Bewerbung um eine Mietwohnung : Selbstauskunft: Was Vermieter alles wissen dürfen

Beim Einkommen müssen Mieter die Karten auf den Tisch legen. Doch manch andere Frage ist tabu.

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Bisher stimmt alles, doch jetzt kommt die heikle Frage: Wie steht es mit dem Geld? In Deutschland wird das Einkommen stets wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Maik und Sarah H. und ihre kleine Tochter Anissa hatten auf die Vermieter einen guten Eindruck gemacht. Auch beim Thema „kein Kinderwagen im Hausflur“ ist man einer Meinung. Doch kann sich die junge Familie die nicht gerade billige Vierzimmerwohnung in Wilmersdorf auch leisten?

Es hilft nichts: Mieter müssen die Karten auf den Tisch legen und dem potenziellen Vermieter eine so genannte Selbstauskunft erteilen. Der Deutsche Mieterbund rät, das Ganze sachlich und offen anzugehen. „Man muss respektieren, dass Vermieter eben ökonomische Ziele verfolgen. Die Miete muss kommen“, sagt Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz. Er schlägt vor, gleich mit allen wichtigen Unterlagen zur Vorstellung beim Vermieter zu kommen: einer ausgefüllten Selbstauskunft, einer Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers oder – bei Selbständigen – dem letzten Steuerbescheid.

Den Vordruck zur Selbstauskunft kann sich jeder über den Deutschen Mieterbund besorgen, zum Beispiel im Internet unter www.mieterbund.de. Die Formulare der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund sind weitgehend identisch (www.hausundgrund.de). Beide Vordrucke beschränken sich auf zulässige Fragen, die der Interessent auch wahrheitsgemäß beantworten muss. Stimmt hier etwas nicht, kann der Vermieter den Vertrag später anfechten und für nichtig erklären lassen.

Anders steht es bei Fragen, die Gesetzgeber und Gerichte als unzulässig abgestempelt haben. Sind Sie schwanger? Wollen Sie viele Kinder? Das geht Vermieter nichts an. Auch die Fragen, ob ein Ehepartner Ausländer ist, ob man häufig Gäste hat, ob es Vorstrafen gibt oder wie die Wohnung eingerichtet werden soll, zählen nicht. Mieter dürfen lügen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Will der Vermieter Auskunft bei einer Kreditschutzorganisation einholen, muss der Bewerber zustimmen. Ulrich Ropertz rät auch hier zur Offensive: Man sollte von sich aus eine Selbstauskunft zur Weitergabe an Dritte abrufen und vorlegen. „Dann sieht man gleich, was der Vermieter zu lesen bekommt.“

Unter den deutschen Auskunfteien ist für den Mieterbund – nach einem Vergleich durch „Finanztest“ im vergangenen Jahr – die Schufa erste Wahl. Die dort erteilte Bonitätsbescheinigung besteht aus zwei Teilen, erklärt Andreas Lehmann von der Schufa. Teil 1 enthält alle Angaben über bestehende oder frühere Kredite – und ist nur für den Betroffenen bestimmt. Teil 2 umfasst die eigentliche Bonitätsauskunft und kann dem Wohnungseigentümer vorgelegt werden. Die Originale der Schufa werden auf Papier mit Wasserzeichen ausgedruckt, sind also weitgehend fälschungssicher.

Nach dem jüngst novellierten Bundesdatenschutzgesetz ist eine Auskunft in Textform pro Jahr zwar prinzipiell kostenfrei. Für die „Selbstauskunft zur Weitergabe an Dritte“, um die es in Mietfragen geht, kann die Auskunftei aber ein angemessenes Entgelt verlangen, da die Informationen wirtschaftlichen Zwecken dienen. Die Schufa berechnet 18,50 Euro für eine Bonitätsauskunft zu eigenen Händen (formloser Antrag: Schufa-Verbraucherservicezentrum, Postfach 10 21 66, 44721 Bochum oder online unter www.meineschufa.de).

Während für gewerbliche Vermieter in der Regel die Bonität zählt, entscheide bei Privatleuten „auch der Bauch mit“, sagt Ulrich Ropertz. Doch auch sie haben meist feste Vorstellungen, wer in die sensible Gemeinschaft ihres Mietshauses passt – und ein paar Tricks auf Lager, um dicke Luft zu vermeiden. So wird wohl jeder auf die Frage „Rauchen Sie?“ mit einem entschiedenen „Nein“ antworten. Doch der geschickte Vermieter bietet vielleicht im Laufe des Gesprächs ganz beiläufig eine Zigarette an. Und auch wenn Fragen zu Schwangerschaft und Kinderwunsch tabu sind: Wer ist schon gewappnet, wenn der Vermieter die süßen Bilder seiner Enkel hervorzaubert? Dann sprudelt oft die Wahrheit. Ein Trick, der auch bestens mit Haustieren funktioniert.

Bewerbern mangelt es aber ebenfalls nicht an Einfallsreichtum. Wer sich im Vermietungsgespräch zum Beispiel nach der örtlichen Kirchengemeinde erkundigt, untermauert seinen Ruf als grundsolider Gutmensch. Und eine dezent zur Sprache gebrachte Vorliebe für klassische Musik dürfte meist besser ankommen als das zerlöcherte AC/DC-Shirt. Komplett verbiegen sollte sich allerdings niemand – denn dann geht der Ärger spätestens mit dem Einzug los. Und wer weiß: Vielleicht schlummert ja hinter der seriösen Fassade des Vermieters auch ein eingefleischter Heavy-Metal-Fan.

INFOS ZU INSOLVENZEN:

Vermieter können auch erfahren, ob angehende Mieter vielleicht sogar in einem Insolvenzverfahren stecken. Die Insolvenzregister, die auch Privatinsolvenzen erfassen, sind öffentlich zugänglich. Seit 2004 sind die Daten aus Berlin und Brandenburg auch online unter www.insolvenzbekanntmachungen.de abrufbar.

Die Datenbank steht unter der Regie des Düsseldorfer Justizministeriums und umfasst die Konkursdaten aller 16 Bundesländer. Weitergehende Auskünfte werden nur durch die zuständigen Insolvenzgerichte erteilt – und auch nur an einen Personenkreis, der ein berechtigtes Interesse daran nachweisen kann. kdv

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