Immobilien : Blütenzauber unter andalusischer Sonne

Cordoba und Sevilla bieten faszinierende Gärten. Der Stolz der Cordobeser sind ihre privaten Innenhöfe. Im Mai kann man sie besichtigen

Waltraud Hennig-Krebs

Es ist das unvergleichliche andalusische Licht, das die Farben des wild wachsenden Oleanders links und rechts der Autobahn von Granada nach Cordoba so intensiv rosarot leuchten lässt. In Reih und Glied, eingerahmt von sanften Hügeln, stehen silbergrau schimmernde Ölbäume so weit das Auge blicken kann. Sonnenblumenfelder und Ginster säumen die Landstraße. In der Ferne ein Kastell, umgeben vom einzigartigen Blau des Himmels. Stille und Hitze liegen über der Stadt Cordoba. Was liegt da näher, als die Altstadt – Weltkulturerbe der Unesco – mit ihren Schatten spendenden Gärten und malerischen Innenhöfen (Patios) aufzusuchen.

Nur von einer Straße getrennt, steht am Rio Guadalquivir ein wohl einzigartiges Bauwerk: die Mezquita, ein aus maurischer Zeit stammender gewaltiger Moscheekomplex, der im Inneren von atemberaubender Schönheit ist. Im Jahr 785 wurde mit dem Bau begonnen und im Laufe von zwei Jahrhunderten immer wieder erweitert. Mit dem Ende der islamischen Herrschaft und dem Beginn der Regentschaft durch die christlichen Könige wurde auch die Moschee verändert. Mitten ins Zentrum des muselmanischen Tempels wurde im Jahre 1523 ein barocker Altarraum gebaut.

Ein Patio voller Orangenbäume

Zeitgleich mit dem Baubeginn der Moschee wurde der Patio de los Naranjos, der Orangenhof, angelegt. Hier fanden die rituellen Waschungen statt. Den Innenhof mit seinem Reinigungsbrunnen zieren hauptsächlich Orangenbäume. Zur Blütezeit strömen sie ihren zarten Duft aus. Es gibt aber auch Palmen, Pinien und Olivenbäume, darunter ist ein uraltes Exemplar. Drei Jahrhunderte soll es bereits allen Widrigkeiten standgehalten haben. Mittlerweile fehlt ihm – vom Blitz getroffen – die Krone. Doch er kämpft ums Überleben. Und tatsächlich: Am oberen Teil des Stammes treibt er neu aus und die Zweige zeigen gesunde kräftige Blätter.

Unweit dieses ungewöhnlichen Bauwerks laden die historischen Gärten, die zum Palast der Christlichen Könige (Alcazares de los Reyes Christianos) gehören, zu einem Bummel ein. Wirkungsvoll wurden die Wasserbecken, Zierbrunnen und Fontänen angelegt. In einem lang gestreckten Bassin schwimmen Blumeninseln und Seerosen. Die kräftigen, rot blühenden Rosensträucher stehen in einem schönen Kontrast zum Blaugrün des Wassers und den exakt geschnittenen Zypressen-, Myrten- und Buchsbaumhecken sowie den säulenförmigen Lebensbäumen. In sattem Gelb blühen die Akazien, und der Oleander leuchtet in Rot und Weiß. Die kleinen gelben Blüten des Retama-Strauchs verströmen einen betörenden Duft. Agaven, Salbei, Strelitzien, Duftnelken, Petunien und Rittersporn zieren die Anlage. Rosaviolett und weiß strahlen die kräftigen, kugeligen Blüten des Alliums. Die südliche Sonne lässt die Farben besonders intensiv erscheinen.

Wer die terrassenförmige Gartenanlage von unten aus betrachtet, dem fällt ein gut 40 Meter hoher, alles überragender Baum auf. Es ist ein etwa 80 Jahre alter prächtiger Eukalyptus. Bis ins Grundwasser des nahe gelegenen Rio Guadalquivir reichen die Wurzeln des Baumriesen. Seine leicht sichelförmig gebogenen Blätter zeigen ein sattes Grün. Die kleinen weißen Doldenblüten beginnen sich langsam zu entfalten und lassen die kommende Blütenpracht erahnen.

Sie ist in den Gassen der Altstadt schon allgegenwärtig. Denn eine Besonderheit Cordobas sind die liebevoll gestalteten Innenhöfe, besonders in der Calleja de las Flores, der Blumengasse. Während man an normalen Tagen meist nur einen Blick durch die schmiedeeisernen Gittertore der grell weiß gekalkten Häuser in den Innenhof werfen kann, sind in der zweiten Maihälfte, wenn das Festival de los Patios stattfindet, rund 50 private Innenhöfe für die Öffentlichkeit zugänglich.

