Immobilien : Blumenschau im Ärmelkanal

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Von Katrin Kühne

Jersey, die größte der britischen Channel-Islands im Ärmelkanal ist ein wahres Blumen- und Gartenparadies. Bedingt durch den Einfluss des warmen Golfstroms gedeihen hier vor allem exotische Pflanzen der südlichen Halbkugel. Eingeführt wurden sie schon vor Jahrhunderten von den zur See fahrenden Engländern. Ein Mal im Jahr präsentieren die Insulaner die blühende Pracht mit vielen Einzelveranstaltungen. Das diesjährige „Garden Festival of Jersey" vom 7. bis 13. Juli steht ganz im Zeichen des 50. Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. Dem Festival folgt dann am 8. und 9. August die „Battle of Flowers", die vor genau 100 Jahren das erste Mal anlässlich der Krönung von Edward VII. und Queen Alexandra veranstaltet wurde.

Auf der Insel, die etwa so groß ist wie der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, herrscht zurzeit hektische Betriebsamkeit, denn die Festvorbereitungen sind in vollem Gange. Die meisten der 88 000 Einwohner beteiligen sich entweder an der Dekoration der zu schmückenden Festwagen für den traditionellen Korso, der „Battle", oder den Vorbereitungen zum „Garden Festival". Die öffentlichen Parks der zwölf Gemeinden, den Parishes, werden geputzt und üppig mit Blumen der Saison bepflanzt, denn es gilt, sich für den Wettbewerb „Parish in Bloom 2002" zu qualifizieren. Eine unabhängige Jury beurteilt Blumenschmuck, Gartenarchitektur und auch die Umgebung der Anlage. Im vorigen Jahr war die Insel-Hauptstadt St. Helier die Siegerin. Sie konnte auch den ersten Preis beim Landeswettbewerb als „schönste blühende Gemeinde Britanniens" erringen. Doch nicht nur die Parishes bemühen sich um ihre Parkanlagen mit den vielen „Cabbage Palms", eine Art von kanarischen Palmen, die hier ebenso heimisch geworden sind wie die blau blühende Agapanthus oder Kamelien. Das Besondere am „Jersey Garden Festival" ist die Beteiligung der Einwohner, ob Lord und Lady X oder Mr. und Mrs. Y. Viele von ihnen machen ihre Parks und Gärten - meist nur für einen Tag - der Öffentlichkeit zugänglich. Das ist es, was die Veranstaltung so anziehend macht, dass alljährlich Karawanen von „Mainlanders", so bezeichnen die „Jersiais" die Engländer, zum Festival anreisen. Very british wird da sportlicher Garten-Wettbewerb mit dem Reiz eines Konzertes oder eines traditionellen „Cream Teas" am Nachmittag in einem ansonsten nie zugänglichen Park eines Manor Houses oder in einem privaten kleinen Garten kombiniert.

Auch Judith Quéréé ist wieder mit dabei. Die Hausfrau war letztes Jahr Zweitplatzierte beim England weiten BBC-Garten-Wettbewerb und hat dieses Jahr mit dem Entwurf eines nostalgischen Jersey-Bauerngartens den 1. Preis beim „Hampton Court Festival" in London gewonnen - sozusagen den Oscar für Amateur-Gärtner. Am 11. Juli können Besucher nicht nur den opulenten Garten ihres Hauses „Creux Baillot" im nordwestlichen St. Quen bewundern, sondern auch einen „informal Wine & Cheese-Evening" genießen. Der ihres Cottage und der vieler anderer Hausnamen, sowie ihr eigener Familienname, erinnern an die lebendige französische Tradition auf Jersey. Die Insel liegt nur rund 20 Kilometer von der französischen Küste entfernt.

Vor 25 Jahren hatten Judith und ihr Mann während eines Spaziergangs das heruntergekommene Bauernhaus, gute zwei Kilometer von der Nordküste Jerseys entfernt, in einem kleinen Tal entdeckt und gekauft. Das in eine windgeschützte Senke des Tals hineingebaute alte Haus aus inseltypischem rosa Granit wurde restauriert. Aus dem verwahrlosten Garten wurden drei Lastwagenladungen Müll abgefahren. Nur Stück für Stück konnte der Garten über die Jahre wachsen. Denn die Quéréés arbeiteten ganztags, zwei Kinder waren großzuziehen, so dass für eine intensive Gartenarbeit nicht viel Zeit blieb. Zunächst wurde die Rasenfläche am Haus im oberen, sonnigen Teil des Grundstücks angelegt und einige Sträucher gesetzt. Nach und nach wurden dann Stauden und Kräuter gepflanzt. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Gewächse dazu. Heute gibt es allein 1500 Gehölze. Professionelle Hilfe haben die Quéréés nicht in Anspruch genommen.

Erst nachdem der Nachwuchs aus dem Haus war, konnte sich Mrs. Quéréé ihrer heimlichen Leidenschaft widmen - dem Gärtnern. Rund um die Rasenfläche am Cottage pflanzte sie Wärme und Trockenheit liebende Gewächse. Ihr ganzer Stolz sind die üppigen „Black-Eye“-Geranien-Büsche und eine seltene schwarzblühende Salvia-Sorte, die ursprünglich aus Peru stammt. Und die 200 Clematis-Sorten tun das ihre dazu, den Garten in ein blühendes Paradies zu verwandeln. Der unterhalb des Hauses gelegene Teil des Geländes wurde zu einem Sumpfgarten. In dem so genannten „ bog-garden" hegt und pflegt Judith Quéréé 40 verschiedene Iris-Sorten. Das Feuchtbiotop mit Farnen aus Neuseeland und Australien wirkt mit den kleinen Holzbooten unter schattigen Laubbäumen ausgesprochen romantisch.

Jeder der während des „Jersey Garden Festivals" vorgestellten Gärten hat eine Besonderheit, sei es der tropisch anmutende „bog-garden" von Mrs. Quéréé, der Garten der Lords of Brownlow im westlichen St. Peter mit seinen Tulpenbäumen oder der Rosengarten von Lady Cooke an der Südküste in St. Brélade. Abgerundet wird das Angebot des Festivals durch Wanderungen und Experten-Fragerunden zu Spezialthemen. Eine Lavendelfarm und die Eric Young Orchideen-Stiftung laden zu einem Besuch ein.

Weitere Informationen: Deutschsprachige Broschüren über Jersey, Prospektversand, Postfach 30 02 60, 63089 Rodgau, Telefon: 061 06-717 18, Fax: -87 04 14, E-Mail: jersey@expertpr-hwm.de ; Jersey/Guernsey-Spezialreiseveranstalter in Berlin: BITS GmbH, Friesenstraße 20, 10965 Berlin, Telefon: 687 53 39 oder 686 80 76, Fax: 681 83 31, E-Mail: infos@britain-ireland-tours.de (Mo. b. Fr. 12 bis 20 Uhr).

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