Dachbegrünung : Die Hauptstadt als Schwammstadt

Berlin soll mehr grüne Dächer bekommen, die Regenwasser aufsaugen und die Kanalisation entlasten. Rückenwind kommt von der Bundesregierung.

Susanne Ehlerding
Luftig. Nahe dem Potsdamer Platz trägt das weiße Gebäude des Medizintechnikers Ottobock ein grünes Dach.
Luftig. Nahe dem Potsdamer Platz trägt das weiße Gebäude des Medizintechnikers Ottobock ein grünes Dach.Foto: imago/Schöning

Wenn alles gut läuft, bekommen Hausbesitzer in Berlin demnächst einen Zuschuss vom Senat, wenn sie ihr Dach begrünen. Ein entsprechender Antrag von Bündnis90/Die Grünen stieß jedenfalls auf Wohlwollen im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses. Nach der Sommerpause soll abschließend darüber beraten werden. Über einen Förderzeitraum von fünf Jahren könnten Gebäudebesitzer dann dabei unterstützt werden, ihre Dächer zu begrünen. Wie hoch der Zuschuss sein soll, steht aber noch nicht im Antrag.

Formuliert hat ihn die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Silke Gebel. Sie möchte, dass der Senat eine umfassende Gründachstrategie entwickelt – als Beitrag für eine saubere Spree: „Das Problem, das wir lösen wollen, ist das Überlaufen der Kanalisation bei sehr starkem Regen“, erklärt Gebel. „Die Kanalisation kann das Wasser dann nicht fassen, Fäkalien und Duschwasser werden in die Spree gespült.“ Begrünte Dächer sollen dazu dienen, das Regenwasser aufzufangen. Dafür müssen sie aber eine gewissen Dicke haben. Mindestens 60 Prozent des Regenwassers soll ein gefördertes Gründach zurückhalten können, steht daher im Antrag.

Die Gründachstrategie ist auch als ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel gedacht. „Schon heute ist Berlin eine Hitzeinsel. Mehr Dachgrün kann dem Temperaturanstieg durch Verdunstung entgegenwirken“, heißt es im Antrag.

Die Stadt leistet Pionierarbeit

Damit passt er genau zu einer Weiterentwicklung des Stadtentwicklungsplans (StEP) Klima, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gerade auf den Weg bringt. Der Plan wurde vor vier Jahren verabschiedet, nun soll er ergänzt werden. Dazu gehört der Gedanke, Berlin zu einer Schwammstadt zu entwickeln, berichtet die Referentin Heike Stock. Wie ein Schwamm sollen Böden und Pflanzen das Wasser aufsaugen und langsam wieder abgeben. Nur so könne sich die kühlende Wirkung der Verdunstung voll entfalten.

„Bisher ist das kein Standard in der Stadtplanung“, sagt Heike Stock. Mit der Weiterentwicklung des StEP Klima soll es in Berlin aber dazu kommen. Gründächer, eine Entsiegelung von Flächen sowie Regenrückhaltesysteme, sogenannte Rigolen, gehören zum Regenwassermanagement, das den StEP ergänzen soll.

Mit dem geplanten Regenwassermanagement leistet Berlin Pionierarbeit, sagt Heike Stock. Auch der StEP Klima sei etwas Besonderes. „Berlin ist immer noch die einzige Kommune, die so einen Plan in die Bauplanung eingearbeitet hat. Darum beneiden uns andere Städte“, sagt Heike Stock. Bei der Aufstellung oder Veränderung eines Bebauungsplans müssen die Bezirke den StEP Klima in die Abwägung einbeziehen. „Damit verankert sich das Thema zunehmend“, sagt Stock.

Die grüne Infrastruktur leidet unter leeren Kassen

Rückenwind bekommt es zur Zeit auch von der Bundesregierung. Zur Eröffnung des Kongresses „Grün in der Stadt – für eine lebenswerte Zukunft“ diese Woche in Berlin stellten Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ein Grünbuch Stadtgrün vor. Grünbücher sind Diskussionspapiere. Auf sie folgen Weißbücher mit Vorschlägen zur Umsetzung. Im vorliegenden Grünbuch sei der Wissensstand zu dem Thema zum ersten Mal umfassend dargestellt, sagte Hendricks.

Mit der Publikation will sie einen breiten Dialog über den Stellenwert von Grün- und Freiflächen in den Städten anstoßen. Den Anfang machten die Beiträge auf dem zweitägigen Kongress, die sich mit den aktuellen Rahmenbedingungen für Grün in der Stadt und den Ansprüchen an das Stadtgrün beschäftigten. Bis zum Frühjahr 2017 soll dann ein Weißbuch entstehen, in dem konkrete Handlungsempfehlungen für mehr Grün in der Stadt dargestellt werden.

Dabei ist sich Hendricks durchaus bewusst, dass die grüne Infrastruktur unter den leeren Kassen der Städte und Gemeinden leide. „Es muss uns noch etwas Besseres einfallen, als Parkbänke abzubauen oder Spielplätze zu demontieren“, sagt sie. Deshalb hat der Bund seine Städtebauförderung vergangenes Jahr von 455 auf 700 Millionen Euro aufgestockt, berichtete die Ministerin. Bis 2017 soll jedes Jahr noch einmal die gleiche Summe verfügbar sein. Diese Mittel seien nicht nur, aber auch für Grün in der Stadt einsetzbar.

Gute Dachbegrünung lohnt sich

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative unterstützt das Umweltministerium außerdem innovative Klimaschutzprojekte. In Zukunft soll besonders die Förderung des Klimaschutzes in Kommunen ausgebaut und verstärkt werden, teilt das Ministerium mit.

Eine Dachbegrünung ist grundsätzlich erst einmal teurer als ein konventionelles Dach. Hausbesitzer mit Gründach können aber schon heute dadurch sparen, dass sie nur die Hälfte der Regenwasserabgabe zahlen müssen. „Positive Nebeneffekte sind auch sinkende Nebenkosten für Heizung und Kühlung, da eine gute Dachbegrünung isoliert“, steht im Antrag der Grünen für das Dachprogramm.

Der neue Architekturtrend zu dunklen Fassaden ist im Klimawandel jedenfalls nicht das Wahre. Bei der Wahl ihres Hausanstrichs sollten Hausbesitzer an heiße Sommertage denken, empfiehlt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dunkle Mauern heizen sich im Sonnenschein nämlich auf bis zu 70 Grad auf. Weiße Wände würden dagegen nur gut fünf Grad wärmer als die Umgebungstemperatur.

Das Grünbuch Stadtgrün kann man unter http://bit.ly/1I3A89i abrufen.

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