Immobilien : „Blume des intelligenten Faulen“

So bezeichnete Karl Foerster die anspruchslose, aber dekorative Taglilie

Waltraud Hennig-Krebs,Tassilo Wengel

Zu den anpassungsfähigsten Stauden gehören die Taglilien (Hemerocallis). Sie gedeihen sowohl auf sauren als auch auf alkalischen Böden und entfalten ihre schönen Blüten noch in halbschattiger Lage. Wegen des geringen Pflegeaufwands soll Karl Foerster, der Potsdamer Staudenzüchter, sie als „Blume des intelligenten Faulen“ bezeichnet haben. Trotz aller Anspruchslosigkeit zeigen die Stauden eine besonders üppige Blütenpracht, wenn sie ausreichend mit Wasser versorgt werden. Exemplare, die eingewurzelt sind, überstehen auch Trockenphasen. Was ihnen allerdings nicht bekommt, ist der Besuch von Schnecken, denen die Stauden besonders gut schmecken. Es ist daher ratsam, die Pflanzen rechtzeitig mit einschlägigen Mitteln zu schützen.

Taglilien werden seit rund 4000 Jahren in China kultiviert. Um 1900 entstanden die ersten Züchtungen in Europa und Nordamerika. Mittlerweile gibt es rund 40 000 Sorten. Die im Winter einziehende Staude treibt ab April ein attraktives grasartiges Laub aus dem Wurzelstock aus, anschließend erscheinen die Blütenstängel. Frühe Sorten entfalten bereits am Mai ihre Blüten, die spätesten im September. Hauptblütezeit ist jedoch der Juli. Es gibt Sorten, die vier bis sechs Wochen blühen, obwohl jede einzelne Blüte nur einen Tag geöffnet ist. Das liegt an der Vielzahl der Stile und Knospen, die für „Nachschub“ sorgen. Die Farbpalette der Blüten reicht von fast Weiß, Gelb über Orange, Braun bis Rot und Violett. Dazu kommen Farbübergänge im Blütenblatt, anders farbige Augen, Ränder oder Streifen. Neben der traditionellen Trompetenform bereichern glocken- und sternförmige oder spinnenartige Blütenblätter das Sortiment, auch gefüllt blühende Sorten sind im Angebot. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Wuchshöhe der verschiedenen Züchtungen. Sie reicht von 20 bis zu 180 Zentimetern. In der Regel erreichen Taglilien im dritten Jahr nach der Pflanzung ihre sortentypischen Merkmale. Diese können allerdings je nach Standort variieren.

Auf die eindrucksvolle Schönheit der Taglilien weist auch der botanische Name für die Gattung hin. Er setzt sich aus dem griechischen Begriff hemera für Tag und kallos (Schönheit) zusammen. Trotz einer gewissen Ähnlichkeit der Blüten mit den Lilien gehören sie nicht zur Familie der Liliaceae, sondern bilden eine eigene Pflanzenfamilie, die der Hemerocallidaceae.

Als Hochburg für die Taglilien-Züchtung gelten die USA. Doch viele amerikanische Kultursorten, die vorwiegend aus tropischen Regionen stammen, vertragen unsere kühlen mitteleuropäischen Nächte nicht. Deutschen Züchtern, zu denen auch die Berliner Tomas und Christina Tamberg gehören, gelang es im Laufe der Jahre attraktive Sorten für unsere unberechenbaren Witterungsverhältnisse zu züchten. Ihr Ziel war es, dass die robusten Eigenschaften der Wildarten in den farbenprächtigen und formstabilen Gartenschönheiten wiederzufinden sind. Inzwischen wurden 40 Taglilien-Sorten der Tambergs registriert.

Groß sind die Verwendungsmöglichkeiten im Garten. Die hohen Sorten mit einer Wuchshöhe von circa 180 Zentimetern eignen sich besonders als Solitärpflanzen zwischen niedrigen Stauden oder im Rasen.

Als Partner eignen sich die robusten Bergenien (Bergenia crassifolia, B. cordifolia), die in England auch „Elefantenohren“ genannt werden. Sie sind zur Blütezeit der Taglilien vor allem durch ihre attraktiven Blätter dekorative Begleitpflanzen, denn ihre Blüten erscheinen bereits im April und Mai. Auch aromatisch duftende blühende Indianernesseln (Monarda-Hybr.) sind ideale Partner für Taglilien. Sie blühen von Juni bis September und sind vor allem in rosa und roten Farbtönen erhältlich. Als Pendant mit zarten Blättern dazu empfiehlt sich die Amstelraute (Thalictrum aquilegifolium), die von Mai bis Juli lilapurpurne fedrige Blüten auf straffen Stängeln entfaltet.

Zu Taglilien mit kräftigen Blütenfarben passt besonders gut das Kreuzkraut (Ligularia x hessei), eine attraktive Staude von 60 bis 160 Zentimetern Höhe. Sie blüht von August bis September mit dicken Blütenkolben. Ein recht attraktiver Partner für diese Kombinationen ist auch die Prachtscharte (Liatris spicata). Sie bildet von Juli bis Oktober seltsame violettrosafarbene Blütenkolben von etwa 80 Zentimetern Höhe, die von unten nach oben erblühen. Neben dieser Art gibt es reizvolle Sorten in interessanten Farben. Sehr große weiße Blütenstände haben ‚Snow White‘ und ‚Magnifica‘, die Sorte ‚Picador‘ ist tiefpurpur und ‚Floristan Violett‘ hat violette Blütenstände.

Obwohl Taglilien, solange der Boden offen ist, gepflanzt werden können, liegt die beste Zeit zwischen Anfang September und Mitte Oktober oder im Frühjahr. Man wählt einen sonnigen Standort, wobei vor allem die Sorten mit hellen Blüten volle Sonne am besten vertragen. Dunkle Blüten leiden unter intensiver Sonne und verbrennen leichter. Der ideale Boden sollte tiefgründig, nährstoffreich und lehmhaltig sein. Ratsam ist es, sandige Böden mit Lehm und Kompost anzureichern.

Die Vermehrung der Taglilien geschieht durch Teilung. Die Wurzelstöcke werden in Stücke zerlegt, an denen mindestens ein Auge sowie einige Wurzeln vorhanden sind. Sofort am neuen Standort eingepflanzt, blühen die Taglilien nach zwei bis drei Jahren.

Bezugsquellen. Tomas und Christina Tamberg, 12207 Berlin-Lichterfelde, Zimmerstraße 3, Telefon: 030/ 712 42 35, Fax: 71202946, E-Mail: Dr.T.u.C.Tamberg@t-online.de; Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, 79295 Sulzburg-Laufen/Baden.

Standort. Sonnig bis halbschattig. Je mehr Sonne, desto mehr Blüten entwickeln sich.

Boden. Frischer Gartenboden wie für Stauden üblich.

Pflanzung. Bis Mitte Oktober oder im Frühjahr. Der Wurzelansatz sollte mindestens fünf Zentimeter – auch nach dem Angießen – unter der Erde liegen.

Pflege. Aus ästhetischen Gründen können die verwelkten Blüten abgesammelt werden. Ausreichendes Wässern verbessert die Blütengröße und die -anzahl.

Schädlinge. Gegen Schnecken rechtzeitig Mittel einsetzen. Angestochene erste Knospen weisen auf die Gallmücke hin. Diese Blüten unbedingt noch vor dem Aufgehen absammeln und vernichten.

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