Immobilien : "Bunker als Attraktion"

RALF SCHÖNBALL

Staatssekretär Gräf über die Pläne von Brandenburg - und BerlinVON RALF SCHÖNBALL I mmer mehr Berliner zieht es nach Brandenburg, wo Wohnen und Leben billiger ist.Das hat Konflikte nach sich gezogen - und den Ruf nach einem gemeinsamen Bundesland.Da keine Mehrheit dafür zu finden war, sollte eine gemeinsame Regionalplanung die Probleme um Bauboom und Verkehrschaos im Speckgürtel lösen.Dazu befragte Ralf Schönball Brandenburgs Staatssekretär für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Horst Gräf. TAGESSPIEGEL: Die gemeinsame Landesplanung gerät immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik.Ihr sei ein mäßiger Erfolg beschieden, heißt es ... GRÄF: Konflikte wird es immer geben, aber wir haben einen Landesentwicklungsplan für den engeren Verflechtungsraum und ein Landesentwicklungsprogramm, das von beiden Ländern gemeinsam verabschiedet wurde.Dies ist das Ergebnis der Arbeit der gemeinsamen Planungsstelle. TAGESSPIEGEL: Allerdings hat das alles kaum dazu beigetragen, das Konzept der dezentralen Konzentration umzusetzen.So bleiben die von Berlin entfernten Städte und Gemeinden weiter strukturschwach.Ist nicht zumindest das beklagenswert? GRÄF: Dieses Programm ist nicht innerhalb von drei Jahren zu realisieren, sondern in zehn bis 15 Jahren.In Nordrhein-Westfalen hat es mehr als 20 Jahre gebraucht.Wir haben in der Planungsgruppe festgelegt, in welchem Umfang die Gemeinden wachsen dürfen und daran sind sie gebunden.Damit verhindern wir ein unkontrolliertes Wachstum im Verflechtungsgebiet.Um zudem die dezentralen Städte und Gemeinden zu stärken, ist der Aufbau eines tragfähigen Verkehrssystems Voraussetzung, ein Netz von Regionalbahnen, mit denen ein Bewohner mit einem einzigen Fahrschein von jeder Brandenburger Stadt die Mitte Berlins innerhalb von einer Stunde erreicht.Dieses System kann bis zum Jahr 2000 in seiner Grundstruktur stehen, also rechtzeitig zur Einweihung des Lehrter Bahnhofs, auf den die Verkehrsachsen zulaufen werden. TAGESSPIEGEL: Davon sind wir noch weit entfernt.Wie steht es um die Bildung eines Verkehrsverbundes? GRÄF: Noch ist die Mauer an der Grenze Berlins im öffentlichen Tarifgebiet nicht eingerissen.Das ist auch nicht unproblematisch, weil die Fahrpreise in Brandenburg billiger sind als in Berlin und die Angleichung von Tarifen in einem gemeinsamen Gebiet die Fahrscheine eher verteuern würde. TAGESSPIEGEL: Dann dürften Kosten auf die Landeskassen zukommen? GRÄF: Weder Berlins noch Brandenburgs Landeskasse wird mehr Geld aufwenden.Die Forderungen vom Verkehrsverbund, Mehrkosten über Fahrscheine zu refinanzieren, müssen uns detailliert vorgerechnet werden.Hier verhandeln wir noch, ebenso wie über die Besetzung des Postens der Geschäftsführung im Verkehrsverbund. TAGESSPIEGEL: Berliner Politiker fordern Schulgeld für Kinder aus Brandenburg, die in der Hauptstadt ihr Einmaleins lernen.Bauen Sie nicht genügend Schulen, und wie steht es um die Mängel bei der Infrastruktur? GRÄF: Wir haben keine neuen Siedlungen in Brandenburg gebaut, in der nicht auch Kitas und Schulen entstanden.Die schulische Versorgung ist gewährleistet.Wenn aber Eltern der Auffassung sind, daß ihre Kinder in Berliner Schulen besser aufgehoben sind, dann ist dem auch nicht durch Planungen zu begegnen.Die Bildungsstätten werden ebenso wie Straßen und andere Infrastrukturen gemeinsam mit Investoren durch städtebauliche Erschließungsverträge finanziert.Allerdings sind die Zeiten, in denen Wohnungsbauprojekte auf der Grünen Wiese Wirklichkeit wurden, seit der Streichung der steuerlichen Sonder-Abschreibungsmöglichkeiten vorbei.Wir konzentrieren uns auf die Innenstädte und fördern Lückenschließungen und Sanierungen.Außerdem ist die Revitalisierung ehemals militärisch genutzter Liegenschaften eine wichtige Aufgabe. TAGESSPIEGEL: Daran haben die meisten Investoren wenig Freude.Die Risiken sind kaum überschaubar ... GRÄF: In den alten Ländern haben die Gemeinden die gleichen Probleme, dort haben die Amerikaner aber ihre Panzer mit Chemie gewaschen, die Russen hatten diese Mittel gottseidank nicht.Außerdem gibt es das Problem mit der Munition, die wir in Wünsdorf, wo rund 80 000 Russen stationiert waren, geräumt haben.Hier planen Stadt und Landesentwicklungsgesellschaft (LEG).Für andere Regionen wie an der B5 das Olympische Dorf oder das Alte Lager suchen wir private Partner.Das Gebiet des Alten Lagers entwickelt die LEG gemeinsam mit Herlitz.Auch für Wünsdorf haben wir das Entwicklungskonzept erstellt und verhandeln mit Privaten.In den historischen Offiziersvillen wollen wir eine Antiquariats- und Bücherstraße aufbauen und gestalten eine Landschaft mit Skulpturen von Brandenburger Künstlern.Schließlich öffnen wir die alten Bunker als touristische Attraktion.Sie wurden von der Wehrmacht gebaut und von den Russen genutzt, die vergeblich versucht hatten, das Mauerwerk zu sprengen.

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