Immobilien : Berlins heimliche Gärten

Playboy Rolf Eden hat es getan und viele andere Hauseigentümer auch: Pflanzen auf Dächern sind nur schön. Sie rechnen sich auch

Rita Gudermann

Gärten gibt es in Berlin, die kennt nur der Schornsteinfeger. Vom schlichten grünen Teppich über den duftenden Kräutergarten bis hin zur üppigen Gartenoase reicht das Spektrum der Gärten auf den Dächern von Berlin. Der Garten- und Landschaftsbauer Rainer Gebel, der unter anderem das Dach des Appartementhauses von Playboy Rolf Eden begrünt hat, unterscheidet zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung. „Die extensive Begrünung ist nur zum Anschauen gedacht, dafür aber pflegeleicht."

Auf einer fünf bis 12 Zentimeter hohen Schicht Substrat wachsen Mauerpfeffer und Donnerwurz, Schnittlauch und Kartäusernelken – anspruchslose Überlebenskünstler, die den Sommer über jedoch hübsch blühen. Ein solcher grüner Teppich bringt bis zu 50 Kilo Gewicht je Quadratmeter auf die Waage. Die Kosten sind moderat: etwa 50 Euro pro Quadratmeter. Bei mächtigeren Substraten können auch Lavendel, Thymian und Salbei oder gar Gehölze wie Felsenbirne und Scheinquitte, Ginster und Kriechwacholder angepflanzt werden.

Das richtige Gartenfeeling aber kommt erst mit der intensiven Begrünung auf, bei der richtige Erde verwandt wird. „Das ist aber so arbeitsintensiv wie ein richtiger Garten“, warnt Gebel. Bei Gewichten von bis zu 500 Kilo pro Quadratmeter sind spezielle Dachkonstruktionen notwendig. Kostenpunkt: ab 60 Euro je Quadratmeter.

Damit es dem Besitzer eines Dachgartens nicht zu windig wird, ist eine Glaswand von einem Meter Höhe als Windschutz erforderlich. Die Behörden verlangen natürlich, dass das Dach unter der Last nicht zusammenbricht und die Substanz des Hauses nicht geschädigt wird. Wichtig ist ferner, dass keine Staunässe entsteht und die Wurzeln nicht durch die Dachhaut dringen können. Nach 15 Jahren hat sich ein Gründach amortisiert, weil es Heizkosten spart. Auch die Instandhaltungskosten sind geringer: Bei einem gewöhnlichen Flachdach treten erste Reparaturen schon nach sieben bis zehn Jahren auf. Ein Gründach hält dagegen etwa 50 Jahre. Einige werden sogar bis zu 100 Jahre alt.

Auch wenn man es ihnen nicht ansieht, sind die heutigen Dachaufbauten Hightech-Lösungen, bestehend aus verschiedenen Schutz- und Drainageschichten und Entwässerungssystemen. Die Pflanzsubstrate müssen zum einen leicht sein, zum andern darf das Wasser bei Trockenheit nicht abperlen. Mittlerweile hat man ein Material gefunden, das in der Stadt nahezu überall anfällt: gereinigte und zerkleinerte Ziegelsteine, die, versetzt mit einer Kompostschicht, ein optimales Substrat für die Pflanzen darstellen. Eine gute Basis ist lebensnotwendig, denn Wind und Sonne, Regen und Schnee setzen den Pflanzen mächtig zu. Besonders bei der extensiven Dachbegrünung müssen sie absolute Trockenheit aushalten können. Bis sich eine stabile Lebensgemeinschaft auf dem Dach etabliert hat, vergeht etwa ein Jahr. Danach müssen ein Mal im Jahr die Gehölze entfernt werden, deren Samen der Wind herbeigetragen hat – sonst wachsen Pappeln und Birken auf dem Dach.

Noch sind viele Dächer in Berlin Wüsten. Dabei bringt die Begrünung positive Effekte mit sich – ökologisch wie ökonomisch. Pflanzen schützen die Dachhaut, die sonst extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Zum anderen bewirkt der grüne Pelz eine bessere Dämmung: Begrünte Häuser sind im Sommer kühler, im Winter wärmer. Gründächer verbessern das Mikroklima und binden Abgase und Staub.

Wer ein bereits existierendes Flachdach begrünen lassen will, sollte die Konstruktion von einem Statiker überprüfen lassen. Liegt bereits Kies auf dem Dach, dann ist die Sache einfach. Er lässt sich zumeist problemlos durch das Substrat für die extensive Begrünung ersetzen. Aber auch Steildächer lassen sich mit Hilfe eines Spezialisten begrünen.

Wer will, kann es erst einmal mit einem Gründach auf dem Carport oder der Garage versuchen. Hierfür gibt es bereits fertige ,Garagen-Pakete’ zu kaufen, die mit Wurzelschutzfolie, Schutzvlies, Substrat und Pflanzen alles enthalten, was zur Begrünung von etwa 20 Quadratmetern erforderlich ist.

Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) bietet Informationen für Kommunen, Planer und private Bauherren, Telefon: (07152)353003. Infos zu Fördermitteln: www.kfw.de, Telefon (01801)335577.

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