Immobilien : Blüten wie ein Karussell

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Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Naturgemäß bietet auch im Spätsommer besonders das Freiland eine vielfältige Blütenpracht. Doch auch in den Gewächshäusern wissen die Pflanzen vom üppigen Licht zu profitieren. So zeigt der Westindische Efeu (Marcgravia umbellata) gerade eine ungewöhnlich große Zahl von Blüten. Unser Exemplar ist etwa ein halbes Jahrhundert alt.

Der Westindische Efeu ist für Besucher nicht leicht zu finden. Als Pflanze der Tieflandregenwälder Lateirikas steht sie im Großen Tropenhaus im westlichen Teil; vom Haupteingang aus links. Dort wächst sie in dem erhöhten Randbeet ganz links – am ersten Eingang zum kleinen Annex. In der Natur klettert der Efeu bis in die Spitzen von Baumkronen, deshalb dient bei uns ein Baumstamm als Kletterhilfe. Weil dieser Stamm jedoch morsch war und ersetzt werden musste, wurde der Westindische Efeu sogleich kräftig zurückgeschnitten. Darauf hat er nun mit einer besonders üppigen Blütenbildung reagiert.

Die Blütenstände sitzen am Ende herunterhängender Zweige und haben eine recht ungewöhnliche Form. Die circa zwei Zentimeter langen Blütenstiele tragen je eine Blütenknospe und bilden einen waagerecht abstehenden Kranz. Alle Knospen sind nach unten gerichtet. Vom Mittelpunkt des Kranzes hängt ein kleines Bündel flaschenförmiger, ebenfalls etwa zwei Zentimeter langer Strukturen herab. Das Ganze erinnert an einen Fallschirm oder ein Karussell.

Diese eigenartige Blütenstandsstruktur hat schon früh die Aufmerksamkeit der Botaniker geweckt: vielleicht auch schon die von Georg Marcgrave (1610-1644), einem der ersten Deutschen der Brasilien bereiste, um das Land naturhistorisch zu erforschen. Ihm zur Ehren nannte Linnaeus die Pflanzengattung Marcgravia. Auch Willdenow kannte die Pflanze schon 1804 und hat wohl die Idee gehabt, die Pflanze als Efeu zu bezeichnen.

Die flaschenförmigen Strukturen enthalten Nektar und dienen dazu, bestäubende Tiere anzulocken. Bei manche Arten der Gattung sind sie rot gefärbt, eine Farbe die besonders attraktiv ist für Kolibris. Das hat zur Annahme geführt dass es sich um eine Anpassung an eine Bestäubung durch Kolibris handelt. Für die Pflanze in unserem Gewächshaus kann dies aber kaum zutreffen, weil ihre Blüten grün und unauffällig sind. Möglicherweise wird sie in der Natur durch Fledermäuse bestäubt. Auch Selbstbestäubung ist nicht auszuschließen. Denn diese Art stammt von den Kleinen Antillen. Dort wächst sie auf teilweise recht kleinen und isolierten Inseln, wo der geeignete Bestäuber nicht immer vorhanden sein dürfte.

Die Blüten an unserer Pflanze sehen eigentlich fast immer unverändert aus. Eine deutliche, farblich abgesetzte Krone entwickelt sich nicht, aber kurzzeitig sind Staubbeutel zu sehen. Später fallen die flaschenförmigen Nektarbehälter ab, die Knospen schwellen etwas an und entwickeln im Inneren zahlreiche winzige Samenanlagen. Richtig reif werden die Früchte bei uns nicht. Dazu ist offenbar wohl ein natürliches tropisches Klima notwendig.

Mehr Information und Wissenswertes über die Bestäubung von Marcgravia und anderen Pflanzen wird ab November in einer Sonderausstellung im Botanischen Museum gezeigt. Harrie Sipman

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