Ein- und Zweifamilienhäuser bzw. bebaute Einfamilienhausgrundstücke, die entweder kernsaniert oder nach dem Abriss der Altbebauung mit einer höheren Geschossflächenzahl-Auslastung des Grundstücks neu bebaut werden sowie Baulandflächen von Wohnparks, die von privaten und öffentlichen Investoren entwickelt und errichtet werden.

Der Immobilienmarktbericht finden Sie hier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben