Immobilien : Bis unters Dach mit Technik aufgefüllt

Sie sind preiswert und von außen unscheinbar. Doch diese Doppelhäuser bestechen durch innere Werte: Vollautomatische Haus- und Küchentechnik, ausgefeilte Wärmekreisläufe und ein „Zentralstaubsauger“

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Von Hans Pfeifer

Rund 1000 Eigenheime hat die NCC Deutschland GmbH in den letzten Jahren in Berlin und Brandenburg gebaut. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine Tochter der Nordic Construction Company mit Sitz in Solna bei Stockholm. Die Schweden haben mit der NCC einen der größten skandinavischen Bau- und Immobilienkonzerne aufgebaut. Und: Immobilienkrise hin, Überangebot an Wohnungen her - die NCC baut in der Hauptstadtregion unverdrossen weiter.

Derzeit baut die NCC in und um Berlin an nicht weniger als 20 Standorten: Darunter den „Sonnengarten“ in Glienicke, den „Heidgarten“ in Eichstädt, die „Falkenaue“ in Falkensee, den „Erlengrund“ in Kleinmachnow, den „Alt Glienicker Kiez“ in Alt-Glienicke, den „Karolinenhof“ in Köpenick-Treptow sowie das „Bergmannsglück“ in Rüdersdorf. Dort entstehen Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie kleine Siedlungen.

Einer der interessantesten Wohnanlage der Schweden ist wohl der „Brodersen-Garten“ in Biesdorf. Dort sollen bis 2003 in mehreren Bauabschnitten 129 Reihenhäuser in Niedrigenergiebauweise entstehen. NCC investiert in den Standort rund 22 Millionen Euro. Und in dieser Lage stößt das Angebot offenbar immer noch auf Nachfrage: 60 von 70 Häusern des ersten Bauabschnitts sind nach Angaben des Konzerns bereits verkauft. Bei dem erst im August begonnenen zweiten Bauabschnitt fanden schon zehn Immobilien einen neuen Eigentümer.

Häuser mit Gleisanschluss

Die Gartenstadtanlage liegt zwischen der Bundesstraße B 1/B 5 sowie dem Fluss Wuhle in einer ruhigen Lage mitten im Grünen. Durchgangsverkehr gibt es keinen. Über die Bundesstraße erreicht der Bewohner rasch die Innenstadt. Außerdem ist das Areal über die S- und U-Bahnstation Wuhletal beziehungsweise den U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz an das Netz des Öffentlichen Personennahverkehr angebunden.

Die Doppel- und Reihenhäuser errichteten die Schweden in Massivbauweise. Von außen sind sie ganz und gar unspektakulär. Im Innern bieten sie großzügige und klare Grundrisse. Den NCC-Klassiker vom Typ „Butterblume“ mit 102 Quadratmetern Wohnfläche gibt es inklusive Grundstück ab 153000 Euro. Mit dem Haustyp „Löwenzahn“ ist NCC ein echtes Familienhaus gelungen. „Löwenzahn bietet endlich das, was viele in Berlin vergeblich gesucht haben: den idealen Wohnraum für die größere Familie”, wirbt Projektleiter Dirk Nitsche. Auf 136 Quadratmetern in zwei Ebenen erhalten Käufer viel Fläche. Und diese können die Bewohner nach individuellen Vorstellungen aufteilen: vier große oder sechs kleinere Zimmer.

Auf der Höhe der Zeit sind die Schweden bei der Haustechnik. Jedes Eigenheim verfügt über eine Instabus-Grundverkabelung. Mit diesem Leitungsnetz, das parallel zur Stromversorgung verläuft, können die Bewohner die elektrischen Geräte in dem Haushalt zu einem Funktionskreis zusammenschließen. Dann kommunizieren die Geräte unmittelbar miteinander.

Wie von Geisterhand gesteuert

Beispiel Jalousien: Ein Sensor misst die Stärke der Sonneneinstrahlung sowie die Temperatur im Raum und fährt den Sonnenschutz hoch oder herunter. Über den Datenbus gelangen die Informationen des Sensors auch zum Wärmekreislauf. Die Heizung lenkt dann mehr oder weniger Energie in die Räume. Außerdem in das Bussystem integriert: die Fenster, die sich, wie von Geisterhand gesteuert, öffnen und schließen, sowie Alarm und Sicherheitstechnik. Die vielen Hausfunktionen kann der Bewohner einzeln steuern und überwachen oder das Ganze einem automatischen Modus überlassen.

Um die Käufer für die Hochtechnologie im Eigenheim zu erwärmen, hat NCC in der Brodersen-Gärten ein Musterhaus errichtet und nannte es „i-Plus-Haus“. Das zeigt alles, was technisch sinnvoll und ausgereift ist, doch zugleich für die Nutzer leicht zu steuern und auch noch bezahlbar bleibt. Die Elektronik dient dabei nicht nur dem Komfort, sondern senkt auch die Betriebskosten.

Zumal für die Heizung und die Klimatisierung der Häuser eine Kombination aus Solarkollektoren, Photovoltaikanlage sowie Holzpellet-Öfen zum Einsatz kommen. Und die Außenluft lenkt ein ausgeklügeltes System über Wärmepumpen, die sie im Sommer gekühlt und im Winter erwärmt. Das funktioniert so: Die im Garten angesaugte Frischluft wird über eine im Erdreich rund um das Haus verlegte Rohrschlange geleitet und an einem „Wärmetauscher“ vorbeigeführt, der im Winter beispielsweise die Temperatur der Abluft aus Bad und Küche zur Erwärmung der Außenluft nutzt. Mit diesem Be- und Entlüftungssystem begegnet NCC außerdem der bei Niedrigenergiehäusern typischen Gefahr der Schimmelbildung: Da die Bauten luftdicht gedämmt sind, muss die Feuchtigkeit künstlich abgeführt werden.

Technisch in der vordersten Reihe steht der skandinavischer Bauträger auch mit seinem „Zentralstaubsauger“. Jedes Zimmer ist mit einer Art Steckdose ausgerüstet, in den der Hausmann oder seine Frau nur noch den Saugschlauch einstöpseln muss. Ein zentrales Sauggerät befindet sich im Hausanschlussraum. Dort wird die staubige Luft gefiltert, bevor sie ins Freie gelangt.

Schließlich bietet das i-Plus-Haus eine intelligente Dienstleistung. Die Küche ist mit einer Warenschleuse ausgestattet. Lieferanten, ob von Super- oder Getränkemarkt oder von der Tiefkühlkostfirma, können die Waren dort auch dann sicher abstellen, wenn der Bewohner gar nicht zugegen ist. Dies gilt auch für Paket- und Kurrierdienste.

„Das i-Plus-Haus ist als Anregung gedacht“, sagt Johan Hedin, bei NCC zuständig für Forschung und Entwicklung. Durch die Installation des Instabusses habe jeder Käufer die Möglichkeit, sein Haus elektronisch aufzurüsten. Machbar sei vieles, allein der Geldbeutel entscheide darüber, was sich Käufer leisten können.

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