Dachgeschosswohnungen : Ziemlich schräg

Wohnen unter dem Dach ist beliebt und gemütlich. Bei der Einrichtung sind allerdings ein paar Gedanken extra nötig.

Maria Hiltbach

Dachgeschosswohnungen sind beliebt – man ist so weit wie möglich weg vom Lärm der Straße, niemand trampelt einem auf dem Kopf herum, der Blick ist gut – und Schrägen können sehr anheimelnd sein.

Allerdings sind sie auch schwieriger optimal auszunutzen als simple, rechtwinklige Wände. Aber – alles eine Frage der richtigen Idee: „Durch geschickte Einteilungen und Möbellösungen kann man einen Dachschrägenraum sehr harmonisch einrichten. Man muss sich nur etwas den Gegebenheiten anpassen“, sagt die Hofheimer Innenarchitektin Ute Heyden. Ein Beispiel: Kopfzerbrechen bereitet meist der niedrigste Bereich der Dachschräge. Um hier keine kostbare Bodenfläche zu verschenken, kommt man nicht darum herum, auf maßgeschneiderte Lösungen zurückzugreifen. „Im Winkel zwischen Dach und Fußboden lässt sich praktischer Stauraum schaffen, indem man etwas vorgesetzt Schiebetüren anbringt. Hinter diesen kann man dann je nach Bedarf Regalbretter anschrauben oder Kleiderstangen aufhängen“, schlägt Heyden vor. Das System mit Schiebetüren hat den Vorteil, dass sich die ebenmäßige Front sehr gut in das Raumbild integriert. „Man kann die Türen dann sogar noch mit derselben Tapete bekleben, mit der auch die Wände dekoriert wurden, sie entsprechend farbig anstreichen oder sie mit lackiertem, farbigen Glas ausfüllen“, sagt Heyden.

Elmar Haag-Schwilk, Chefredakteur der Zeitschrift „Bauen & Renovieren“, hat noch einen anderen Vorschlag zur Nutzung der Ecken: „Besonders beliebt sind maßgefertigte Rollcontainer, die sich einfach unter die Schräge schieben lassen“, berichtet er. Diese Behälter lassen sich beispielsweise von der Seite befüllen und bilden so an der Vorderfront eine homogene Fläche ohne Griffe und Beschläge. Wer es ganz einfach haben möchte, kann den Dachwinkel auch mit Schrankelementen einer Einbauküche versehen. „Die vorgefertigten Korpusse kann man so zusägen, dass sie sich genau in die Schräge einfügen, und muss dann vorne nur noch die mitgelieferten Türen montieren“, sagt Haag-Schwilk.

Für große Möbel wie Schränke und Regale ist in einer Dachgeschosswohnung dagegen meist nur an den geraden Giebelseiten Platz. Um diesen optimal auszunützen, kann man die Möbel entsprechend anschrägen lassen, so dass sie sich gut einfügen. „Aber auch eine Art Treppensystem mit mehreren schmalen Schränken, die der Größe nach entlang der Schräge aufgestellt werden, schafft Platz und Stauraum“, sagt Ute Heyden.

Ist der Dachfirst sehr hoch, dann kann man auch versuchen, dem Luftraum noch weiteren Stauraum abzutrotzen. „Verengt sich das Dach nach oben hin nicht zu schnell, lässt sich auf halber Höhe ein Podest anbringen. Dort kann man dann eine Lese- oder Kuschelecke einrichten oder sogar ein Hochbett aufbauen“, sagt Heyden.

An den schrägen Deckenflächen in einer Dachwohnung stößt man sich schnell mal den Kopf. Daher sollte man bei der Platzierung von Sitzgelegenheiten unbedingt auf die Positionierung achten: „Die Personen sollten immer in die Richtung aufstehen, in der sich die Schräge weitet. So hat man in der Bewegung am meisten Platz“, sagt Heyden. Den nach unten zulaufenden Winkel des Daches sollte man also immer im Rücken haben. „Auch das Bett sollte so platziert sein, dass man mit dem Kopf zur Schräge hin liegt, damit man bequem aufstehen kann“, rät die Einrichtungsexpertin.

Auch die Farbwahl kann die Wirkung des Raumes stark beeinflussen. „Damit die Dachschrägen den Raum nicht optisch erdrücken, sollte man diese Flächen in möglichst hellen Farben streichen“, sagt Heyden. Für bunte oder dunklere Bereiche eignen sich eher die geraden Stirnwände der Dachgeschosswohnung. „Da dunkle Flächen immer zueinander streben, kann man die farbig akzentuierten Stirnseiten auch dazu einsetzen, einen länglichen Dachraum kürzer wirken lassen“, sagt Heyden. Um die Höhe und Weite des Raumes zusätzlich zu betonen, kann man außerdem die Gaube bis in den letzten Winkel mit Deckenstrahlern ausleuchten.

Bleibt noch ein Thema: Die Temperatur unter dem Dach: So schön der Anblick des Sonnenuntergangs aus dem Dachfenster auch ist – die Nähe zur Sonne kann manchmal zur Qual werden. „Zuerst kriecht die Hitze durch die Fenster in die Dachwohnung. Man muss sich darüber klar sein, dass viele Dachfenster zwar viel Licht hereinlassen, aber dass sich mit jedem Fenster auch der Hitzefaktor unter dem Dach erhöht“, sagt Ruth Mayr, Redakteurin der Zeitschrift „Althaus modernisieren“. Vor allem schräge Fenster bieten der Sonne eine große Angriffsfläche. Damit sich an Sommertagen unter dem Dach nicht die Hitze staut, ist es also wichtig, die Fenster gut abzuschatten. Am besten eignen sich dafür Systeme, die von außen angebracht sind, wie beispielsweise Rollläden oder Markisen. „So gelangt die Hitze gar nicht erst durch das Glas in den Wohnbereich, und es bleibt dementsprechend kühler“, kommentiert Ruth Mayr.

Oft ist die Hitze aber auch die Folge unzureichender Dämmung. Gibt es dort Mängel, kann man versuchen, nachträglich noch eine Innendämmung anzubringen. „Man kann Traglatten an die Wände und Decken anschrauben, die man mit einem dichten Dämmmaterial mit hoher Rohdichte ausfüllt. Darüber kommt dann eine Bekleidung, beispielsweise aus Holz oder aus Gipskartonplatten“, sagt Elmar Haag-Schwilk. Allerdings ist bei dieser Zusatzdämmung das Risiko hoch, dass Verarbeitungfehler zu Folgeschäden führen. „Man sollte sich also auf jeden Fall von einem Fachmann beraten lassen und bei einer Mietwohnung die Erlaubnis des Hausbesitzers einholen. ddp

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