Immobilien : Berliner Tagesspiegel

CHRISTIAN VAN LESSEN

Was wird aus dem Berliner Schloßplatz? Mit dieser Frage hat der Tagesspiegel über zwanzig Architekten um Ideen für Berlins Mitte gebeten.Am kommenden Montag und Dienstag wird die Serie mit Beiträgen des Niederländers Wiel Arets und des Briten Sir Norman Foster abgeschlossen.Ab Mittwoch werden dann alle Entwürfe und Modelle in einer Ausstellung im Kunstforum der Grundkreditbank, Budapester Straße 35, zu sehen sein.Heute stellen wir noch vier Arbeiten vor, die uns außer der Reihe erreicht haben.Sie unterstreichen die Vielfalt der Vorstellungen, zu denen dieser Platz herausfordert.MZVON CHRISTIAN VAN LESSEN Eine Vision von Bouw/Meuwissen, Amsterdam EEine Provokation - der Schloßplatz, vor die Hunde gekommen.Da stehen sie nun, jeder auf hohem Sockel, als Denkmal: Dackel, Schäferhund, Königspudel, Dogge, Yorkshire und Boxer blicken vom Schloßplatz in Richtung Unter den Linden und denken sich ihren Teil, suchen vielleicht nach irgendeinem Baum.Die international bekannten niederländischen Architekten Matthijs Bouw und Joost Meuwissen (Professor für Städtebau und Entwerfen an der TU Graz) haben sich keck mit dem Schloßplatz einen Spaß erlaubt, wobei sie doch mit einigem Ernst an die Geschichte erinnern, denn die Schloßbrücke von Schinkel ersetzte einst die ärmliche Hundebrücke über die Spree.Säulen schlug schon Schinkel vor: Sie sollten aber am gegenüberliegenden, damals kleineren Dom entlang aufgestellt werden, was nicht geschah.Säulen aber, schlagen die Architekten vor, könnten dort wirklich errichtet werden, mit einer Serie bedeutender deutscher Staatsmänner vielleicht.Aber dann, auf dem Schloßplatz, müßten eben auch säulenheilige Hunde stehen, "während gleichzeitig normale Leute aus Berlin mit ihren Hunden in diesem Gebiet spazieren gehen und so, wie überall, ihren Hunden immer ähnlicher sehen", erläutern die Architekten bissig.Ihre geistige Spur zu den Hunden ist lang und verschlungen.Einen Wiederaufbau des Schlosses lehnen die Planer ab.Ohne Funktion wäre es nur das Symbol eines frustrierten Verhältnisses zur Vergangenheit."Der Palast der Republik ist ein gutes Schloß".Als nationales Symbol wie der Reichstag eignet sich ein neues, altes preußisches Schloß nicht.Vorgeschlagen wird ein "Volkspalast unserer Zeit", ein Platz ohne Dach, der sich bis zur Friedrichwerderschen Kirche erstreckt, die eine Art Schloßeingang markiert.Die Schinkelsche Kirche war zwar nie als Teil des Platzes gedacht, der architektonische Entwurf ließ die Doppeltürme so niedrig wie möglich, um die Horizontalität des Platzes nicht zu stören, aber das macht nichts.Denn ein Volkspalast benötigt eine andere Distanz: Nicht mehr die einst krasse Kluft zwischen Volksstadt und historischer Dynastie, sondern eine Distanz zwischen der benachbarten Volksstadt und - beispielsweise - einem Popkonzert.Denn Konzerte könnte es hier geben, der Schloßplatz dann eine Arena sein, eine "BerlinA", die sich vom Palast der Republik ausdehnt und vielleicht sogar mit ihm eins wird.Da Berlin aus einer losen Konfiguration von Kleinstädten besteht, ist es ratsam, daß alle kulturellen Ereignisse die alten, ehemaligen Industriebauten an der Peripherie verlassen und "das neu entstandene Stadtzentrum besetzen und somit stärken".Und dann stehen hier vielleicht auch, wie zu früheren Ost-Berliner Zeiten, größere Tribünen, an deren Hinterseite die Säulen mit den gelangweilt, listig oder aufmerksam wirkenden Hunden stehen, die in "in eine falsche Richtung blicken, was Hunde manchmal tun".Und sie schauen in die Leere.Blickten sie über eine vollen Platz, wäre es "wohl eine bessere Lösung", von der die Architekten aber auch nicht so völlig überzeugt sind.Sie überlegten zwar, daß sich der Palast der Republik vervielfacht über den gesamten Platz ausdehnen könnte, was dann allerdings der Idee vom Platz ohne Dach widerspricht.Und dann hätte ja auch der Hundeplatz mit den Vierbeinern auf den Säulen keine richtige Chance mehr.

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