Immobilien : Blaue Pracht in vielen Varianten

Die intensive Blütenfarbe der Ehrenpreis-Arten leuchtet auch an trockenen Plätzen

Tassilo Wengel

Leuchtend blaue Blüten kommen bei Zierpflanzen nicht sehr häufig vor. Da ist der Ehrenpreis (Veronica), der je nach Art und Sorte zwischen Mai und September blüht, eine willkommene Bereicherung im Garten. Schon Karl Foerster schätzte ihn und hob vor allem seine Fähigkeit hervor, „die blaue Farbe auch an trockene Plätze zu tragen“.

Die Gattung Veronica gehört zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae), die früher mit dem weniger wohl klingenden Namen Rachenblütler bezeichnet wurden. Es gibt unter den etwa 1000 Arten ein- und mehrjährige in unterschiedlichen Größen und Wuchsformen. Manche Arten bilden niedrige Polster, andere können fast mannshoch werden und mit prachtvollen Blütenkerzen die Blicke auf sich lenken.

Eine der schönsten und robustesten Arten ist der Niederliegende Ehrenpreis (Veronica prostrata), auch Maiteppich-Veronica genannt. Wie der Name schon sagt, bildet diese Art dichte, nieder liegende Teppiche, über denen im Mai bis 20 Zentimeter hohe Blütenstände erscheinen. Die recht großen Blüten sind in einer Traube vereinigt und variieren in blauen Tönen. Neben dieser Art gibt es einige hübsche Sorten mit anderen Blütenfarben. Empfehlenswert sind ‚Alba‘ (weiß), ‚Mrs. Holt‘ (rosa) und ‚Pallida‘ (lavendelfarben). Zu verwenden ist der Niederliegende Ehrenpreis vor allem im Steingarten, wo er mit Teppichphlox, Sand-Thymian oder Silber-Garbe gut zur Geltung kommt.

Auch der Steppen-Ehrenpreis (Veronica spicata) ist eine heimische Art, die auf kargen Grasfluren und Heiden von Mitteleuropa bis zu den osteuropäischen Steppengebieten zu Hause ist. Man nennt ihn auch Ährigen Ehrenpreis, denn seine dunkelblauen Blütenähren erheben sich im Mai und Juni bis 40 Zentimeter hoch wie Kerzen über dem dunkelgrünen Laub. Neben der Art sind in den Gärten viele Sorten vorhanden, deren Farbenpalette außer mit blauen auch mit weißen, rosafarbenen und roten Blüten aufwarten kann. Diese Art lässt sich im Steingarten ebenso verwenden wie auf sonnigen Rabatten mit durchlässigen Böden. Sehr wirkungsvoll ist er inmitten flacher Stauden, zu denen Heidenelken und Wollziest gehören.

Die Widerstandsfähigkeit dieser Art gegen Sonne und Trockenheit findet bei einigen Sorten und Unterarten in der silbrigen Behaarung deutlichen Ausdruck. Besonders schön ist die Behaarung beim Silberteppich-Ehrenpreis (Veronica spicata ssp. incana) ausgeprägt. Wegen dieser silbernen Polster schätzt man diese Pflanze vor allem als Bodendecker, aber auch als Blütenstaude. Von Juni bis Juli erheben sich über dem silbrigen Laub dunkelblaue Blütenkerzen, die 25 bis 30 Zentimeter Höhe erreichen. Besonders ideal ist die Verwendung dieser Pflanze im Heidegarten, wo sie in Gemeinschaft mit gelb blühenden Nachtkerzen, Habichtskraut oder Alant sehr wirkungsvoll ist.

Der Gamander-Ehrenpreis (Veronica teucrium), auch Büschel-Veronica genannt, ist von Europa bis Asien verbreitet. Er wächst buschig, gewinnt aber durch leicht kriechende Wurzeln schnell an Breite. Er bildet von Mai bis Juni an etwa 40 Zentimeter hohen Stängeln himmel- bis azurblaue Blüten, die in büscheligen Trauben vereint sind. Von dieser Art gibt es mehrere attraktive blaue Sorten, deren Blütezeit sich von Mai bis Juli erstreckt. Die Art eignet sich besonders gut für nach Süden geneigte Hänge oder Pflanzstreifen mit gut durchlässigen, lehmigen Böden, die im Sommer austrocknen. Als Begleitpflanzen hierzu können Sonnenröschen, Kriechende Fingerkräuter gepflanzt werden. Auch höhere Arten wie Kuhschellen, Herbstsedum oder Staudenlein sind geeignete Nachbarn.

Während alle bisher genannten Veronica-Arten recht resistent gegen Trockenheit sind und volle Sonne sowie einen durchlässigen, mageren Boden wünschen, stellt die Kerzen-Veronica (Veronica longifolia) andere Ansprüche. Sie besiedelt im Gegensatz zu vielen anderen Arten vor allem feuchte Standorte. Empfehlenswerte Sorten sind ,Alba‘ (weiß), ,Baccarole‘ (dunkelrosa), ,Blaufuchs‘ (enzianblau), ,Heidekind‘ (weinrot).

Aus der umfangreichen Ehrenpreis-Gattung gehört sie zu den begehrten höheren Stauden, die sich vor allem für sonnige Rabatten mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit eignen. Die Pflanze bildet kräftige Büsche mit am Grunde verholzenden Stängeln, die – von Mai bis Juni mit lavendelblauen Blüten besetzt – bis einen Meter Höhe erreichen können.

Im Garten wird weniger die Art angepflanzt, sondern man verwendet vor allem Sorten. Sie entfalten ihre Blüten von Juni bis September und bieten eine reiche Palette verschiedener Blautöne. Zur Verfügung stehen auch weiße und rosafarbene Sorten. Als Standard-Sorten gelten ‚Blauriesin‘ (blau, 70 Zentimeter hoch) und ‚Schneeriesi‘ (weiß, 80 Zentimeter hoch). Alle sind ideale Partner für höhere Beetstauden wie Goldgarbe, Indianernessel, Flammenblume, Sonnenhut ,Goldsturm‘ und Schleierkraut.

Der Ehrenpreis lässt sich durch Teilung der Pflanzen nach der Blüte vermehren. Auch eine Vermehrung durch Stecklinge ist möglich. Sie erfolgt ebenfalls nach der Blüte. Man schneidet die Triebe in Teilstücke unter dem Blattknoten und steckt sie in eine Mischung aus Sand und Torfmull. Sorgt man für eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit und eine gespannte Luft durch Bedecken mit Folie, erscheinen bald die Wurzeln.

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