Beton : Mauern mit Durchblick

Neue Baustoffe können die Wärmedämmung verbessern und vereinfachen. Und Beton wird durchsichtig.

Stephanie Hoenig (dpa)
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Wird Beton mit Glasfaser kombiniert, werden Konturen und Farben auf der anderen Seite sichtbar. -Foto: Luccon

Ein Stein ist ein Stein – sollte man zumindest meinen. Aber Bauherren können in Zukunft auf neue Baustoffe setzen, die den Heizenergieverbrauch eines Hauses erheblich senken helfen. Denn um Energie einzusparen, braucht ein Haus künftig nicht mehr extradicke und kompliziert aufgebaute Wände. Einige Baustoffhersteller bieten mittlerweile Bausteine an, mit denen gut wärmeisolierte Mauern einschalig ohne zusätzliche Dämmschichten errichtet werden können. Das bietet Kostenvorteile nicht nur durch die Isolierung: Einschalige, sogenannte monolithische Wände lassen sich günstig herstellen. Und durch die dünnere Konstruktion der Wände bleibt außerdem mehr Wohnfläche.

Großes Augenmerk legen die Mauerwerkshersteller auf Baustoffe, die möglichst wenig Energie von innen nach außen leiten. Fachleute sprechen hier von der Wärmeleitfähigkeit eines Baustoffes, die mit Lambda bezeichnet und in Watt pro Meter mal Kelvin (W/mK) gemessen wird. Je kleiner der Lambda-Wert eines Baustoffes ist, desto weniger leitet er die Wärme nach außen. Oder vereinfacht gesagt: Er ist besser gedämmt.

Um einschalig zu bauen, hat zum Beispiel der Firmenverbund „Mein Ziegelhaus“ in diesem Jahr einen neuen Ziegel vorgestellt. Die sonst bei Tonziegeln üblichen Hohlräume sind hier nicht mit Luft, sondern mit Steinwolle gefüllt. „Der Thermoplan MZ8 hat eine Wärmeleitzahl von Lambda 0,08 W/mK“, erklärt Geschäftsführer Hans Peters. So genannte Kfw-40-Häuser, deren Energieverbrauch unter 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegt, und sogar Nullenergiehäuser ließen sich damit ohne zusätzliche Wärmeverbundsysteme verwirklichen.

Ebenfalls einen Wärmedämmwert von Lambda 0,08 W/mK hat der Poroton-T 8 von Wienerberger in Hannover, das Schwesterprodukt T9 schafft namensgetreu 0,9. Mit ihnen lassen sich nach Angaben des Herstellers Passivhäuser in einschaliger Massivbauweise herstellen. Erreicht wird die gute Wärmedämmung dieses Ziegels durch eine Füllung der Hohlkammern des Ziegels mit Perlit, einem mineralischen Granulatgestein, das für zusätzliche Dämmung sorgt. Passivhäuser mit einschaligem Mauerwerk in vertretbaren Wanddicken lassen sich auch mit dem Ytong-Planstein P2 bauen. „Der Vorteil dieser Weiterentwicklung ist, dass mit der Verbesserung der Wärmedämmfähigkeit nicht gleichzeitig eine Verringerung der Druckfestigkeit verbunden ist“, berichtet Hans-Peter Ahle vom Hersteller Xella in Duisburg. Der Porenbetonstein hat ebenfalls eine Wärmeleitfähigkeit von Lambda 0,08 W/mK.

„Um einen hervorragenden Wärmeschutz der Kalksandstein-Konstruktionen zu erreichen, kann in Zukunft eine schlanke Kalksandsteinwand mit neu entwickelten Vakuum-Isolationspaneelen (VIP) kombiniert werden“, sagt Bernd Niebuhr, ein Sprecher der Kalksandsteinindustrie. Diese bis zu vier Zentimeter dicken Dämmelemente zeichneten sich durch eine etwa fünf- bis zehnfach höhere Dämmwirkung im Vergleich zu derzeit gängigen Dämmstoffen aus, wirbt er für sein Produkt. „Eine weitere Möglichkeit, Heizkosten bis zu 25 Prozent einzusparen, bietet in Zukunft auch der KS-Quadro-Aquatherm“, nennt Niebuhr eine weitere Neuentwicklung. Bei der Innovation für Außenwände wird die Wand temperiert: Heizungsrohre werden in vorgefertigte senkrechte Wandkanäle installiert. Warmes Heizungswasser in diesen Rohren sorgt im Winter für eine gleichmäßige Erwärmung der Wand.

Im Sommer kann zur Kühlung der Räume kaltes Wasser in das Leitungssystem geleitet werden. Eine andere Lösung, die bei Sommerhitze ohne Klimaanlage die Wohnungen kühlt, hat BASF in Form kleiner Wachskügelchen entwickelt. „Die sogenannten Latentwärmespeicher wirken im Prinzip wie der Eiswürfel in einem Drink“, sagt Sprecher Tim Förschler: Bis das gesamte Eis geschmolzen ist, wird das Getränk bei null Grad gehalten. Genauso sei dies bei den Latentwärmespeichern, so Förschler. Nur dass deren Wachs bei 26 Grad Celsius flüssig werde. Bis alles geschmolzen ist, könnten die Kügelchen die Temperatur eines Gebäudes also auf diesen Wert stabilisieren. Bei extrem heißen Wetter verzögerten die Kügelchen immerhin noch das Ansteigen der Temperatur. Nachts, wenn die Umgebungstemperaturen wieder fallen, werde die gebundene Wärme beim Erstarren des Wachses frei – und der Wärmespeicher sei bereit für einen neuen Sommertag. Die Wachskügelchen können Gips- oder Zementmörtel beigemischt werden. Aber auch Gipsplatten lassen sich mit den winzigen Kugeln ausstatten.

Die innovativen Baustoffe können aber nicht nur Energie sparen, sondern auch neue Perspektiven in Architektur und Lichtplanung eröffnen. Eine besondere Atmosphäre ermöglichen beispielsweise Wände aus Beton, die Licht durchlassen. „Bei dem neuen Material mit dem Namen Luccon wird Beton mit Glasfasern durchmischt“, erläutert Michael Buchmann von der Beton Marketing Deutschland. Die Fasern leiten das Licht durch die Betonwand – so dass auf der anderen Seite Schatten von Menschen und Gegenständen und sogar Farben zu sehen sind.

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