Immobilien : Boten des Frühlings

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DER ROTE PUNKT

Jede Woche gibt der Botanische Garten eine Liste mit besonders sehenswerten Pflanzen heraus. Aus Platzgründen können wir nur jeweils ein Gewächs vorstellen. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr. Weiteres im Internet unter www.bgbm.org.

Freiland. Die hübsche Idee, auf das 100-jährige Bestehen des Botanischen Gartens am Standort Dahlem mit Gartentulpen (Tulipa gesneriana) in Form der Jubiläumszahl hinzuweisen, ist ein guter Anlass, sich ein wenig mit der Geschichte der dekorativen Frühlingsblumen zu beschäftigen.

Von den etwa 100 bekannten Tulpenarten, die in Ost- und Mittelasien beheimatet sind, wächst in Deutschland allerdings nur die Wilde Tulpe (Tulipa sylvestris). Der Artname sylvestris weist auf ihren natürlichen Standort, den Wald, hin. Diese gelb blühende Pflanze wird etwa 40 Zentimeter hoch, ist nur in milden Lagen auf nährstoffreichen Böden zu finden und blüht dort zwischen April und Mai. Sie ist vom Aussterben bedroht und daher streng geschützt.

Die so genannte Wilde Tulpe ist keineswegs die Stammform der Gartentulpe (tulipa gesneriana). Diese ging vermutlich aus der rot blühenden Tulipa suaveolens hervor, die in Vorderasien beheimatet ist. Von kaum einer Pflanze gibt es so viele Züchtungen wie von der Gartentulpe mit ihren unterschiedlichen Blütenformen und Farben, dem Aussehen der Blätter und des Wuchses. Die Bezeichnung gesneriana, die etliche Tulpenformen zusammenfasst, erhielt die Art in Erinnerung an den Botaniker Konrad Gesner (1516-1565), der verschiedene Tulpen als Erster beschrieben und gezeichnet hat.

Die Geschichte der Tulpe ist spannend und abenteuerlich. Ihren natürlichen Standort hat sie in Persien und in der heutigen Türkei. Fasziniert von der ungewöhnlichen Blütenform begannen nach den Persern die osmanischen Herrscher im 15. Jahrhundert mit der Züchtung. Bevorzugt wurden einfarbige Blumen mit einem schmalen länglichen Blütenkopf und sechs nadelartig spitz zulaufenden Blütenblättern. Die Züchtungen trugen oft poetische Bezeichnungen, wie „Glücksstern“ oder „Licht der Gedanken“.

Der türkische Volksmund nannte die Pflanze Tulipan oder Turbanblume, tülband-lalesi, vermutlich wegen ihrer turbanähnlichen Blütenform. Denn tülband ist die osmanische Form des persischen Wortes dulband, womit das rote Turbantuch bezeichnet wird.

Spätestens seit der Ära Suleimans des Prächtigen, der zwischen 1520 und 1566 an der Macht war, herrschte eine regelrechte „Tulpomanie“ in Konstantinopel. Nach Europa gelangte die „Turbanblume“ durch den österreichischen Gesandten de Busbeqc. Er brachte nach Quittierung seines Dienstes in Konstantinopel Zwiebeln und wohl auch Samen 1554 an den Hof nach Wien. Dort gelangten sie in die fachkundigen Hände des am Wiener Hof lehrenden, aus den Niederlanden stammenden Botanikers Carolus Clusius. Er baute die in Mitteleuropa damals einzigartige Tulpensammlung in den kaiserlichen Gärten auf, die übrigens 1683, als das türkische Heer die Donaumetropole belagerte, zerstört wurden.

Als Clusius 1594 an die Universität ins holländische Leiden ging, nahm er einen Teil seiner Tulpenzwiebeln mit und begann dort – allerdings nur zu wissenschaftlichen Zwecken – mit der Züchtung. Dennoch gelangten seine Exemplare in den Handel, denn Diebe hatten Clusius einen großen Teil der Tulpenzwiebeln gestohlen.

Mittlerweile kamen auch über die Handelswege Zwiebeln nach Europa. Denn wohlhabende niederländische Kaufleute hatten entdeckt, dass sich mit den seltenen Tulpen viel Geld verdienen ließ. Binnen kürzester Zeit wurde sie zur Modeblume. Reichtum und Ruin lagen nun dicht beieinander. Die Holländer hatte das „Tulpenfieber“ erfasst. Häuser und Schiffsladungen wurden für ein paar Zwiebeln in Zahlung gegeben. Schuldscheine, die zu immer höheren Preisen weiter verkauft wurden, wechselten die Besitzer. Die Tulpe hatte sich vom Liebhaberstück zum Spekulationsobjekt gewandelt. Der Markt brach zusammen.

Um dem Irrsinn ein Ende zu bereiten, schrieb die holländische Regierung im Jahr 1637 die Tulpenpreise gesetzlich fest. Für zahlreiche Spekulanten bedeutete das eine finanzielle Katastrophe. Dennoch blieb die Tulpe ein begehrter Modeartikel. Holland entwickelte sich zum Zentrum der Tulpenzucht und des -handels. Vom 19. Jahrhundert an galt die Frühlingsblume als Symbol der Niederlande. Die Tulpenzucht hat Holland berühmt gemacht. Sie macht es auch möglich, für ein paar Euro, Vasen und Gärten mit Tulpen zu schmücken. W. H.

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