• Da beißt die Maus keinen Faden ab – der Tierhalter zahlt Gegen plötzliche Ereignisse kann man sich versichern – gegen langfristige Mietschäden aber nicht

Immobilien : Da beißt die Maus keinen Faden ab – der Tierhalter zahlt Gegen plötzliche Ereignisse kann man sich versichern – gegen langfristige Mietschäden aber nicht

Thorsten Wiese

Tierhalter haben es nicht leicht, eine Wohnung zu finden. Vermieter und Nachbarn fürchten Lärm, Geruch, Belästigung oder Verunreinigungen in Wohnung, Treppenhaus oder Garten. Sollte wirklich mal jemand zu Schaden kommen, zahlt zwar die Haftpflichtversicherung. Viele Fälle deckt sie aber nicht ab.

„Hunde- und Katzenhalter haben es schwerer, eine Wohnung zu finden. Das kann man schon sagen“, beklagt Evelyn Ofensberger, Leiterin der Rechtsabteilung beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn. „Die Vermieter haben Angst vor möglichen Beschädigungen und dass sich andere Mieter gestört fühlen und die Miete mindern.“ Dabei seien Mietschäden gar nicht so häufig. Die verbreitetsten Schadensfälle für Tierhalter seien Haftpflichtschäden, heißt es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Dabei geht es um Fälle wie „Der Hund fällt beim Gassigehen einen anderen Hund oder einen Menschen an“, erläutert Ofensberger.

Schäden am eigenen Hausrat liegen in der Verantwortung der Tierhalter. Und Schäden an der Mietwohnung werden nur von der Versicherung übernommen, wenn sie einem plötzlichen Ereignis zuzuordnen sind: „Es geht dabei um die sogenannte spezifische Tiergefahr. Gegen sie können sich Tierhalter haftpflichtversichern“, sagt Ofensberger. Wenn der Tierhalter die Gefahr aber hätte verhindern können, muss er es auch tun – sonst muss er selbst für den Schaden aufkommen. Gegen Kratzspuren durch wiederholte Einwirkung vom Tier hilft also keine Versicherung, sondern nur Erziehung.

„Die Abnutzung einer Mietwohnung ist normal. Für Schäden durch häufiges Scharren oder Urinieren ist aber der Halter verantwortlich“, sagt Katrin Rüter de Escobar vom GDV. Dass ein Schaden die Folge wiederholter, langwieriger Einwirkung ist, stehe wiederum dem üblichen Leistungskatalog von Haftpflichtversicherungen entgegen: „Ein Haftpflichtschaden entsteht plötzlich, unvermittelt, spontan.“ Rennt die Katze bei Fremden eine teure Vase um, ist das so ein Fall. Sogenannte Abnutzungsschäden durch Tiere aber kämen über längere Zeit zustande – und dann zahlt keine Versicherung.

Diese Auffassung bestätigte das Amtsgericht Köln gerade in einem aktuellen Fall: Der Hund der Klägerin hatte in der Mietwohnung Schäden an Tapeten und Türzargen verursacht (Aktenzeichen: 139 C 580/07). Die Frau wollte rund 600 Euro von ihrer Tierhalterhaftpflichtversicherung haben. In dem Vertrag waren – wie üblich – Ansprüche wegen „Abnutzung, Verschleiß und übermäßiger Beanspruchung“ aber ausgeschlossen. Und so entschieden die Richter: Die Fotos von den Kratzschäden würden darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen „einzelnen Unglücksfall“ handle, sondern um ein intensives, wiederholtes Schadensverhalten des Hundes. Und das hätte die Halterin unterbinden müssen.

Sogenannte Langwierigkeitsschäden seien nicht versichert, sagt auch Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg: „Sonst könnte der Mieter ja auch auf Kosten der Versicherung die ganze Wohnung renovieren.“ Tierhalter könnten sich nicht gegen alles absichern – ebenso wenig wie andere Menschen. Bei der Hausratversicherung sei das ähnlich gelagert wie bei der Haftpflicht: „Wenn der Hund in mein Sofa beißt, muss ich das selbst bezahlen.Es ist ja mein Hund, der mich schädigt.“ dpa

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