Immobilien : Bummelmeile in Hohenschönhausen erlebt zweite Gründerzeit

ANDREAS LOHSE

Millionen-Investitionen der "Howoge" für grundlegende Sanierung und Neubauten in der Konrad-Wolf-StraßeVON ANDREAS LOHSE Matthias Stawinoga macht eine weit ausholende Armbewegung: "Das hier ist bald unsere schönste Geschäftsstraße!" Ein Mann mit Visionen.Die allerdings braucht der Wirtschaftsstadtrat auch.Denn bislang ist in der Hohenschönhausener Konrad-Wolf-Straße der Fortschritt nur für Eingeweihte offen ersichtlich.Als unbedarfter Besucher muß man ihn sich erklären lassen, sonst sind die zahllosen Erdlöcher, Gerüste und Bagger nur profane Baustellen. Fast zwei Kilometer ist diese Magistrale im Nordosten Berlins lang.Um dem Mietwucher und den katastrophalen Wohnverhältnissen in der seinerzeit lediglich nahen Großstadt zu entgehen, siedelten sich hier an der Ausfallstraße des Jahres 1870 zunächst Weber an.Zur Jahrhundertwende ließen sich an der damals noch Berliner Straße genannten Verkehrsader vor allem finanzkräftige Beamte nieder, später Kaufleute und Rentiers.1899 fuhr die erste Straßenbahn bis in die Stadt, 1920 wurde Hohenschönhausen im Zuge der Eingemeindung selbst ein Teil davon.Heute hat der Bezirk 120 000 Einwohner. Für 32 Millionen Mark wird derzeit die Straße von grundauf saniert, werden Stellplätze für Autos gebaut, Lichtmasten erneuert, Rohre verlegt und Bäume gepflanzt."30 000 Anwohner leben im Einzugsgebiet, 20 000 Leute fahren hier täglich durch," erklärt Matthias Stawinoga, der selber auch hier wohnt.Besonders stolz ist man im Bezirksamt, daß sich die Mischung von Wohnen und Arbeiten halten ließ.167 Gewerbetreibende vom Goldschmied bis zum Supermarkt zählt man.Nur drei Geschäfte hätten in den letzten Jahren aufgegeben. Sorgen macht sich der Stadtrat indes um den langgezogenen Block mit den Hausnummern 119-128: "Für die Mieter im Erdgeschoß ist das Wohnen dort eine Zumutung." Teilweise vernagelte Fensterhöhlen in Kopfhöhe der Passanten scheinen ihm recht zu geben.Der Bezirkspolitiker sähe es am liebsten, wenn diese Räume in Läden umgewidmet würden.Doch die Senatsverwaltung stelle sich quer. Auf alten Fotos ist der Charme der Straße noch zu ahnen.Allerdings hinterließ der Krieg seine Spuren, "Bausünden und generelle Vernachlässigung der historischen Substanz in der Nachkriegszeit ließen den Glanz verblassen", entnimmt man einer Broschüre der Wohnungsbaugesellschaft Hohenschönhausen (Howoge).Das Unternehmen arbeitet zusammen mit anderen kräftig daran, die Attraktivität der historischen Einkaufsmeile wiederherzustellen.So manche ergraute Fassade erstrahlt bereits in neuem Putz.Historische Ornamente, Erker, Giebel und Balkone werden restauriert, überall weisen Baustellenschilder darauf hin, wie das neue Straßenbild einst aussehen wird."Man spürt allerorten die Stimmung einer Art zweiten Gründerzeit", heißt es bei der Howoge. Die Wohnungsbaugesellschaft ist derzeit einer der größten Investoren: Für 88 Millionen Mark hat man in den letzten Jahren 220 Wohnungen bauen lassen.Beispiel Konrad-Wolf-Straße 12 und 13: Um einen fast ovalen, begrünten Innenhof gruppieren sich mehrgeschossige Gebäude mit insgesamt 93 Wohnungen.Die als Sozialer Wohnungsbau vom Senat geförderte und 51 Millionen Mark teure Wohnanlage war im vergangenen Dezember bezugsfertig."Binnen dreier Monate hatten wir alles vermietet", freut sich "Howoge"-Sprecherin Angela Reute.Je nach Lage ihres Domizils zahlen die Mieter zwischen 7 Mark 50 und 8 Mark 25 pro Quadratmeter.Auf dem Grundstück Konrad-Wolf-Straße 104 entstanden 17 neue Eigentumswohnungen, Ecke Roedernstraße 30 Wohnungen im 2.Förderweg und Ecke Suermondtstraße 52 Miet- und 6 Eigentumswohnungen. Bis Ende des Sommers sollen zumindest die Straßenarbeiten weitgehend abgeschlossen sein.Mit einem großen Fest will man dann im September der Bummelmeile neues Leben einhauchen.

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