Schier grenzenlos erscheint die Kreativität der Hauseigentümer. Farbige Blumentöpfe mit Hängegeranien, einzeln aufgehängt, zieren Hauswände. Einige Meter breite Kaskaden von Bougainvillea entfalten ihre Pracht an hohen Mauern. In den Höfen stehen kunterbunt Rosen, OIeander und kleine Palmen in Pflanzschalen neben Calla, Acanthus, Margeritenbüschen und Petunien. Im Kontrast dazu die eher ruhige Gestaltung: Orangenbäume, Lorbeer, Buchs und Pflanzen mit schmückenden Blättern in schönen Kübeln, umgeben von anmutigen Säulengängen. Für Kühle sorgen murmelnde Springbrunnen oder poetisch wirkende Fontänen.

Gartenarchitektonisch angelegt sind dagegen die zwölf Innenhöfe im Palacio de Viana, die jeweils ein anderes Erscheinungsbild bieten. Die Fußböden aus unterschiedlichen Materialien gestaltet, zeigen florale Muster oder strukturierte Mosaikornamente. Im Blickpunkt steht auch hier das harmonische Zusammenspiel zwischen Wasser und Bepflanzung. Zahlreiche große Pflanztöpfe mit Salbei stehen in Reih und Glied um ein lang gestrecktes Wasserbecken herum und wirken ein wenig streng. Im Gegensatz dazu gibt es eine geradezu üppige Vegetation in anderen Innenhöfen: Lorbeer, Lavendel, Myrten oder Buchsbaum als niedrige Hecke oder in Kugelform geschnitten. Rankende und kletternde Pflanzen, wie Blauregen, Efeu oder Bougainvillea. Rosen umschlingen Baumstämme oder zieren Gitter und Bögen. Dazwischen exotisch wirkende Palmen oder mit Bodendeckern umpflanzte Zitrusfrucht-Gehölze.

Wer sich einen Einblick in die Vegetation der südlichen Hemisphäre verschaffen möchte, sollte den Botanischen Garten von Cordoba besichtigen. Dort gedeihen im Freiland all die Pflanzen, die in unseren nördlichen Breiten nicht winterhart sind: Pinien, Zypressen, Dattelpalmen, Artischocken, Agaven und Kakteen.

Spiel mit Formen und Farben

Das gilt auch für den dekorativen Jacaranda, der ursprünglich aus Südamerika stammt. Offensichtlich bekommt ihm das trockene, andalusische Klima so gut, dass er ungehemmt seine violetten Blütenrispen an den Straßenrändern von Sevilla entfaltet.

Die Hauptstadt Andalusiens bietet neben der Fülle von eindrucksvollen Kunstdenkmälern auch wunderschöne historische Gärten. Sie gehören zu jedem Palast einfach dazu. Das beeindruckenste Beispiel ist die weitläufige Gartenanlage, der zum Reales Alcazares gehört, einer ursprünglichen Maurenfestung, die im Laufe der Jahrhunderte erweitert wurde.

Der Garten fasziniert nicht nur durch seine üppige Vegetation und die Blütenpracht, sondern durch das Spiel mit Formen und Farben der Pflanzen. Statuen, Springbrunnen, Wasserläufe und Grotten stehen im Einklang mit den Bäumen, Sträuchern, herrlichen Blumenrabatten und den dekorativen Kübelpflanzen. Da gibt es strenge geometrische Abschnitte mit gestutzten niedrigen Buchsbaumhecken, die um ein langes Wasserbecken mit Springbrunnen stehen. Die vorherrschende Farbe Grün wird nur durch die prallen Früchte der Orangenbäume unterbrochen, die in Reih und Glied seitlich das Areal begrenzen. Im Kontrast dazu die verspielte, farbenfrohe Variante. Hohe Palmen, deren lange Stämme von gelb blühenden Trompetenbäumen und roten Granatapfelblüten fast verdeckt werden. Dazu die etwas ungewöhnliche Unterpflanzung mit lilafarbenen Fleißigen Lieschen. Die Mischung aus islamischer Gartenkunst und Elementen der Renaissance lässt diesen Garten so einmalig erscheinen.

Infos: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 68, 10707 Berlin, Telefon 882 65 43, E-Mail: berlin@tourspain.es

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