Chronik : Wie aus der „Königlichen Pulverfabrik“ die „Havelwerke“ wurden

Von 1912 bis in die Gegenwart: Die Geschichte des Geländes in Berlin-Spandau, direkt am Ufer der Havel.

Reinhart Bünger
Im Zentrum des Geländes steht ein denkmalgeschützter Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert. Er diente der Herstellung von Schwarzpulver.
Im Zentrum des Geländes steht ein denkmalgeschützter Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert. Er diente der Herstellung von...Visualisierung: Pott Architects

Auf dem heutigen Areal der Havelwerke war bis 1919 die Königliche Pulverfabrik untergebracht, die in den 1830er Jahren nach Spandau verlegt worden war. In der Folge kamen weitere militärische Fabriken hinzu. Es entstanden eine Patronenfabrik am Zitadellenweg (ab 1883), eine Munitionsfabrik, ebenfalls am Zitadellenweg (ab 1890), und auf dem Salzhof eine chemische Fabrik (ab 1890) für die zur Pulverherstellung benötigten Säuren.

Die erste Spandauer Pulverfabrik wurde später auch als die „Alte Pulverfabrik“ bezeichnet. Dieser Name entstand, als 1890 eine zweite, die dann sogenannte Neue Pulverfabrik Spandau in Produktion ging. In dieser Fabrikationsstätte, die direkt nördlich der alten lag, wurde ein modernes rauchloses Pulver hergestellt. Es war aus Cellulosenitrat und wurde als „Schießbaumwolle“ bezeichnet. Die Pulverfabriken mussten im Ergebnis des Ersten Weltkriegs schließen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Areal auch Waffen und Kriegsgerät produziert, darunter Flak-Geschütze verschiedener Kaliber.

Einige Gebäude der ehemaligen Pulverfabriken in Haselhorst haben sich erhalten: So findet man das Verkohlungsgebäude der Alten Pulverfabrik im Telegrafenweg 21 und den Wasserturm der Neuen Pulverfabrik in der Kleinen Eiswerderstraße 14.

Nach Zerstörung und Wiederaufbau zog Mannesmann in die Hallen. Ende der 50er Jahre wurde auf einem Teil des ursprünglich 200 000 Quadratmeter großen Geländes eine Sportanlage errichtet, darunter ein Stadion. Der Tagesspiegel notierte in der Ausgabe vom 9. August 1958 über die Bauarbeiten mit Blick auf die entdeckten schweren Granitplatten an dieser Stelle: „Die Anlagen sind 1918 geschleift worden, aber die Fundamente stehen noch und müssen jetzt erst herausgeholt werden.“

Nach der Übernahme durch den Thyssen- Krupp-Konzern wurde das Gelände 2012 veräußert. Im gleichen Jahr wurden die Havelwerke gegründet.

Mit der Sanierung des Altbaus wurde im Sommer dieses Jahres begonnen. Der Baubeginn für den Neubau ist für das kommende Frühjahr geplant.

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