Immobilien : Botanische Kuriosität: Palmfarne

Harrie Sipman

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Gewächshäuser. Palmfarne sind eine botanische Kuriosität. Sie bilden gewissermaßen eine Zwischenstufe zwischen Farnen und Blütenpflanzen, die scheinbar durch Zufall das Mittelalter der Erdgeschichte überlebt hat. Äußerlich ähneln sie den Baumfarnen, mit geraden Stämmen, die oben einen Schopf dicht beieinander stehender, federförmig geteilter Blätter tragen. Aber sie produzieren keine Sporen wie die Farne, sondern Samen in Zapfen ähnlichen Strukturen, etwa wie bei den Koniferen. Deshalb werden sie zu den „Nacktsamigen Gewächsen“ gerechnet. Sie sind zweihäusig. Männliche Pflanzen tragen einen oder wenige, bis zu 40 Zentimeter lange und bis sechs Zentimeter breite, längliche Zapfen oben im Blattschopf. Die Zapfen der weiblichen Pflanzen sind mit ihrem filzartigen Schutzkleid kaum als solche zu erkennen. Sie sitzen einzeln im Schopf.

Heutzutage führen die Palmfarne ein Schattendasein in den Tropenwäldern, an hellen und trockenen Stellen, wo sie nicht allzu sehr von den Blütenpflanzen behelligt werden. Eine Art hat es im Zuge der Kontinentverschiebungen nach Südjapan verschlagen: Cycas revoluta – der Japanische Palmfarn.

Für die Einwohner war er über Jahrhunderte eine bedeutende Stärkequelle. Kurz bevor sich die Zapfen entwickeln, wurden die etwa sieben Jahre alten, etwa einen Meter langen Stämme geschlagen. Die äußeren Schichten wurden entfernt, und das Mark getrocknet und zermahlen. Nach wiederholtem Waschen, notwendig, um toxische Alkaloide und Aminosäure zu entfernen, wurde aus dem Mark eine Art Sago gewonnen. Normalerweise wurden andere Stärkequellen bevorzugt, doch bei Missernten konnte so das Überleben der Menschen gesichert werden. Die Pflanze galt im 18. Jahrhundert als so wertvoll, dass auf ihren Export die Todesstrafe stand.

Weitere Verwendungen fanden die Samen. Sie enthalten auch reichlich Stärke und wurden, nach entsprechender Entgiftung, gegessen. Vergärte Stärke lieferte ein alkoholisches Getränk. Das Holz mit seiner ungewöhnlichen Struktur wurde für Schnitzereien genutzt. Die Blätter setzte man als Heilmittel, besonders für den äußerlichen Gebrauch ein. Junge Blätter wurden als Gemüse verspeist. Später wurden sogar präparierte Blätter als Grabschmuck nach Europa exportiert. Das Präparieren war unkompliziert. Man tauchte die Blätter in Meereswasser, dadurch wurden sie beim Trocknen nicht spröde.

Landwirtschaftlich angebaut wurden Palmfarne kaum. Dafür wurden sie als Zierpflanzen beliebt. Zwergformen wurden gezüchtet und solche mit bunten Blättern. Es gelang auch, sie als Bonsai zu kultivieren. Angeblich existieren mehrere über einhundert Jahre alte Exemplare. Zu sehen ist der Japanische Palmfarn im Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen.

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